Der Lärm, der Gestank, das Geklapper der Lkw-Anhänger - das ist für Martina Braunreuther als Anwohnerin direkt neben der Bundesstraße 303 unerfreulicher Alltag. Doch bald wird sich die Situation entspannen. Noch im August wird aller Voraussicht nach der Ausbau der Bundesstraße im Bereich der Ortsdurchfahrt beginnen, Vollsperrung inklusive. Das hat Projektleiter Harald Schnappauf am Dienstag beim Besuch von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) auf der Baustelle im Seßlacher Stadtteil berichtet.

Ein paar (kleine) Fragezeichen gibt es allerdings noch: Am Mittwoch finden abschließende Gespräche im Rahmen der Ausschreibung statt, wobei Harald Schnappauf da keine großen Überraschungen mehr erwartet: "Anfang August geht es los, wir rechnen mit eher vier als mit drei Monaten Vollsperrung." Wie der Verkehr umgeleitet wird, ist auch schon klar: über Thüringen. Details dazu werden Schnappauf und seine Kollegen von der Kronacher Servicestelle des Staatlichen Bauamtes Bamberg schon bald bekannt geben.

Freilich: Eine Umfahrung wäre den Oberelldorfer Bürgern lieber gewesen - das erfuhr der Minister im Gespräch mit einigen Anliegern. Aber ein Ende der "Buckelpiste" - diesen Begriff verwendete Dobrindt nach Zuruf eines Oberelldorfers - auf der Ortsdurchfahrt sei ja auch schon was. Und nicht zu vergessen: die Überholspur hoch in Richtung Dietersdorf. Die werde "Lärm und Gefährdung entschärfen", zeigte sich der Verkehrsminister überzeugt. Die Verkehrsbelastung der Straße nur wenige Meter neben ihm hinterließ beim Minister jedenfalls bleibenden Eindruck: Das offiziell gezählte Drittel Schwerlastanteil erschien Alexander Dobrindt nach stiller Zählung vorsichtig geschätzt: "Ich komme auf halbe-halbe."

Das sah auch der Seßlacher Bürgermeister, Martin Mittag (CSU), so: "Dass die Situation hier verbesserungswürdig ist, muss man nicht extra prüfen lassen." Wie Straßenbau-Abteilungsleiter Uwe Zeuschel (Staatliches Bauamt Bamberg) erinnerte, sei der Ausbau ursprünglich nur "normal", also zweistreifig, vorgesehen gewesen. Nachdem es aber gelungen sei, sowohl mit Grundstückseigentümer als auch mit den Naturschutzbehörden eine Einigung zu erzielen, habe man den erweiterten Ausbau samt einer Überholspur in Angriff genommen. Zwölf Meter breit wird dann die Fahrbahn auf einer Länge von knapp anderthalb Kilometern. "Ein Luxus", das stellte Zeuschel klar, sei die Überholspur auf keinen Fall. Bei 4,2 Prozent Steigung müsse man den Autofahrern die Gelegenheit geben, langsam fahrende Lastwagen zu überholen. Die dritte Spur diene ohne Frage in erster Linie der Verkehrssicherheit.


In Tambach muss was gehen

Den Verkehrsminister schon einmal vor Ort, dachten die Politiker des Coburger Landes gleich noch ein bisschen weiter. Landrat Michael Busch (SPD) erinnerte an die Notwendigkeit einer Umfahrung für Tambach, worauf sich auch Hans Michelbach (CSU) einschaltete. Der Bundestagsabgeordnete zeigte sich optimistisch, dass es auch für den Weitramsdorfer Gemeindeteil die Möglichkeit gibt, außerhalb des Bundesverkehrsplanes mit Sondermitteln für kleine und mittlere Projekte eine Verbesserung auf den Weg zu bringen. "Wir können die Situation dort nicht so lassen, wie sie derzeit ist", forderte Michelbach. Insofern sei so ein Ministerbesuch wie der gestrige immer eine gute Sache. "Da steigen die Chancen, dass in Zukunft mal was geht", zeigte sich der Bundestagsabgeordnete überzeugt.


Geblitzt wird erst einmal nicht

Nichts geht offensichtlich beim Wunsch der Tambacher Bürger, an der Steigung im Ort eine dauerhafte Geschwindigkeitskontrolle (samt "Blitzer", versteht sich) einzurichten. "Uns wurde in München gesagt, dass es so etwas in Bayern nicht geben wird", sagte der Landrat auf Nachfrage. Ein bisschen verwunderlich sei diese Aussage für ihn schon, ergänzte Busch - schließlich habe er von verschiedenen Seiten (Verkehrsbehörden, Polizei, Regierung von Oberfranken) lange Zeit nur positive Signale auf den Wunsch nach einer fest installierten Anlage bekommen. Nichtsdestotrotz, der Landrat will in diesem Punkt nicht aufgeben: "Wir müssen dafür sorgen, dass in Tambach und auch in Oberelldorf die Geschwindigkeitsbegrenzungen eingehalten werden."

Martina Braunreuther verließ den Ortstermin mit Minister Dobrindt durchaus zufrieden. Klar werde die Zeit der Vollsperrung auch für die Oberelldorfer Einschränkungen mit sich bringen, aber mal drei, vier Monate nicht im Minutentakt ein von Lastwagen ausgelöstes "kleines Erdbeben" vor der Haustür - das sei schon was. Bei ihrem Wunsch für die Zukunft war Braunreuther mit dem Landrat auf einer Wellenlänge: "Es wäre schön, wenn die Lastwagen künftig nicht mehr ungebremst durch Oberelldorf brettern."