Der Täter besuchte seinen elfjährigen Neffen nachts im Bett, führte an ihm sexuelle Handlungen durch oder befriedigte sich vor dessen Augen selbst: Trotz teilweise heftiger Gegenwehr des Jungen ließ sein damals 19-jähriger Onkel nicht von ihm ab, drohte ihm Schläge an, im Fall, er vertraue sich jemandem an oder steckte ihm Geldscheine zu, um sein Schweigen zu erkaufen. Selbst der damals sechsjährige Bruder des Opfers blieb nicht verschont: Auch ihn zwang er - teils unter Anwendung von Gewalt - ihn unsittlich zu berühren und sexuell zu befriedigen.

Mehr als zwei Jahre lang, bereits ab Januar 1998, mussten die beiden Kinder die Handlungen ihres Onkels, eines türkischen Staatsangehörigen, in ihrem Wohnhaus im nördlichen Landkreis Kronach erdulden. Erst im vergangenen Jahr wurden die insgesamt 20 Übergriffe bekannt und landeten vor Gericht: In mindestens elf Fällen wirft die Staatsanwaltschaft dem heute 35-jährigen Angeklagten schweren sexuellen Missbrauch von Kindern vor.

Alter außer Acht gelassen
Dabei unterlief der Ersten Großen Strafkammer unter Vorsitz von Richter Gerhard Amend ein Lapsus, der auch dem Rechtsbeistand des Angeklagten, Bert Mölleken, und Staatsanwalt Christoph Gillot nicht auffiel: Zum Zeitpunkt der ersten und weiteren Taten war der Angeklagte erst 19 Jahre alt - und gilt damit als Heranwachsender. Damit allerdings ist nicht die Erste Große Strafkammer zuständig, sondern die Jugendkammer. "Keinem ist es aufgefallen. Das ist mir in 16 Jahren noch nie passiert", erklärte Amend, der beim Verlesen der Anklageschrift den Stein ins Rollen gebracht hatte und daraufhin an einer schnellen Fortsetzung des Prozesses arbeitete.
Bereits heute geht es um 9 Uhr vor der zuständigen Jugendkammer weiter.