Rund 1000 Bäume für den ewigen Frieden - die soll Bad Rodach jetzt bekommen. Nach ersten Überlegungen im vergangenen Oktober hat der Rat einstimmig die Aufstellung des Bebauungsplanes "Ruheforst Coburger Land - Bad Rodach" beschlossen. Und die Familie von Butler tritt rund zehn Hektar Wald, 100000 Quadratmeter, zwischen Heldritt und Grattstadt für 99 Jahre an die Stadt ab. So kann die Stadt als Friedhofseigentümer in Erscheinung treten, eine der rechtlichen Grundvoraussetzungen.

Naturbestattungen in Franken: Fakten und Infos

Die Verwaltung des Ruheforstes bleibt bei der Familie von Butler, die auch als Betreiber die Grabgebühren im Namen der Stadt Bad Rodach erhebt. Mit im Boot ist die Ruheforst GmbH, die sich um die Vermarktung des neuen Bestattungsangebots kümmert.

Waldstück ist "gehegt und gepflegt"

Wie Moritz von Butler wissen ließ, liege das wirtschaftliche Risiko "voll und ganz" bei seiner Familie. "Die Stadt und die Ruheforst GmbH werden prozentual an den Umsätzen beteiligt", betonte von Butler. Wichtig war ihm die Feststellung, dass es sich bei der Fläche um ein Waldstück mit einem sehr alten Baumbestand handele, aus dem in der Vergangenheit nur sehr wenige Bäume entnommen worden seien. "Mein Großvater hat das Waldstück von je her gehegt und gepflegt", sagte Moritz von Butler.

Bei einer Begehung des Geländes hatte von Butler es so beschrieben: In dem Wald stünden Bäume, die schon den Dreißigjährigen Krieg erlebt hätten (unsere Zeitung berichtete).

Wie funktioniert eine Naturbestattung in Franken?

Doch wie viele Menschen können im Ruheforst bestattet werden? Laut von Butler stehen pro Hektar Fläche rund 100 Bäume zur Verfügung. Ein Baum soll demnach Heimstatt für zwölf bis 16 Urnen werden. Weiter gebe es die Möglichkeit, einen Baum als "Familiengrab" zu nutzen. Moritz von Butler ist sich sicher, dass der Ruheforst genug Potenzial für die kommenden 99 Jahre hat. Er war selber mit der Idee zu einem Ruheforst an die Stadt herangetreten.

Einige Bäume hätten den Dreißigjährigen Krieg schon erlebt

Die Zu- und Abfahrt muss noch mit der unteren Verkehrsbehörde im Rahmen des Auslegungsverfahrens geklärt werden. Ein Problem sieht Moritz von Butler hier aber nicht: "Ich gehe nicht davon aus, dass hier reger Besucherverkehr herrschen wird." Es könnten vielleicht zwei bis drei Fahrzeuge am Tag sein. "Wenn alles gut geht, können wir im Herbst dieses Jahres an den Start gehen", gab sich von Butler optimistisch.

Bürgermeister Tobias Ehrlicher (SPD) stellte fest, dass diese Bestattungsform voll im Trend liege. Er sei froh, dass die Kurstadt jetzt auch ein solches Angebot unterbreiten könne, sagte er und betonte: "Bei dem Ruheforst handelt es sich um ein überregionales Angebot."

Die beiden größten Anbieter von Bestattungswäldern in Deutschland betreiben nach eigenen Angaben zur Zeit mehr als 142 Standorte.

 

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