Kartons über Kartons, Reisetaschen mit Kleidung stapelten sich in der Wohnung. Fax und Telefon standen einfach nicht mehr still. So sah vor wenigen Wochen das Leben von Nadine Keilich aus. Auslöser war die Flutkatastrophe vom Juni, das soziale Netzwerk Facebook und die Hilfsbereitschaft von Keilich. Am Ende fuhren mehrere Lkw mit Möbeln, Kleidung und anderen Hilfsgütern nach Gera und Pirna.

Aber die Geschichte muss von Anfang an erzählt werden, um ihre Besonderheit zu verstehen: Die Schreckensmeldungen aus den Hochwassergebieten im Elbtal und die Hilflosigkeit der verzweifelten Menschen vor ihrem materiellen Verlust berührten Nadine Keilich. Da reifte bei ihr ein Entschluss: "Da muss doch geholfen werden." Dabei kam ihr das Internet zur Hilfe. Kurzerhand eröffnete sie auf dem sozialen Netzwerk Facebook die Seite "Sonnefeld hilft Flutopfern", schilderte ihr Anliegen, appellierte im Zeichen der Solidarität an die Spendenbereitschaft und veröffentliche ihre Adresse zur Anlieferung.

"Nach kürzester Zeit war bei mir daheim mit Spenden alles voll", erinnert sich Keilich. Mit durchweg positiven Kommentaren und einem Klick auf den "gefällt-mir-Button" sicherten Privatpersonen ihre Unterstützung zu.
"Innerhalb weniger Tage hatte ich 1000 neue Freunde", erinnert sich Keilich und damit zahlreiche Unterstützer. Zusätzlich ließ sie 5000 Flyer und 30 Plakate drucken - gesponsert von einer Firma aus Weidhausen.

Dieses Unternehmen blieb bei weitem nicht das einzige aus der heimischen Wirtschaft. Viele weitere stellten Fahrzeuge, Verpackungsmaterial und anderes bereit. "Bei der Aktion haben wir nichts aus eigener Tasche zahlen müssen. Wir hatten umfangreiche Unterstützung", betont Keilich. Sogar im Radio lief ein kurzer Beitrag. "Dadurch kamen die Leute wirklich von überall her", so die Initiatorin.

Fortan stand ihr Telefon nicht mehr still. Das Faxgerät spuckte lange Listen mit Beschreibungen bereitgestellter Gegenstände aus. Immer wieder informierten sich die Helfer über die Facebook-Seite. "Vom Umfang des solidarischen Miteinanders war ich überrascht", sagt die Initiatorin rückblickend.

Früh reichte der Platz nicht aus

Rasant füllte sich ein Zimmer ihres Hauses mit Kartons, Koffern und Reisetaschen. In der Garage sah es nicht minder chaotisch aus - bis unter die Decke stapelten sich die Spenden.
Aber Hilfe kam auf Vermittlung der Gemeindeverwaltung zustande. Die leerstehende Hummel-Ausstellungshalle von der Firma Max Schultz konnte als Lager genutzt werden.

"Jedermann hätte die Idee haben und umsetzen können", kommentiert Bürgermeister Rainer Marr (CSU) den überwältigenden Erfolg des Spendenaufrufs. Keilich hatte sie und darauf kann sie, auch nach Ansicht des Gemeindeoberhaupts, stolz sein.
Die selbst auferlegte Bescheidenheit der jungen Mutter hält Marr, aufgrund der nicht absehbaren Resonanz, für nicht angebracht. "Wenn`s drauf ankommt, stimmt die Solidarität", unterstreicht Marr die Spendenbereitschaft.

Eine ganze Halle voller Spenden

Schnell verwandelte sich die leerstehende Halle in ein Warenhaus. Sogar Möbel wurden gespendet. Innerhalb von drei Wochen waren hunderte Quadratmeter belegt. Bekleidung Wäschestücke, Schuhe, Kinderspielzeug, Gegenstände zur Wohnungseinrichtung, Möbelgarnituren und Haushaltsgeräte wie Fernseher oder Waschmaschinen - alles was die Flut den Menschen genommen hat.

"Menschen, die ich vorher noch nie gesehen hatte standen nach telefonischer Voranmeldung als Helfer neben mir", erinnert sich Keilich. Viele der anfangs namenlosen Helfer kamen nicht nur aus Sonnefeld und Umgebung, sondern auch aus den Nachbarlandkreisen Lichtenfels und Kronach.

"Die weiteste Entfernung von der ich weiß, fuhr eine Frau, die 1,5 Stunden entfernt wohnt", sagt Keilich. Sie knüpfte Kontakte zu Hilfsorganisationen in den Flutgebieten, um sicher zu gehen, dass die Spenden ankommen.
Der erste Transport startete am 24. Juni mit dem Ziel Gera. Zwei 7,5-Tonner und ein Kleintransporter voll mit Hilfsgütern fuhren zur Caritas, die sich durch Listen mit Spendenbedarf um die Verteilung kümmerte.
Dort sahen Keilich und ihre Helfer erstmals die direkten Auswirkungen der Flut - mit all ihrem Leid und den persönlich Sorgen der Menschen. Dankbare Betroffene waren der erste Lohn für die Strapazen der Vorbereitung.

Die positive Resonanz und der direkte Kontakt mit den Betroffenen war Ansporn, einen weiteren Transport ins sächsische Elbtal bei Pirna und Heidenau zu initiieren. Mit zwei 40-Tonnern und einem 7,5-Tonner der Sonnefelder Feuerwehr wurde Ende Juni eine Sammelstelle nahe dem Elbflorenz angesteuert.
Auf der Facebook-Seite reihen sich inzwischen dankbare Stellungnahmen der Empfänger aneinander. "Ich bin allen Spendern und Helfern gleichermaßen für ihre uneigennützige Einsatzbereitschaft dankbar", betont Keilich.

Die Helfer machen weiter

Das Wasser hat sich vieler Orts zwar schon wieder zurück gezogen, aber für Keilich und ihre Helfer geht es weiter: "Ich finde es echt schade, dass in den Medien von der Flut und den Betroffenen eigentlich gar nicht mehr berichtet wird, obwohl einige Gebiete sogar noch unter Wasser stehen.
Die Menschen werden vergessen. Das ist auch der Grund, warum ich weitermache." Ihre Bescheidenheit legt Keilich weiterhin an den Tag: "Obwohl wir insgesamt fünf Lkw und einen Sprinter voll hatten, war unsere Spende nur ein sehr kleiner Beitrag zu dem, was eigentlich alles benötigt wird."