Stufen vor den Eingängen, schmale Türen, enge Parkplätze, fehlende akustische Signale an Ampelanlagen: Es gibt viele Barrieren, die Menschen mit Behinderungen den Alltag erschweren. Der VdK-Kreisverband Coburg beteiligt sich an der Aktionswoche "Weg mit den Barrieren"mit einem Info-Stand in der Fußgängerzone.
Am Donnerstag haben die Vertreter zu einem Rundgang durch die Innenstadt eingeladen. Im Gegensatz zu vielen Städten und Kommunen habe die Stadt Coburg schon sehr viel für die Barrierefreiheit getan, lobte der Kreisvorsitzende Hellmut Ott vorweg. Aber es gebe immer noch einige unüberwindbare Hürden. Vier Rollstuhlfahrerinnen verdeutlichten dies.

Christa Ott ist seit 41 Jahren durch einen Verkehrsunfall querschnittgelähmt, Elvira Stoll sitzt nach einer schweren Erkrankung im Rollstuhl, Heike Eckstein wurde durch einen Schuss in die Wirbelsäule im Jahr 1980 schwer verletzt und Theresia Vollkommer durch einen Autounfall. Das Leben der Frauen hat sich von einem Tag auf den anderen drastisch geändert. "Ich bin am Freitag noch auf die Arbeit und am Montag war ich gelähmt", beschrieb Elvira Stoll eine Situation, die jeden Bürger treffen könne.


In Läden oder Arztpraxen gelangen sie kaum

Die Frauen waren mit den Rollstuhl in Coburg unterwegs. Besonders das Betreten der Läden in der Stadtmitte oder der Besuch von Arztpraxen sei oft unmöglich. "Eine Stufe wäre noch zu schaffen, aber zwei Stufen sind nicht zu überwinden", sagte Elvira Stoll. "In denkmalgeschützte Häuser kommen wir gar nicht erst rein", unterstrich sie und: "Ich habe auch keine freie Arztwahl, sondern ich muss eine barrierefreie Praxis wählen." Eingekauft werde in Geschäften auf der "grünen Wiese" am Stadtrand, wo Barrierefreiheit gegeben sei.
Heike Eckstein und Theresia Vollkommer wiesen auf ein weiteres Problem hin: Es fehlen demnach sanitäre Anlagen für Rollstuhlfahrer. "Abends im Josias-Biergarten mit Freunden ein Bier trinken, geht nicht. Wie soll ich die Treppe zum WC runter kommen?", fragte Heike Eckstein.

Coburgs Dritter Bürgermeister Thomas Nowak (SPD) bemerkte beim Anblick vieler Stufen: "Da sind natürlich auch ein Stück weit die Hauseigentümer und Ladeninhaber gefordert." Ein positives Beispiel beim Rundgang war die Hofapotheke Am Markt. Über eine Rampe gelangten die Frauen bequem und mühelos in das Geschäft. Schwierig gestaltet sich für Menschen mit Behinderung die Parkplatzsuche. Beispielsweise sei ein Parken am Friedhof wegen der Enge kaum möglich, sagte der VdK-Kreisvorsitzende Hellmut Ott. "Man kann die Autotür nicht weit öffnen."

Ein weiteres Beispiel: Im Ärztezentrum im ehemaligen ESCO-Park in der Rosenauer Straße stehe neben dem Kassenautomat ein großer Betonsockel. "Meine Frau muss jedes Mal eine Arzthelferin bitten, den Parkschein zu lösen", so Ott.


An den Bushaltestellen hat sich schon einiges für Menschen mit Behinderung getan

Klaus Blumberg, der stellvertretende VdK-Kreisvorsitzende betonte, dass das Thema "Barrierefreiheit" auch auf Menschen mit Schwerhörigkeit oder Sehbehinderung zutreffe. Diese benötigten akustische und optische Signale. Bushaltestellen, sagte Thomas Nowak, seien bereits barrierefrei mit den sogenannten Kassler Bord versehen und Busse mit gelben Haltegriffen ausgestattet.

Ein Dauerthema ist der Coburger Hauptbahnhof. Dieser stelle eine große Barriere dar, so Nowak. Dies bestätigte Heike Eckstein. "Ich fahre oft mit der Bahn, allerdings immer von Lichtenfels", sagte sie.
Der Behindertenbeauftragte der Stadt Coburg, Wolfgang Doischer, freute sich über die Fortschritte in der Stadt. "Es geschieht einiges, Coburg ist ein großes Stück voraus." Als ein Paradebeispiel der Barrierefreiheit nannte er die Tiefgarage am Albertsplatz.

Um die Situation weiter zu verbessern, soll eine Liste mit den Barrieren an das Straßenbauamt weitergeleitet werden. Für die Passanten hatte der VdK-Kreisverband eine Checkliste vorbereitet, damit sie sich einen Eindruck verschaffen können. Ott erklärte, Barrieren könnten alle Bürger im Internet in die "Landkarte der Barrieren" eintragen oder auch zusenden.
Weitere Informationen Sozialverband VdK Bayern, Schellingstraße 31, 80799 München, Fax: 089/2117-258; Homepage: www.weg-mit-den-barrieren.de