Der Angeklagte sitzt gebückt auf der Anklagebank, den Blick starr auf den Boden gerichtet. "Wenn ich in den Medien Christoph Metzelder sehe, dann sehe ich mich selbst und das, was ich falsch gemacht habe", gesteht er leise. Metzelder wurde vor wenigen Tagen ebenfalls wegen des Besitzes von Kinderpornografie verurteilt

Der Mann steht zum zweiten Mal vor dem Amtsgericht Coburg, weil er kinder- und jugendpornografische Inhalte aus dem Internet heruntergeladen und auf seinem Rechner gespeichert hat, doch erst jetzt scheint ihm die volle Tragweite seines Handelns bewusst geworden zu sein. Das Gericht gibt ihm deshalb die letzte Chance, sich zu ändern - tut er es nicht, muss er ein Jahr und sechs Monate ins Gefängnis.

1000 Fotos abgespeichert

Die Polizei war im Jahr 2018 auf den Mann aus Bad Rodach aufmerksam geworden, weil ein Überprüfungstool der Social-Media-Plattform Tumblr Alarm geschlagen hatte. Der Polizeiinspektion Coburg wurde durch das Tool der Upload von 17 kinderpornografischen Dateien gemeldet. Die Beamten konnten das Profil zu dem Angeklagten zurückverfolgen, durchsuchten dessen Wohnung in Bad Rodach und wurden fündig. Auf dem Handy des Angeklagten fanden sie 27 Dateien, auf dem Rechner an die 1000 Fotos. Auf den Bildern sind Mädchen zwischen acht und 14 Jahren zu sehen, nur in Unterhosen oder in Badebekleidung, teils auch nackt in eindeutigen Posen. Der zuständige Polizeibeamte erzählte, der Angeklagte habe sich von Anfang an kooperativ verhalten und die Taten schon in der ersten Vernehmung gestanden.

Angst vor Vorurteilen

Nicht nur die hohe Anzahl der Bilder wirkte sich bei der Urteilsfindung negativ aus. Ebenfalls wurde zulasten des Angeklagten berücksichtigt, dass er die Taten unmittelbar nach der ersten Verurteilung im Juli 2018 begangen hatte. Zudem warf Staatsanwältin Anna Saam ein, der Angeklagte habe sich erst im Dezember 2018 darum bemüht, eine Therapie zu beginnen - eigentlich viel zu spät, um die Bewährungsauflage des ersten Verfahrens zu erfüllen. Der Angeklagte erklärte, einen Therapeuten zu konsultieren, habe ihn Überwindung gekostet, denn er habe "vor den Blicken Angst" gehabt und davor, für seine Neigung "vorverurteilt" zu werden. Die ersten Sitzungen seien schwierig gewesen, doch dann habe er gesehen, dass er "offen sprechen" und "loslassen" könne.

So sei es ihm gelungen, an sich zu arbeiten und sein Privatleben zu ordnen: Er habe sich dem Laufsport verschrieben, habe das Verhältnis zu seinem Sohn verbessern können und habe eine Freundin gefunden, die ihm "Halt gibt". Das alles sei für ihn Ansporn, "endgültig die Finger davon zu lassen". Seinen Laptop, so der Angeklagte, nutze er nur noch, um Videospiele zu spielen oder seinem neuen Hobby, dem 3D-Druck, nachzugehen. Einen Drang, wieder nach kinderpornografischen Inhalten zu suchen, verspüre er dabei nicht.

Ein gewisses Rückfallrisiko

Laut Gutachten seines Therapeuten gebe es dennoch ein gewisses Rückfallrisiko - nämlich dann, wenn der Sport als Ausgleich wegfallen oder es Probleme im privaten Bereich geben würde. Deshalb ordnete Richterin Jensch als Bewährungsauflage eine Fortführung der Therapie an.

Der Angeklagte zeigte sich kooperativ, denn er wolle weiter daran arbeiten, dieses Kapitel hinter sich zu lassen. Kinder, so der Angeklagte, "sollten einfach nur Kinder sein" und nicht für derartige Bilder posieren müssen. "Wenn die Industrie hinter diesen Fotos ein Feuer ist, dann habe ich durch das Herunterladen dieser Fotos Öl hineingegossen", erklärt er.

Die Reue des Angeklagten

Richterin Jensch berücksichtigte die Reue des Angeklagten zu dessen Gunsten und appellierte an ihn, sich an die Bewährungsauflagen zu halten, "damit wir uns nicht wiedersehen müssen". Neben der Haftstrafe auf Bewährung und der Fortführung der Therapie muss der Mann eine Geldstrafe in Höhe von 2000 Euro zahlen.