Der Abstieg rückt immer näher. Mit 25:28 (13:17) verlor der HSC 2000 Coburg sein fünftletztes Heimspiel in der HUK-Coburg Arena gegen MT Melsungen. Der Abstand zum rettenden Ufer in der 1. Handball-Bundesliga wird immer größer, weil die Konkurrenz im Abstiegskampf weiter fleißig punktet. Dem TBV Lemgo gelang ein Überraschungscoup, denn der abstiegsgefährdete 14. der Tabelle besiegte sensationell den Tabellendritten THW Kiel mit 34:30.
Aber auch der Bergische HC stockte mit dem 28:26-Heimsieg gegen den HC Erlangen sein Punktekonto auf nun bereits 15 Zähler auf und hat damit auf dem ersten Nichtanstiegsplatz schon sechs Punkte mehr als die Vestestädter.
Jan Gorr, der Trainer der "Gelb-Schwarzen" räumte bereits vor dem Spiel gegen die Melsunger, denen sein HSC am 1. Spieltag 2016 völlig überraschend eine Heimpleite beifügte, im Interview mit der "Handball-Woche" ein: "Es ist wahrscheinlich, dass wir in der nächsten Saison wieder in der zweiten Liga auf Punktejagd gehen. Ich muss gestehen, auch ich habe die Ausgeglichenheit der Liga unterschätzt, denn ich hätte nicht gedacht, dass man mindestens 20 Punkte zum Klassenerhalt braucht".
Gegen Melsungen wären zwei Coburger Punkte durchaus möglich gewesen, denn die Gäste aus Hessen boten am Samstagabend jede Menge Angriffsfläche, produzierten sehr viele technische Fehler und traten nicht wie ein Europapokal-Teilnehmer in Coburg auf. Einzig die beiden aus Bayreuth stammenden Müller-Brüder im rechten und linken Rückraum hatten anscheinend richtig "Bock" auf den HSC und lieferten sich so manches, aggressives Privatduell mit den Gastgebern.
Dennoch hätte Coburg einen Gegner in solch einer schwachen Verfassung besiegen müssen, um die ohnehin nur noch wagen Hoffnungen auf den Klassenenerhalt weiter schüren zu können. Doch die Gorr-Truppe packte die sich bietende Gelegenheit nicht am Schopf, weil Harmandic, Büdel, Lilienfelds & Co. noch mehr Fehler produzierten als Melsungen und eines ihrer bisher schwächsten Heimspiele in der 1. Liga ablieferten.
Eine gute Anfangsphase bis zum 9:8 (12.) war schnell verpufft und selbst elf Tore von "Kiwi", der sich immer wieder durchtankte und vehement traf, halfen am Ende nicht. Dass der österreichische Nationalspieler dabei auch zahlreiche "Fahrkarten" schoss, war nur normal. Warum ihn sein Trainer in der Phase, in der der HSC bei einem Tor Rückstand 18 Minuten vor Schluss nach einer Verschnaufpause nicht sofort wieder aufs Parkett schickte, war für viele Fans unverständlich.
Überhaupt wechselte Gorr munter durch. Allerdings brachte weder das Torwart-Wechsel-Spielchen Mitte der ersten und später nach einer Auszeit in der zweiten Halbzeit, noch die Variante mit Riehn unmittelbar nach der Pause auf Linksaußen den erhofften Erfolg. Am Kreis waren Weber und vor allem Kelm überfordert, der oft lange auf der Bank schmorende Hagelin zeigte bei seinen Einsätzen dagegen die erforderliche körperliche Präsenz.
Ein anderer drückte dem Duell jedoch eindrucksvoll seinen Stempel auf und zeigte dem Coburger Publikum was Erstliga-Handball so schön und interessant machen kann! Melsungens wieselflinker Rechtsaußen Sellin war immer zur Stelle, wenn es bei Tempogegenstößen brannte. Aber nicht nur da. Auch vom Siebenmeterstrich hatte der "Wirbelwind" eine 100prozentige Trefferquote, so dass er ebenfalls auf stolze elf Tore kam.
Zum Vergleich mit Coburgs Nationalspieler, dem ebenfalls sonst auf Rechtsaußen wirbelnden Florian Billek, kam es allerdings nicht, denn der beste HSC-Torschütze verfolgte die Partie verletzt, tatenlos und mit Cappy an der Außenlinie. Er wurde gemeinsam mit knapp 3000 enttäuschten Anhänger Augenzeuge, wie sein Team einen weiteren Schritt Richtung 2. Liga machen musste.