Laurin sitzt am gedeckten Tisch im Brose-Bistro und isst ein Stück Käsekuchen. Sein Papa ist ganz verblüfft, dass er so ruhig ist. Da macht sich der schwer behinderte Achtjährige auch schon lauthals auf den Weg und rennt davon. Oliver Frank hinterher. Lächelnd kommen sie zurück, Laurin fest und geborgen an der starken Hand seines Vaters. Am Tisch haben eine Reihe Auszubildende, der Personalchef Michael Daniel sowie Personalleiter Tilmann Meyer neben Laurins Mama Katrin und der quirligen, kleinen Lilly-Marleen Platz genommen. Der Anlass ist ein freudiger: Die Mitarbeiter der Firma Brose haben 3000 Euro gesammelt, die sie der Familie aus Ahorn spenden.
"Das Schicksal ist ein mieser Verräter" war die Reportage im Dezember über Familie Frank im Tageblatt überschrieben. "Als ich die Geschichte gelesen habe, war ich tief bewegt", erzählt Michael Daniel und berichtet von der Spendenaktion, die er schließlich zusammen mit den Auszubildenden von Brose ins Rollen gebracht hat.


Eigene Probleme werden klein

"Für unser Familienunternehmen ist es selbstverständlich, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen", heißt es in der Presseerklärung. "Wir sind mit der Region eng verbunden", erklärt der Personalchef die Anteilnahme am Schicksal der Familie. "Da treten eigene Befindlichkeiten in den Hintergrund oder ach so große Probleme in der Firma erschienen plötzlich in einem ganz anderen Licht", reflektiert der Personalchef.
Die Beschäftigten hatten Weihnachtsgeschenke von Geschäftspartnern, Kunden und Lieferanten für eine betriebsinterne Tombola sowie eine Auktion zur Verfügung gestellt. Jedes Los kostete einen Euro. Die Auszubildenden gestalteten Plakate und legten sich richtig ins Zeug. "Am Ende des ersten Tages waren die Lose schon so gut wie weg", erinnerst sich Daniel. "Den Leuten ging es gar nicht so sehr um die Preise, sondern einfach darum, mitzuhelfen, dass Laurin eine Delfintherapie machen kann", sagt auch Tilmann Meyer, der Laurin gleich mal durchs Treppenhaus führt und ihn etwas ablenkt.


Therapie als Hoffnungsschimmer

Doch nicht nur die Brose-Mitarbeiter hatte Laurin berührt. "Ich bin überwältigt von der Welle der Hilfsbereitschaft", sagt Oliver Frank. Nach dem Zeitungsartikel meldeten sich Chöre und Sportvereine, Grundschulklassen und Unternehmen. Alle wollten helfen, sammelten und spendeten für Laurin. "Innerhalb von nur drei Wochen hatten wir fast 17 000 Euro auf dem Spendenkonto für die tiergestützte Therapie", ergänzt Mutter Katrin, die selbst an der unheilbaren Autoimmunkrankheit Multiple Sklerose leidet und bei der im vergangenen Jahr die chronische Darmerkrankung Morbus Crohn diagnostiziert wurde. Mit den 3000 Euro von Brose sind mittlerweile 20 000 Euro auf dem Konto.
Geplant war die Delfintherapie für das Jahr 2017. Als dann Ende Januar das Telefon klingelte und Dolphin Aid dran war, um Familie Frank kurzfristig einen Platz im Delfinzentrum auf Curacao anzubieten, glaubte Mutter Katrin ihren Ohren nicht. "Ich sagte sofort zu und wir waren wahnsinnig glücklich."
Am 22. März geht es los. Bis 8. April wird Laurin mit seinen Eltern und den beiden Geschwistern in die Karibik fliegen. Der Junge, der seit seiner Geburt an einer tiefgreifenden Entwicklungsstörung mit geistiger und körperlicher Behinderung leidet, könnte durch die Therapie in seiner Weiterentwicklung gefördert werden. Die Eltern erhoffen sich Lernfortschritte. "Vielleicht macht uns die Therapie eine Tür auf und wir können daheim weiter daran arbeiten", gibt sich der Papa zuversichtlich. Oliver Frank widmet sich ganz seiner Familie. Seinen Arbeitsplatz hat er gekündigt. "Ich darf bloß nicht krank werden", sagt er lachend. Seine Geduld und seine Kraft verdanke er seinen Eltern. Sie hätten ihn mit den richtigen Werten erzogen. Laurin in ein Heim abzuschieben, komme für ihn nicht in Frage. Laurin könne schließlich gar nichts dazu, dass alles so ist wie es ist.
Die Behandlung wurde der Familie aus Ahorn in einem Kompetenzzentrum in München empfohlen. Für die Kosten kommen Krankenkassen in Deutschland nicht auf.