Wacholderstauden mit Trauben von dunklen Beeren, rot leuchtende Hiften des Weißdorns im Kontrast zum dunklen Grün der Kiefern und dem steppenartigen Magerrasen - so eine Landschaftsbeschreibung will gar nicht recht zum Coburger Land passen. Und doch liegt dieses interessante Gebiet hier, und zwar ganz ganz oben.

Auf rund 500 Höhenmeter bringt es das Naturschutzgebiet Sennigshöhe. Es liegt nicht ganz auf der höchsten Erhebung des Coburger Landes und teilt das Schicksal mit der Alexandrinenhütte, deren Wirte ebenfalls immer nur behaupten können, "fast" auf dem höchsten Punkt zu servieren. Die Mirsdorfer Kuppe, ein paar Hundert Meter entfernt, ist so um die fünf Meter höher, sagen die Landvermesser.
Glauben mag man es nicht so recht, denn wer an der Hütte steht, ist überzeugt, in jede Richtung nur auf tiefer gelegenes Terrain zu blicken.

Wer bei guter Sicht zwischen den Wacholderbüschen des Schutzgebietes hervortritt, kann weit über das Coburger Land hinaus bis zum Staffelberg, zur Heldburg und zu den Gleichbergen schauen. Er wäre aber auch gut beraten, den Blick auf seine nähere Umgebung zu richten, denn mit dem Naturschutzgebiet liegt ein in der Region einmaliger Lebensraum vor ihm.

"Es ist das größte Vorkommen von Wacholder im Coburger Land", hält der Biologe Frank Reißenweber als besonders bedeutend für das Gebiet fest. Der Deutsche Enzian blüht hier ebenso wie der Fransenenzian, die Fliegenwurz und die Große Händelwurz. Am Rand des sehr lichten und lockeren Waldes stehen Silberdisteln. Sie sind bereits fast verdorrt. "Trotzdem öffnen sie sich noch bei Trockenheit und schließen sich bei Regen", betont Reißenweber. Dass sie gern als Wetterdisteln bezeichnet werden, ist darauf zurückzuführen. Der Biologe weiß: "Sie zeigt eher an wie das Wetter ist, als wie es wird."

Dass der Baumbestand so ausgedünnt erscheint, liegt auch am menschlichen Eingreifen. "Als es Schutzgebiet wurde, sind einige Bäume entfernt worden", erklärt Frank Reißenweber, der auch Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes im Coburger Land ist. Damals gab es Befürchtungen, dass nach dem Auslichten der Wind zu viel Angriffsfläche finden könnte und Sturmschäden die unvermeidliche Folge wären. "Das hat sich zum Glück nicht bewahrheitet", stellt er mit Blick auf die rundum intakten Stämme fest.

Damit das Schutzgebiet Sennigshöhe auch in Zukunft seltenen Arten eine Heimat bieten kann, ist eine gewisse Pflege erforderlich. Die übernehmen Schafe, die regelmäßig über die Flächen getrieben werden. Sie halten den Magerrasen kurz und düngen gleichzeitig moderat und natürlich. Das tun sie nicht nur hier, sondern in einem regelrechten Korridor entlang des Trockenbiotopverbundes auf den Langen Bergen.

Mitten im Schutzgebiet fällt ein Pfad auf, der wie ein stark begangener Wildwechsel wirkt. Rot-weiße Markierungen an den Bäumen verraten, dass hier der Carl-Escher-Rundwanderweg eine seiner gewiss attraktivsten Etappen durchläuft. Er führt auch am früheren Sportplatz von Ottowind vorbei. Nur an der Form der freigehaltenen Fläche zwischen den Kiefern lässt sich dieser einstige Verwendungszweck noch erkennen. Inzwischen tummeln sich hier Insektenfresser wie der Grünspecht, der Vogel des Jahres 2014. Er liebt Ameisen, und die haben den Sportplatz für sich entdeckt, wie ihre zahlreichen Wohnhaufen erkennen lassen.

Und bei weitem nicht nur der Grünspecht fühlt sich hier wohl. Kolkrabe, Wendehals und Rotmilan, sind zu beobachten, der Neuntöter und die Turteltaube. Mit dem wilden Thymian findet auch der seltene Thymian-Ameisenbläuling hier seinen Lebensraum. Besonders selten ist die Rotflügelige Schnarrschrecke, deren Vorkommen auf der Sennigshöhe bestätigt werden konnte. In der Blütezeit schaukeln hier Perlmuttfalter in der Luft, der Große Fuchs und andere Schmetterlinge.

Am nördlichen Rand des Schutzgebietes reicht der Blick bis ins nahe Thüringen und zum Naturschutzgroßprojekt "Das Grüne Band", zu dessen Kerngebiet das Schutzgebiet auf der Sennigshöhe gehört.
Zum Wandern und Naturerlebnis lädt die Sennigshöhe das ganze Jahr über ein. Die Alexandrinenhütte allerdings ist während der Wintermonate geschlossen. Im Sommer bietet sie dafür nicht nur Coburgs höchstgelegenen Biergarten, sondern auch den, mit der schönsten Fernsicht in der weiten Umgegend.