Das Puppenfestival in Neustadt bei Coburg ist nach einigen Jahren, in denen es etwas ruhig um die einst von Joachim Sauer "erfundene" Veranstaltung wurde, wieder auf der Überholspur. Bei der gestrigen Eröffnung des 23. internationalen Neustadter Puppenfestivals untermauerte Oberbürgermeister Frank Rebhan diesen Eindruck auch mit Zahlen. "Mit 142 Einzelkunstwerken haben wir beim Max-Oscar-Arnold-Kunstpreis die größte Teilnehmerzahl aller Zeiten", sagte Rebhan auf dem sonnenbeschienen und proppenvollen Marktplatz.
Der kurze Festakt zur Eröffnung des Festivals begann erst einmal mit der Auflösung eines großen Rätsels: Wer wird denn nun die Festansprache halten, nachdem Horst Seehofer, Ministerpräsident und Schirmherr, seine Teilnahme - für die Neustadter zugegeben wenig überraschend - abgesagt hatte? Es war Melanie Huml, Bayerische Staatsministerin für Gesundheit und Pflege.
Die einzige oberfränkische
Ministerin in Bayern passte aber sowieso als Rednerin wie die Faust aufs Auge beim Puppenfestival-Auftakt. Sie hatte nämlich ihren zweijährigen Sohn Emanuel mitgebracht, der beim Anblick von Puppenfee, Spielzeug und spätestens dem großen Traktor als Geschenk von Frank Rebhan für seine Mutter mächtig große Augen machte.
In ihrer Festrede ging Huml auf den ideellen Wert von Spielzeug ein. Für die Staatsministerin ist jedenfalls "eine Puppe mehr als ein Spielzeug". Deshalb sollte man die Bedeutung von Spielzeug für Kinder nicht unterschätzen. Und mit Blick auf die Region Neustadt unterstrich Huml den wirtschaftlichen Apsekt der Spielzeugindustrie: "Hier sind Spielwaren nicht nur Nostalgie, sondern auch ein Wirtschaftsfaktor." Um die Arbeitsplätze in der heimischen Spielwarenindustrie zu halten, sah die Gesundheitsministerin auch die Bevölkerung in der Pflicht. Auch beim Kauf von Spielsachen, sei es möglich, auf regionale Anbieter zu setzen, betonte Melanie Huml.
Das Puppenfestival selbst überzeugte die Festrednerin auf den ersten Blick. Wenn die Neustadter Traditionsveranstaltung selbstbewusst als "größtes Event der Welt für Sammler und Liebhaber von Puppen" bezeichnet werde, dann habe es schon seine Berechtigung. "Hier passt alles zusammen - das ist das, was das Puppenfestival ausmacht", meinte die Staatsministerin.
Für den Coburger Landrat, Michael Busch (SPD), gibt es jedes Jahr zwei Veranstaltungen, bei einen auch ein Nicht-Neustadter nach Neustadt kommen müsse: "Zum Kinderfest und zum Puppenfestival." Gerade das Puppenfestival habe in Kombination mit der durch die Region führenden Spielzeugstraße eine enorme Außenwirkung. Mit einem Wunsch, in Richtung Sonneberg gerichtet, schloss Busch den Festakt: "Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass das Neustadter Puppenfestival und das Sonneberger Teddy- und Puppenfest irgendwann einmal gemeinsam auftreten." Noch findet das Neustadter Fest eine Woche nach dem Puppenfestival statt.