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Neustadt bei Coburg
Erinnerungen

"Liebe auf den ersten Blick"

1977 löste die ungewöhnliche Hochzeit der "Schaders Meta" einen riesen Rummel aus. "Bild" berichtete über den "Jüngling" Harald (21), der eine 66-jährige Millionärin heiratete. Aus dem "Traurigen Mond" wurde der "Lucky Moon".
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Das ungleiche Paar auf einem schwarz-weiß Foto aus dem Archiv: Die siebenjährige Tina war die erste Gratulantin nach der Eheschließung im Neustadter Standesamt. Der Fußballclub "FC Harmlos" stand Spalier - natürlich in einem Trikot, das die Braut zuvor spendierte. Der Andrang rund um das Neustadter Rathaus war enorm, Journalisten aus ganz Deutschland waren gekommen, um über das freudige Ereignis zu berichten. Fotos: Archiv/Rainer Bätz
Das ungleiche Paar auf einem schwarz-weiß Foto aus dem Archiv: Die siebenjährige Tina war die erste Gratulantin nach der Eheschließung im Neustadter Standesamt. Der Fußballclub "FC Harmlos" stand Spalier - natürlich in einem Trikot, das die Braut zuvor spendierte. Der Andrang rund um das Neustadter Rathaus war enorm, Journalisten aus ganz Deutschland waren gekommen, um über das freudige Ereignis zu berichten. Fotos: Archiv/Rainer Bätz
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Der 23. April 1977 war ein ganz besonderer Tag in der Bayerischen Puppenstadt: Die "Schaders Meta" heiratete nämlich den 45 Jahre jüngeren Harald Hofmann. Was für ein Ereignis im beschaulichen Neustadt. Für viele bleibt dieses "Event" unvergessen!

Nicht einmal der Besuch des Bundeskanzlers oder die Hochzeit einer Filmdiva hätte für mehr Wirbel am Fuße des Muppbergs gesorgt. Die Bild-Zeitung schrieb in einem reißerischen Aufmacher: "21-jähriger Jüngling heiratet 66-jährige Millionärin aus Neustadt". Natürlich war Meta keine Millionärin - aber dennoch eine reiche und vor allem sehr stolze Frau.

Der Ansturm war enorm. Rund um das Neustadter Rathaus strömten Massen von Schaulustigen und jubelten dem außergewöhnlichen Paar zu. Polizisten machten Meta und Harald den Weg vom Auto zum Standesamt und später auch wieder zurück unter höchsten Anstrengungen frei.

Im weißen Mercedes

Gestartet waren die beiden von ihrem Gasthaus "Trauriger Mond" in der Eisfelder Straße. In einem weißen, prachtvoll mit vielen Blumen geschmückten Mercedes bahnte sich das Brautpaar im Schneckentempo den Weg in die Innenstadt. Schon am Straßenrand klickten überall die Kameras und die Menschen schrien vor Begeisterung. Der Rummel rund um Meta und Harald war in diesem Moment grenzenlos. Erst recht, als die beiden die breite Treppe am Rathaus hinaufstiegen: "Meta - Du bist und bleibst die Schärfste", schrie einer ihrer Stammgäste aus dem "Traurigen Mond". Er hatte sich einen Platz direkt vor dem "Roten Ochsen" gesichert. Und eine junge Frau grölte aus dem Hintergrund: "Harald ich will ein Kind von Dir". Zu diesem Zeitpunkt hatten Unbekannte längst einen Kinderwagen auf das Dach des Wirtshauses gebracht und dort symbolträchtig befestigt. Der "Traurige Mond" wurde später - dem Anlass entsprechend - natürlich zum "Lucky Moon" umgetauft.

Kinderwagen auf dem "Mond"

Zurück zum Standesamt: Die Neustadter Diva strahlte übers ganze Gesicht: Im beigen Seidenkleid mit bunten Seerosen genoss sie am Arm ihres jungen Gemahlen, der unter dem Sakko ein weißes Hemd mit dunklen Pferden trug, diese Augenblicke. Verständlich, denn es war ja auch ihre aufregendste von insgesamt drei Ehen im bewegten Leben der "Powerfrau".

Schon der Polterabend zwei Tage zuvor bot Jubel, Trubel, Heiterkeit: Ein kaum zu überbietendes Büfett im "Traurigen Mond" und vier Spanferkel wurde den 250 Feiernden geboten. Das Bier floss in Strömen. So wie der Sekt am Hochzeitsnachmittag auf Schloss Neuhof. Dort wurde bis in die Morgenstunden getanzt. Ihre Hochzeitsreise führte Meta und Harald später an die Côte d'Azur.

Kennengelernt hatte sich das ungleiche Paar im Coburger Kongresshaus während des Gastronomenballs. Sowohl die Braut als auch der Bräutigam sprachen damals von "Liebe auf den ersten Blick". Allen Neustadter Unkenrufen zum Trotz funktionierte die Ehe einige Jahre ganz gut. Natürlich blieb, wie wohl in vielen anderen Ehen auch, die eine oder andere Eskapade des "Jünglings" nicht aus. Metas lebenslustiger Ehemann war schließlich beruflich viel auswärts beschäftigt.

Meta ließ ihren Harald auch schon mal per Taxi in Berlin oder in der Schweiz suchen, doch bereut hat Frau Hofmann diesen Bund der Ehe niemals, wie sie an ihrem 75. Geburtstag 1986 glaubhaft versicherte. Jahrzehnte stand sie hinter dem Tresen ihren Mann und galt schon zu Lebzeiten als ein Neustadter Original.

Hochzeits-Video auf Facebook

Auf der beliebten Facebook-Seite von Rainer Bätz ("Über mei Neustodt lass ich nex kumm") gibt es ein rund zehnminütiges Video über die Hochzeit von Meta und Harald Hofmann.

Ein Neustadter Original: Meta Hofmann

Meta Hofmann wurde am 10. Mai 1910 als fünftes Kind der Eheleute Juliana und Ferdinand Schader in Weickenbach bei Sonnefeld geboren. Schon sechs Monate später zog die Familie nach Neustadt um, wo Meta mit ihren neun Geschwistern in eher ärmlichen Verhältnissen aufwuchs.

Nach Konfirmation und Schulentlassung arbeitete sie in verschiedenen Firmen der Spielwarenindustrie. Bereits 1930 machte sie sich als 20-Jährige mit einer Teddybären- und Plüschspielwaren-Stopferei selbstständig.

Im selben Jahr heiratete sie den damals bekannten Fußballer Willi Schunk, der jedoch bereits 1935 verstarb.

Ein Jahr später ging sie die Ehe mit Erich Seifert ein. Mit ihm zusammen baute sie ein kleines Wohnhaus mit bescheidenen Fabrikationsräumen an der Eisfelder Straße. 1950 begann sie zusätzlich mit dem Verkauf von Flaschenbier, ein Jahr später erwarb sie die Konzession für den Betrieb einer Gastwirtschaft.

Drei Jahre lang arbeiteten die Eheleute Seifert tagsüber in der Bärenstopferei und am Abend hinter der Theke. 1954 wurde die Bärenstopferei aufgegeben. 1968 wurde nochmals angebaut und mit dem Bau des Cafes 1971 stieg Meta vollends in die Branche ein.

Für Jugendliche war vor allem ihr Billardraum ein willkommener Ort, auch wenn die Wirtin öfters mal ihre Launen an den jungen Gästen ausließ. 1973 starb ihr Mann Erich, den sie gerne mit dem Kosenamen "trauriger Mond" anzureden pflegte. Nach der Heirat mit Harald Hofmann folgte schließlich die Umbenennung der Gaststätte in "Lucky Moon" (Glücklicher Mond). Meta Hofmann ist inzwischen verstorben (in Neustadt).