"Natürlich haben die Bürger kräftig darüber diskutiert", sagt Bürgermeister Bernd Reisenweber (BG) rückblickend auf die Einführung der kommunalen Verkehrsüberwachung vor fast genau zwei Monaten. Aber richtig heftig? Mit Ärger und Beschwerden? Da schaut Reisenweber schon gelassener drein. "Es waren Einzelfälle", sagt er dann.

Letztlich waren Kontrollen des ruhenden Verkehrs auch keine Idee der Verwaltung oder des Gemeinderates. "Bei jeder Bürgerversammlung", berichtet der Bürgermeister, sei das Thema angesprochen worden. Wenig überraschend, freilich: Denn die Info, dass gerade am Morgen und zur Mittagszeit rund um die Schule "kreuz und quer geparkt wird" (Reisenweber), war für die Gemeindeverwaltung nicht neu. Nachdem zuletzt aber sogar die Schulweghelfer nach Hinweisen auf die vorhandene Parkregelungen von Eltern massiv angegangen wurden, zog die Gemeinde die Notbremse.

So recht verstehen kann der Bürgermeister den Rummel um die Parkplätze an der Schule sowieso nicht: "Wir haben mehr als genug Parkmöglichkeiten - aber da müsste man vielleicht mal hundert Meter laufen." Und dies sei wohl grundsätzlich zu viel verlangt. Eine leicht schizophrene Einstellung, sagt Bernd Reisenweber und lacht, lege manch Elternteil da an den Tag. Während von der Schule Fitness-Aktionen und mehr Sportunterricht verlangt werde, sei ein kurzer Fußmarsch vom oder zum Auto schon zu viel verlangt.

Seit dem 1. September gibt es nun regelmäßige Kontrollen, insbesondere rund um die Schule und die Kindergärten. Zum Kontrollbereich der Verkehrsüberwachung gehört aber auch das Gewerbegebiet an der Zufahrt Ebersdorf-West - aber nicht aus Gründen der Verkehrssicherheit, sondern wegen der dort parkenden Lastwagen. Dass die "Brummis" dort stehen, würde Bernd Reisenweber ja gar nicht stören. Die Tatsache, dass Lkw-Fahrer dort immer wieder nicht nur ihren Müll, sondern auch ihre Notdurft hinterließen, führte zu einer Einschränkung der Parkerlaubnis.


55 Strafzettel ausgestellt

Natürlich sahen sich Bernd Reisenweber sowie die Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung und der kommunalen Verkehrsüberwachung dem "Standardvorwurf" ausgesetzt: Die kommunale Verkehrsüberwachung sei bloße Abzocke. Darauf angesprochen, winkt der Bürgermeister ab, ein bisschen verärgert ist er sogar: "Für uns als Gemeinde geht sich das null auf null aus." 55 Strafzettel wurden im September ausgestellt.

Aber nichtsdestotrotz gibt es für all die vermeintlich strafzettelgeplagten Ebersdorfer einen Hoffnungsschimmer: Sie haben es selbst in der Hand, wie es nach der halbjährigen Probephase für die Kontrollen des ruhenden Verkehrs weitergehen wird. "Ich würde mich freuen, wenn die Aktion überflüssig wird", sagt Bernd Reisenweber, der auch gleich erklärt, was dafür nötig ist: mehr Rücksichtnahme der Verkehrsteilnehmer und die Einsicht, dass die Verkehrsbehörden die Schilder am Straßenrand nicht aus Jux und Tollerei aufgestellt haben.

Um ein Ventil zu haben, wenn es doch mal Unklarheiten zu einem Knöllchen gibt, hat die Gemeinde sogar eine Sprechstunde der kommunalen Verkehrsüberwachung eingeführt: Jeden Mittwoch sitzt zwischen 10 und 11 Uhr ein Mitarbeiter der Firma "K + B" aus Mühldorf am Inn - die führt die Verkehrsüberwachung im Auftrag der Gemeinde durch - im Rathaus, um Fragen und Probleme zu klären.

Nicht auf der Agenda der Gemeindeverwaltung steht dagegen (derzeit) die Ausweitung der kommunalen Verkehrsüberwachung auf den fließenden Verkehr. "Wir arbeiten hier sehr eng mit der Coburger Polizei zusammen", erklärt Bernd Reisenweber. Ausdrücklich froh ist der Bürgermeister, dass die Gemeinde schon vor einiger Zeit ein eigenes Geschwindigkeitsmessgerät angeschafft hat. Damit können die Ebersdorfer zwar nicht "blitzen", wohl aber die Geschwindigkeit der Verkehrsteilnehmer feststellen und protokollieren. Ergibt sich aus den Erkenntnissen die Notwendigkeit, auf einem Straßenabschnitt einzugreifen, übernimmt das dann die Polizei.


Rasen sollte man auch nicht

Derzeit gibt es nach Angaben des Bürgermeisters drei Stellen im Gemeindegebiet, wo Anwohner immer wieder auf zu schnelle Autofahrer hinweisen: die Tempo-30-Zone vor dem Rathaus, das Neubau-Gebiet am Weinberg sowie die Oberfüllbacher Ortsdurchfahrt. "Wir werden dort verstärkt auf die Geschwindigkeit achten", versichert der Bürgermeister, dass der Bleifuß in Ebersdorf eine teure Sache werden kann.


Verkehrsüberwachung im Landkreis Coburg

Timo Sommerluksch von der Verkehrsbehörde am Coburger Landratsamt hat für das Tageblatt eine Liste der Gemeinden erstellt, die im Landkreis eine kommunale Verkehrsüberwachung eingeführt haben.

Ruhender Verkehr Ebersdorf bei Coburg (Probephase bis zum Frühjahr 2016), Rödental und Seßlach.

Fließender Verkehr Regelmäßige Geschwindigkeitskontrollen werden in Ahorn, Bad Rodach, Niederfüllbach, Rödental, Sonnefeld und Weitramsdorf durchgeführt.