Ein achtjähriges Mädchen steht vor den Security-Leuten an der Frankenhalle. Sie ist allein. In jeder Hand hat sie eine Einkaufstüte. In der einen sind Süßigkeiten, in der anderen kleine Plüschtiere. Die Sachen will sie den Kindern geben, die mit ihren Familien in der Halle untergebracht sind.

Eines von vielen Beispielen, die Jürgen Forscht vom Landratsamt Coburg aufzählt, ehe er sagt: "Die Hilfsbereitschaft der Neustadter ist gigantisch."

Forscht verteilt nicht alles, wie es ankommt. Es wird genau überlegt, wer was brauchen kann. "Es kommen ja noch viel mehr Leute", erinnert Forscht daran, dass am Ende 170 Asylsuchende in der Frankenhalle leben sollen. "Wir sind sehr froh, dass wir jetzt erst einmal mit 48 Personen quasi üben können", sagt Forscht. So entwickeln sich Strukturen und Abläufe, die dann ausgebaut und erweitert werden können, wenn die Halle voll ist.

Hilfe will verwaltet werden

Unterdessen besteht eine große Aufgabe der Helfer darin, die Flut der Hilfsangebote zu koordinieren. Kleidung geht gebündelt an die Awo. Im Treff in der Kirchstraße wird alles geordnet und sortiert. "In Gruppen werden wir dann mit den Gästen dort hin gehen, und sehen, was für wen geeignet ist", erklärt Forscht.

Die Hilfe lässt sich sogar lenken. "Wir hatten kaum auf Facebook (Neustadt bei Coburg - Refugees welcome) gepostet, dass wir Sport- und Badekleidung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene brauchen, da waren die ersten Pakete auch schon da", sagt Forscht begeistert. Ähnlich ist es mit Baybynahrung, Windeln, Feuchttüchern. Während er erzählt, kommt schon eine Lieferung mit eben diesen Sachen. Eine Spende der Polizei in Neustadt. Eine Schwangere muss zum Frauenarzt. "Da brauche ich eine Frau als Dolmetscher", steht für Forscht fest. Die kommt - weil sie ihr Chef ganz unbürokratisch dafür von der Arbeit weg lässt.

Am Wochenende kommen Helfer des BRK mit einem Arzt, um einen Gesundheitscheck für alle Asylbewerber vorzunehmen - ehrenamtlich versteht sich. Ein anderer muss zur Zahnbehandlung. Auch das wird ohne große Umstände ermöglicht.

Angebote für Beschäftigung

Gedanken machte sich Jürgen Forscht anfangs, wie er die große Gruppe beschäftigen kann. Untätigkeit ist nicht gut für die Stimmung, weiß der Sozialpädagoge. Seine Sorge war unbegründet. "Es wird ein richtiges Sport- und Kinderprogramm geben", weiß er jetzt. Jugendpflege, Evangelische Jugend und Kolpingfamilie boten sofort an, sich an der Betreuung zu beteiligen. Aber es kam noch viel mehr. Stadtrat Bastian Schober (SPD) organisierte Hallensport in Fürth am Berg. Eine Gaststätte bot ihre Kegelbahn an. Andere laden zum Billard ein.

Gerade als Jürgen Forscht von den "offenen Türen" spricht, die er überall in Neustadt findet, öffnet sich die zu seinem Büro in der Frankenhalle. Dieter Wolf, der Vorsitzende der Tschernobyl-Kinderhilfe schaut vorbei. "Wenn wir irgendwas tun können, sagt uns was fehlt, wir haben einiges auf Lager", sagt er. Ein Angebot, das Jürgen Forscht gern annimmt - aber vor allem mit Blick auf den Tag, an dem die Halle noch viel mehr Menschen aufnehmen muss.

"Eine Musiklehrerin hat angeboten, mit den Kindern eine Spielgruppe zu machen", erzählt Forscht weiter. Lehrerinnen wollen einfache Lernspiele anbieten. Schon ab kommender Woche wird ein halbtägiges Programm für die Kinder stehen.

Schon nach den wenigen Tagen, seit der Ankunft am Mittwoch hat sich eine Art Teamgeist in der Halle gebildet. Das ist es, was Jürgen Forscht wollte: "Wir sind hier eine Mannschaft, wir machen alles zusammen", ist seine Devise. Von morgens 7.30 Uhr bis abends 20 Uhr oder länger ist er vor Ort. Inzwischen weiß jeder, dass er mit anpacken muss. Halle sauber halten, Abläufe organisieren, Essenzeiten und die Nutzung der Duschen einhalten, alle wissen, dass sie jetzt Strukturen aufbauen müssen, die auch funktionieren sollen, wenn 170 Leute danach handeln.

Poitive Stimmung

Hausmeister Harald Hofmann und sein Kollege Christian Bauer sind ebenfalls in die "Mannschaft" integriert. Sie planen, organisieren und improvisieren nach besten Kräften mit. "Es ist unglaublich, was alles kommt", sagt Hofmann mit Blick auf die Kartons, Taschen und Beutel, die abgegeben wurden. Er bestätigt den Eindruck, dass die Stimmung in der Halle sehr positiv ist.

Das gilt auch für die freundlichen Herren der Security, die inzwischen reichlich damit zu tun haben, all die Sachen anzunehmen, die an der Halle abgegeben werden.

Hilfe kommt auch von anderen Asylbewerbern, die schon länger in Deutschland sind und dezentral untergebracht sind. "Die kommen in die Halle, weil sie sich einfach nützlich machen wollen", sagt Jürgen Forscht. So weit er weiß, bleibt es mindestens über das Wochenende bei einer Belegung mit 48 Leuten. "Das ist toll, da kann sich alles noch besser einspielen", sagt er. Denn alle die schon da sind, werden mit jedem Tag ein wenig mehr zu Helfern für die, die noch kommen werden.