Es ist rund acht Monate her, dass der Coburger Schlachthof - zunächst vorübergehend - geschlossen wurde. Das Fernsehmagazin "Quer" hatte Vorwürfe erhoben, es sei Fleisch in Umlauf gebracht worden, das nicht für den menschliche Verzehr zugelassen war. Anonyme Zeugen behaupteten das. Beweise hatten die Journalisten nicht. Inzwischen wurde ermittelt, und das wird es noch.


Wann beginnt die Verhandlung?


Leitender Oberstaatsanwalt Anton Lohneis bestätigte auf Anfrage, dass "die Ermittlungen demnächst abgeschlossen werden könnten". Noch ist nicht alles untersucht, können neue Erkenntnisse weitere Ermittlungen erforderlich machen und das Ende der Untersuchung weiter verzögern.
Über den möglichen Beginn einer Verhandlung möchte Anton Lohneis nicht spekulieren.


Die Untersuchungen der Ermittlungsbehörden richten sich zunächst gegen einen Großschlächter, der einen Teil des Schlachthofs nutzte. Ein anderer Teil lag in der Verantwortung der Stadt. Nur das private Unternehmen soll so genanntes "K3-Fleisch" an Metzgereien und Gaststätten in der Region verkauft haben. Ermittlungen laufen auch in Richtung der Abnehmer. Lohneis: "Da gab es Gutgläubige." Es habe aber gewiss auch Abnehmer gegeben, die genau wussten, was sie da in Verkehr bringen. Ermittelt wird auch gegen den Betreiber der Kuttelei des Schlachthofs, in der angeblich "K3-Fleisch" zerlegt worden sein soll.


Streit um Abfindung


Lohneis bestätigte zudem Ermittlungen gegen den früheren Leiter des Schlachthofes, der bereits seit einiger Zeit im Krankenstand war, als im Fernsehen auf die angeblichen Missstände im Betrieb aufmerksam gemacht wurde. Dem Schlachthofleiter war im Zuge der Schließung der Einrichtung betriebsbedingt gekündigt worden. Dass er zurzeit mit der Stadt im Rechtsstreit liegt, weil er eine Abfindung durchsetzen will, wollte Stadtsprecher Michael Selzer gestern nicht bestätigen. Dass es dabei um 140 000 Euro geht, während die Stadt nur gut die Hälfte der Forderung bezahlen will, war aus nichtöffentlicher Sitzung des Stadtrats durchgesickert. Ein Mangel an Disziplin, den auch Oberbürger Norbert Kastner (SPD) jüngst kritisierte.


K3-Fleisch darf an Hunde verfüttert werden


Wie hoch der materielle Schaden ist, der durch den Coburger "Fleischskandal" entstand, muss noch festgestellt werden, so Anton Lohneis. Zu Beginn der Ermittlungen wurde noch davon ausgegangen, dass Großabnehmer kein "K3-Fleisch" erhalten haben. Gemessen an den Mengen, die bei dem Großschlachter verarbeitet wurden, soll das verwerfliche Gut nur in "untergeordneten Mengen" eine Rolle gespielt haben. Fleisch der Kategorie 1 (hoch risikobehaftet) und der Kategorie 2 (nicht zum Verfüttern geeignet) soll mit hoher Sicherheit nicht zum Verzehr verkauft worden sein. K3-Fleisch darf zum Beispiel an Hunde verfüttert werden. Auch zu diesem Zweck soll solches Fleisch in Coburg abgegeben worden sein.