Überall warten Hinweisschilder und Verbotstafeln auf die Besucher. "Kein Eingang" heißt es an der Doppeltür unmittelbar vor der Kasse des Landestheaters. Droben im ersten Rang konzentrieren sich die Verbotsschilder auf die umgekehrte Richtung. "Kein Ausgang" verkündet dort ein Zettel an einer Tür im Zuschauerraum ebenso wie an der Tür, die eigentlich zum kleinen Treppenhaus führt.

Hinweis- und Verbotsschilder machen das Landestheater Coburg seit dem Re-Start nach dem kompletten Corona-Shutdown regelrecht zum Hindernis-Parcour für die Besucher. Dahinter steckt freilich keine Schikane, sondern der Zwang zum strikt umgesetzten Hygienekonzept. Mit Schildern, Tafeln und vielerlei Absperrbändern sollen die Besucherströme auf ausgeklügelten Wegen und mit dem vorgeschriebenen Abstand zu den noch immer strikt limitierten Sitzplätzen geleiten.

Strenge Auflagen

Nach dem Wiederbeginn Mitte Juni läuft der Vorstellungsbetrieb seit Saison-Start Anfang September weitgehend in geregelten Bahnen - allerdings stets unter strengen Hygieneauflagen und entsprechenden Vorgaben vor und hinter den Kulissen. Längst ist die Ausnahmesituation zu einer Art neuer Normalität geworden. Doch wirklich normal ist nicht nur für die Zuschauer ein Theaterabend noch längst nicht wieder. Auch hinter den Kulissen ist die Normalität im Ausnahmezustand ein permanenter Kraftakt - ein Kraftakt immer noch unter den Vorzeichen von Kurzarbeit für viele Mitarbeiter vor allem im künstlerischen Bereich. Solisten im Schauspiel und Musiktheater, Chor und Orchester befinden sich teilweise noch in Kurzarbeit, erläutert Fritz Frömming als Kaufmännischer Direktor.

Normale Widrigkeiten

Denn noch immer ist beispielsweise die Zahl der im Orchestergraben oder bei Konzerten auf der Bühne zulässigen Instrumentalisten beschränkt - in voller 54-köpfiger Besetzung darf das Philharmonische Orchester nach wie vor nicht musizieren. Auch der Chor hat sein Können in voller Besetzung in dieser Saison noch nicht im Großen Haus demonstrieren können.

Während sich Theaterfans an der Kasse anstellen, um einige der begehrten Tickets zu ergattern, ringen Fritz Frömming und die Mitarbeiter hinter den Kulissen Tag für Tag mit den Erschwernissen durch das strenge Hygienereglement ebenso wie mit den ganz normalen Widrigkeiten des Theateralltags.

Schwierigkeiten im Detail

Vielfach sei der Eindruck entstanden, die Hygieneregeln seien nur für die Zuschauer entstanden, sagt Frömming: "Das stimmt aber nicht. Diese Regeln betreffen alle Abteilungen. Auch die Aufbaumannschaft auf der Bühne muss Masken tragen und auf Abstände achten."

Weil die Werkstätten in Cortendorf relativ groß seien, sei es dort immerhin relativ einfach, Abstände herzustellen, sagt Frömming. Die Schwierigkeit im Umgang mit den staatlichen Vorgaben, die in Bayern "Infektionsschutzmaßnahmenverordnung" getauft wurden, liegt aus Frömmings Sicht im konkreten Detail.

Denn bei der konkreten Umsetzung fehlen, so Frömming, genaue Anweisungen. Deswegen müssten immer wieder Einzelfallentscheidungen getroffen werden. Besonders augenfällig sind die Veränderungen in den Abläufen hinter der Bühne im Bereich der Maskenbildnerei. Wie im Kosmetikgewerbe dürfen die Maskenbildnerinnen auch am Landestheater derzeit nur mit Maske arbeiten.

Jeder Darsteller hat zudem seinen eigenen Schminkpinsel erhalten, manche Schminkarbeiten übernehmen die Darsteller inzwischen selber. Weil auch in Maskenbildnerei Abstände eingehalten werden müssen, haben sich die Schminkzeiten verändert, erläutert Frömming.

Mehrarbeit an der Theaterkasse

Mehrarbeit bedeutet die Corona-Krise auch für die Mitarbeiterinnen an der Theaterkasse. Das beliebte Stammplatz-Abo musste für unbestimmte Zeit eingefroren werden. "Familie Meier kann derzeit nicht mehr neben Familie Müller sitzen", sagt Frömming. Bei vielen Theaterbesuchern registriert Frömming nach wie vor einen großen Informationsbedarf.

Veraltete Technik

Auch Rückabwicklungen beispielsweise bei ausgefallenen Vorstellungen wie jüngst bei der Verschiebung der Premiere von "Globe Songs" sind mit zusätzlichem Aufwand verbunden. Hinzu kommt, dass derzeit der Online-Verkauf von Tickets noch nicht wieder möglich ist. Immerhin: "Wir arbeiten daran und hoffen, dass wir das schon bald wieder möglich machen können", sagt Frömming.

Das Einhalten der Abstandsregeln und das regelmäßige Lüften sind auch am Landestheater zentrale Aspekte des Hygienekonzepts. Gerade das Lüften der Zuschauerbereiche sei sehr wichtig, so Frömming - mit zwangsläufigen Auswirkungen auf die Stücke. Wie lang darf ein Stück sein? Gibt es eine Pause? Auf diese Fragen komme es vorrangig an. Dabei sei der Luftdurchsatz rein quantitativ sehr gut, sagt Frömming. Bei der Frage nach der Möglichkeit, die Luft auch entsprechend zu filtern, räche sich jedoch der Umstand, dass das Haus und seine Technik sehr alt seien.

Einfluss auf Generalsanierung

Die Corona-Krise und die Bedrohung durch über die Luft übertragbare Viren wird zwangsläufig Einfluss auf die Planungen der Interimsspielstätte namens Globe sowie später die Generalsanierung des Landestheaters haben. Wie sich das aber ganz konkret auf die Planung der Lüftungsanlagen auswirken wird, sei jetzt noch nicht genau abzusehen.

Finanzielle Auswirkungen?

Konkreter ist derzeit die Frage nach den finanziellen Auswirkungen der Corona-Krise auf den Etat des Landestheaters. In welchem Umfang sich Einnahmeausfälle bemerkbar machen werden, wird Frömming bei seinem zweiten Halbjahresbericht voraussichtlich bei der nächsten Stadtratssitzung in der nächsten Woche erläutern. Dann wird auch zur Sprache kommen, welche Entlastungen für den Landestheater-Etat durch die Kurzarbeiter-Gelder der Bundesagentur für Arbeit zu bilanzieren sind.

Landestheater Coburg in Zeiten der Corona-Krise: Von Abstandsregeln, Hygienekonzept und TV-Covid

Lockdown Beginn des Lockdowns am 11. März mit dem Verbot aller Vorstellungen im Großen Haus des Landestheaters, wenige Tage später folgt die Absage aller Veranstaltungen auch auf der Studiobühne in der Reithalle.

TV-Covid Schon bald nach dem Lockdown der Kulturinstitutionen begannen Verhandlungen über einen Sonder-Tarifvertrag namens TV-Covid für die Beschäftigten in allen Abteilungen der Theater - auf und hinter der Bühne. Der TV-Covid ist vorläufig bis Ende des Jahres befristet, bereits jetzt aber stehen Verhandlungen an, die Geltungsdauer dieses Ausnahme-Tarifvertrags zu verlängern.

Hygienekonzept Schon kurz nach dem Lockdown begannen am Landestheater die Arbeiten an einem maßgeschneiderten Hygienekonzept für das Landestheater. Dieses Konzept soll die Voraussetzungen schaffen für einen Re-Start trotz Corona-Krise. Federführend für die Erarbeitung dieses Hygienekonzept sind Susanne Schulze als Leiterin des künstlerischen Betriebsbüros (KBB) und Daniel Kaiser als technischer Leiter. Dieses Hygienekonzept wurde schließlich am 15. Juni vom Ordnungsamt der Stadt Coburg genehmigt. Bereits am 18. Juni fand wieder die erste Vorstellung im Großen Haus statt - eine Aufführung des Sinatra-Abends "Fly me to the Moon", der einen Monat vor dem Lockdown noch in der Reithalle erfolgreich Premiere gefeiert hatte.

Abstandsregeln gelten auch im Zuschauerraum. Seit dem 17. Juli dürften maximal 200 Plätze im Landestheater besetzt werden. Möglich wäre diese Maximalzahl aber nur, wenn sehr viele Karten an Gruppen verkauft würden (maximal zehn Personen je Gruppe). Werden dagegen viele Plätze an Einzelbesucher verkauft, sinkt die Zahl der jeweils tatsächlich zur Verfügung stehenden Plätze. Derzeit ist das Große Haus des Landestheaters im Durchschnitt deshalb schon bei rund 160 Besuchern offiziell "ausverkauft".jb