27 Jahre liegt die letzte Erhöhung bei den Abfallgebühren für die Neustadter zurück - aber jetzt ist Rainer Schmiedeknecht nicht mehr drumherum gekommen: Der Kämmerer hat sich vom Stadtrat die Genehmigung für eine Anpassung der Gebühren nach oben geholt. Eine Alternative dazu, den Preis für die Müllentsorgung anzuheben, gab es für die Stadt eh nicht. "Das Gesetz schreibt vor, im Bereich der Abfallwirtschaft kostendeckend zu arbeiten", erklärte Schmiedeknecht auf Anfrage.

Es ist zu viel Papier auf dem Markt

Kostendeckend heißt: Einnahmen (durch die Gebühren) und Ausgaben müssen sich über einen gewissen Kalkulationszeitraum die Waage halten. Dass dies der Stadt in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten ohne Gebührensteigerung gelungen ist, war nicht nur alleine dem sparsamen Wirtschaften der Verwaltung zu verdanken. "Da ist uns auch von außen einiges zugute gekommen", erklärte der Kämmerer und nannte zwei Beispiele: Über viele Jahre hinweg profitierte die Stadt von guten Erlösen bei der Verwertung von Altpapier sowie von Kunststoffen über das Duale System. Doch diese Zeiten sind vorbei. "Ein Überangebot an Altpapier, die Konjunkturschwäche, aber auch ein Überangebot von Frischholz" nannte Rainer Schmiedeknecht als Gründe für den heftigen Rückgang der Verkaufserlöse beim Altpapier. Gerade noch ein bisschen weniger als ein Drittel der Einnahmen vergangener Zeiten verbleibt in der jährlichen Gebührenkalkulation: rund 30000.

So schaut's am Ende im Geldbeutel aus

Nun heißt es also: Gebühren rauf! Auch deshalb, weil seit 2018 keine finanziellen Rücklagen mehr vorhanden sind und die Stadt dadurch bei der Abfallwirtschaft im Kalkulationszeitraum 2017 bis 2020 ein Defizit von einer halben Million Euro eingefahren hat. Prozentual, das verschwieg auch der Stadtkämmerer nicht, ist der Sprung beachtlich. 35 Prozent mehr Einnahmen muss die Stadt generieren, um im Kalkulationszeitraum 2021 bis 2024 bei der Müllentsorgung kostendeckend arbeiten zu können. Heruntergerechnet auf monatliche Kosten für Beispielhaushalte, wird die Sache klar: Der klassische Vier-Personen-Haushalt muss statt 199,20 nun 268,80 Euro pro Jahr für die Entsorgung seines Mülls (also auch des Sperrmülls) bezahlen. Pro Person sind das monatlich 5,60 Euro; 1,45 Euro mehr als in den Jahren seit der letzten Anpassung im Jahr 1993. Weitere Staffelungen - zwei Personen: 201,60 Euro (vorher: 150 Euro); drei Personen: 234 Euro (174,60 Euro); acht Personen: 393,60 Euro (292,80 Euro) Wer künftig einen zusätzlichen Müllsack bei der Stadt kaufen möchte, muss dafür 3,50 Euro bezahlen, einen Euro mehr als bisher.

Der in politischen Gremien immer gewünschte Vergleich der Abfallgebühren in Neustadt mit denen in benachbarten Kommunen war für die Stadtkämmerei laut Schmiedeknecht keine leichte Angelegenheit - zu unterschiedlich sind die Art und Weise der Kalkulation sowie die Häufigkeit den Tonnenentleerung. Die Beispielrechnung von Rainer Schmiedeknecht mit einer Standard-Mülltonne (120 Liter) weist die Neustadter Gebühren (268,80 Euro/Jahr) im Mittelfeld aus. Teurer kommt die Sache in der Stadt Coburg (331,92 Euro); der Landkreis Coburg (189 Euro) und der Landkreis Sonneberg (238,56 Euro) rechnen weniger ab.

Ein Blick in die Glaskugel

2024 endet der kommende Kalkulationszeitraum. Wie es danach mit den Müllgebühren in der Stadt weitergeht, vermochte der Kämmerer nicht zu prognostizieren. Risiken gebe es durchaus, unter anderem die für 2023 angekündigte Umsatzsteuerpflicht für kommunale Leistungen. Die würde bedeuten, dass die Stadt für die Verbrennung des Restmülls im Coburger Heizkraftwerk 86000 Euro mehr als bisher bezahlen muss. Aber wer weiß: Vielleicht gibt es irgendwann wieder mehr Geld fürs Altpapier. "Die nächsten Jahre sicher nicht", sagte Rainer Schmiedeknecht zwar. Aber auf lange Sicht komplett ausschließen wollte der Stadtkämmerer dieses Szenario dann auch wieder nicht.