Auch im Coburger Stadtteil Seidmannsdorf, der einzigen Fischzucht der Vestestadt und des Landkreises, dürfen sich seit September Feinschmecker auf die fangfrischen Karpfen freuen.

Im Herbst ist Erntezeit und auch in den Fischzuchtbetrieben beginnt das Karpfenabfischen. Das traditionelle Gericht "Karpfen blau", serviert mit leckeren Butterkartoffeln, Meerrettich und grünem Salat mit süß-saurer Zitronensoße ist in vielen deutschen Küchen zu Hause.

"Ohne Privatkunden könnten wir nicht durchhalten"

Karpfensaison ist in den acht Monaten mit dem Buchstaben "r", also von September bis April. Während es Forellen und Saiblinge ganzjährig zu kaufen gibt, muss der Karpfen-Feinschmecker schon auf die Monate mit dem "r" warten. Im Frühjahr wurden die "K2-Karpfen" mit einem Gewicht von 350 bis 400 Gramm in den Teichen von Adrian Vondran, der seit einigen Jahren die Seidmannsdorfer Fischzucht betreibt, eingesetzt. Jetzt haben sie ein Schlachtgewicht von 1500 bis etwa 1700 Gramm erreicht. Vor dem Verkauf, so erklärte es Adrian Vondran, werden sie noch 14 Tage gewässert. Bevor sie über die Ladentheke gehen, werden sie geschlachtet. "Frischer geht es nicht", so Vondran. Er bietet die Karpfen auch lebend oder eben küchenfertig an.

Dabei gibt es heuer ein großes Problem: "Gerade in der Zeit, wo wir Geld verdienen können, ist die heimische Gastronomie nun wieder weggebrochen. Und damit fehlen uns ganz einfach die Abnehmer", stimmt den Fischzüchter nachdenklich. Mehr als 60 Gastronomiebetriebe hatte er in all den Jahren beliefert und gerade jetzt in der Karpfensaison und in der Zeit, in der normalerweise die Weihnachts- und Betriebsfeiern stattfinden, gibt es wieder einen Lockdown und den vier Wochen lang. Die Teiche sind mit Karpfen gut gefüllt und nun müssen die Fische verkauft werden. Adrian Vondran ist äußerst dankbar, dass immer noch viele Privatkunden zu ihm in die Fischzucht kommen. "Ohne diese Kunden könnten wir nicht durchhalten", betont er.

Die Fischzucht Seidmannsdorf ist die einzige der Vestestadt. Durch die beiden Quellen erhalten die zwei großen Karpfenteiche und die fünf kleinen Forellenteiche immer frisches Wasser mit einer gleich bleibenden Temperatur von 9,5 Grad. Wasserprobleme machen Adrian doch etwas nachdenklich. Er wünscht sich einfach mehr Regen in den Wintermonaten, damit die Quellen sich wieder füllen und der Wasserstand wieder auf einen normalen Bereich steigt. Aber damit noch nicht genug. Der Biber macht dem Fischzüchter arg zu schaffen. Vor allem am Teich in Wüstenahorn seien die Tiere zum Problem geworden. Aber auch der Fischotter sei auf dem Vormarsch. In den Bereichen Lichtenfels und Bamberg sei er bereits das Sorgenkind für alle Teichbesitzer.

Fischzucht in Seidmannsdorf aufgeben?

Er selbst esse gerne einen gebackenen Karpfen, sagt Adrian Vondran. Der frische Karpfen wird halbiert, mit Salz und Pfeffer gewürzt und dann mit Mehl, Eiern und Semmelbrösel paniert. Dann muss er nur noch in der Pfanne mit Butterschmalz rausgebacken werden, bis er ein goldbraun-knuspriges Äußeres hat.

Komplett neu bauen oder die alteingesessene Fischzucht im Coburger Stadtteil Seidmannsdorf aufgeben? Diese Frage musste sich Adrian Vondran vor geraumer Zeit stellen. Er hat sich für einen Neubau entschieden. Der moderne Verkaufsraum mit einer Kühlverkaufstheke ist der zentrale Anlaufpunkt für seine Kunden. Zudem gibt es in der neu angelegten, breiten Zufahrt reichlich Parkraum.