Mit einem Zitat des französischen Aufklärers Voltaire stellte Neustadts Oberbürgermeister Frank Rebhan (SPD) die zurzeit geführte Diskussion um die Meinungsfreiheit an den Beginn seiner Rede zum diesjährigen Stadtempfang: "Ich mag verdammen, was Du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass Du es sagen darfst", soll Voltaire gesagt haben. Heute, so Rebhan, hätte er auch einfach "Je suis Charlie" sagen können.
Was bundesweit und in der Welt rund um das Thema Fremdheit und Zuwanderung diskutiert wird, fasste Frank Rebhan in einem einfachen Satz für die lokale Ebene seiner Stadt zusammen: "Wer in Neustadt lebt, ist Neustadter - mit allen Rechten und Pflichten."
Er erinnerte daran, dass gerade wir Deutschen mit der Grenzöffnung erlebt hätten, wie stark die Kraft der Bewegung hin zur Demokratie, hin zur Freiheit sein kann.
Gerade in diesem Zusammenhang freue es ihn besonders, dass seine Kollegin Bürgermeisterin Sibylle Abel (CDU) aus Sonneberg zum Stadtempfang gekommen sei. "Fakt ist, Neustadt und Sonneberg befinden sich seit 25 Jahren unter dem Brennglas derer, die politische Narbenbildung in Wort und Bild dokumentieren wollen. Tatsächlich aber taugen wir nicht für Gaffer. Im Gegenteil. Unsere Städtepartnerschaft hat in den vergangenen 25 Jahren erleben dürfen, dass mehr Sonneberger und Neustadter geheiratet haben als sonst wo zwischen Ost und West", beschrieb Rebhan das Verhältnis zwischen den Nachbarstädten. Er zeigte sich überzeugt, "dass hier zusammengewachsen ist, was zusammengehört."
Mit Zitaten aus alten Berichten ließ Frank Rebhan den Schmerz deutlich werden, den die Schließung der Grenze einst verursachte. Für heute stellte er fest: "Dieser Schmerz ist mit der Öffnung der Grenze für beide Seiten gelindert, vielleicht inzwischen geheilt worden." Die Städtepartnerschaft sei 1990 nicht aus dem "Nichts" gekommen. Schon in den 80er Jahren seien ernsthafte Versuche unternommen worden, über den Eisernen Vorhang hinweg zu einer Partnerschaft zu kommen.
Mit Blick in die Zukunft fragte der OB: "Wird der Tag kommen, an dem Bundesländergrenzen verändert werden? Was macht die Europäische Union aus den sogenannten Regionen? Wie genau wird sich der demografische Wandel auf unsere Städte und das Leben in unserer Region auswirken?" Antworten müssten gemeinsam in Partnerschaft gesucht und gefunden werden.

Zusammengerauft

Bei ihrer Gründung im Jahr 1990 sei die Partnerschaft ein Wunsch der Bevölkerung gewesen, der von den beiden Stadtführungen umgesetzt wurde, sagte Sonnebergs Bürgermeisterin Sibylle Abel. Im Abkommen zur Partnerschaft sei der Auftrag enthalten, die Beziehungen zwischen den beiden Städten zu vertiefen. "Ganz unkompliziert haben unsere Kultur- und Sportvereine die Partnerschaft umgesetzt", stellte sie fest. Sie wusste aber auch: "Es ist nicht immer ganz einfach, eine Partnerschaft zu leben, wenn zwei Städte unmittelbar nebeneinander liegen." Nicht immer sei man einer Meinung gewesen. Doch hätten sich die Städte "zusammengerauft". Heute sei es selbstverständlich, dass die Neustadter Telenec Sonneberg mit schnellem Internet versorgt. Umgekehrt helfe Sonneberg den Nachbarn beim Hochwasserschutz.
Die Goldene Stadtmedaille geht in diesem Jahr an Burkhard Grempel. Er erhält die hohe Auszeichnung für seine Verdienste um die Sammler- und Briefmarkenfreunde Neustadt. Nach der Gründungsversammlung der Sammler- und Briefmarkenfreunde im Jahr 1989 übernahm Burkhard Grempel das Amt des Schriftführers im Verein und übte dies 14 Jahre lang aus. Seit zwölf Jahren ist er Vorsitzender.
Gleich im Viererpack geht die Goldene Stadtmedaille an verdiente Fischer. Thomas Hutterer, Fredy Hellmann, Jürgen Müller und Gert Seifert erhalten die Auszeichnung für ihre Verdienste um Fischereiwesen und Naturschutz. Bereits seit Anfang der 90er Jahre üben die Vier ihr Ehrenamt. Thomas Hutterer für den Angelclub Neustadt und die Petrijünger Hellmann, Müller und Seifert für die Angelfreunde Meilschnitz. Vom Angelclub Neustadt werden der Rottenbachteich und das Gewässer im Freizeitpark betreut. Die Angelfreunde Meilschnitz kümmern sich um den Paarhosenteich, den Haiderteich und um die Steinach von der Landesgrenze her kommend bis nach Wörlsdorf.
Martina Braun erhält die Goldene Stadtmedaille für ihr soziales ehrenamtliches Engagement in der Kirchengemeinde St. Ottilia. Über ihre Berufstätigkeit als Religionspädagogin zeigt Martina Braun in besonderer Weise soziales ehrenamtliches Engagement. Seit über 26 Jahren ist sie Mitglied des Pfarrgemeinderates St. Ottilia und seit 2006 dessen Vorsitzende. Seit dem Jahr 2009 ist sie zudem Vorsitzende der Kolpingfamilie und seit vergangenem Jahr die Bezirksvorsitzende der Kolpingfamilie für den Bezirk Obermain.
Über ihren Gemeindeauftrag bei der Kirchengemeinde St. Ottilia hinaus leistet Frau Braun unzählige ehrenamtliche Stunden bei Haus- und Krankenhausbesuchen von Gemeindegliedern. In Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirche und dem Imam der islamischen Gemeinde gestaltet sie den Dialog zwischen den Kulturen in Neustadt mit. Für die Stadt Neustadt ist Frau Braun seit über 15 Jahren im Vorstand des Jugendforums aktiv, davon 13 Jahre als Vorsitzende.
Für sein soziales ehrenamtliches Engagement als Kirchenpfleger in der Kirchengemeinde St. Ottilia erhält Ulrich Gwosdzik ebenfalls die Goldene Stadtmedaille. Schon während seiner Zeit als geschäftsführender Beamter bei der Stadt Neustadt war Ulrich Gwosdzik bei der Kirchengemeinde St. Ottilia in Neustadt engagiert. Seit seiner Pensionierung ist er Ansprechpartner gegenüber der Stadt bei allen kirchlichen Angelegenheiten. Ulrich Gwosdzik ist seit 1986 ununterbrochen Kirchenpfleger bei der Kirchengemeinde St. Ottilia und Vorsitzender der Kirchenverwaltung. Er vertritt den Pfarrer in finanziellen, organisatorischen und personellen Angelegenheiten.
Mit der Goldenen Stadtmedaille würdigt die Stadt auch die Arbeit von Isolde Kalter. Sie hat sich Verdienste um die Heimatpflege in der Stadt erworben. Das Interesse an der Geschichte ihrer Heimatstadt und der Heimatpflege in Neustadt wurde Isolde Kalter schon in die Wiege gelegt. Neben ihrer beruflichen Tätigkeit als Diplom-Bibliothekarin bei der Landesbibliothek in Coburg ist sie seit 1997 ehrenamtliche Stadtheimatpflegerin bei der Stadt Neustadt. Sie trat damals die Nachfolge für ihren Vater Helmut Scheuerich an.
"Allein der jährliche Tätigkeitsbericht von Isolde Kalter bringt mich immer wieder zum Staunen", sagte der Oberbürgermeister.
Jürgen Bieberbach erhält die Goldene Stadtmedaille für seine Verdienste um die Wirtschaft in Neustadt. 1964 übernahm er den Glasereibetrieb von Karl Trott. In den 80er und 90er Jahren wurde der Betrieb kontinuierlich erweitert. 1998 übergab Werner Bieberbach den Betrieb an seinen Sohn Jürgen, der ihn seitdem als Bauglaserei Bieberbach weiterführt. "Die Bauglaserei Bieberbach ist einer der führenden Handwerksbetriebe in unserer Stadt", würdigte Rebhan Bieberbachs Lebenswerk.