Sie ist 13 Jahre alt, er ist 23. Sie lernen sich im Internet kennen und sie verliebt sich in ihn. Sie treffen sich ganz oft, er küsst sie und spricht von einer gemeinsamen Zukunft. Beim Küssen möchte er es allerdings nicht belassen. Er fragt sie, ob sie mit ihm schlafen würde. Er fragt sie immer und immer wieder und so lange, bis sie schließlich nachgibt - denn sie hat ja die Hoffnung, mit ihm zusammen zu sein und ein gemeinsames Leben aufzubauen. Sie haben ungeschützten Sex, in seinem Auto auf einem Parkplatz. Es ist ihr erstes Mal, und es tut ihr weh. Doch noch mehr schmerzt es, dass er sie nach der Liebesnacht einfach sitzen lässt - er hat nämlich eigentlich von Anfang an nur Sex mit ihr gewollt, denn eigentlich hat er schon eine Freundin. Was der Neustadter Timo D. im Jahr 2009 gemacht hat, ist nicht nur moralisch verwerflich, sondern auch strafbar: Als volljähriger Mann mit einer Minderjährigen zu schlafen, ist vor dem Gesetz schwerer sexueller Missbrauch eines Kindes - auch, wenn der Sex einvernehmlich war. Timo D. wurde am Donnerstag durch das Amtsgericht Coburg zu einer Freiheitsstrafe in Höhe von einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung verurteilt.

Nebenbuhler sieht Chance: Es ist fast kurios, wer ihn angezeigt hat

Zum Verfahren gegen Timo D. ist es auf kuriose Weise gekommen, wie der zuständige Polizist vor Gericht schildert: Nicht die Geschädigte selbst, sondern Marco D. habe die Tat gemeldet. Es ist das zweite Mal, dass Marco D. den 35-jährigen Neustadter einer Straftat bezichtigt - zuvor hatte er bereits gemeldet, dass Timo D. mit seiner Ehefrau gegen deren Willen Geschlechtsverkehr gehabt haben soll. Es war auch schon zu einer Verhandlung gekommen, doch da die Ehefrau vor Gericht von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machte, wurde das Verfahren gegen Timo D. eingestellt.

Marco D. schien das gar nicht zu gefallen - schließlich hatte er sich nach einem regen Austausch von Nachrichten und Bildern mit D.s Ehefrau erhofft, durch eine Verurteilung von Timo D. eine langfristige Beziehung zu dessen Ehefrau eingehen zu können. Deshalb schrieb er erneut an die Polizeiinspektion, diesmal erhob er den Vorwurf, Timo D. habe im Jahr 2009 "eine 13-Jährige vergewaltigt". Im Laufe der Ermittlungen stellte der zuständige Polizist fest, dass es sich nicht um eine Vergewaltigung, sondern um einvernehmlichen Geschlechtsverkehr zwischen Timo D. und der damals 13-Jährigen gehandelt habe.

Sie wollte eigentlich gar nichts mehr damit zu tun haben

Bei der Befragung durch den Polizisten habe die Geschädigte zunächst signalisiert, mit einem Verfahren gegen Timo D. nichts zu tun haben zu wollen - schließlich sei der Vorfall schon lange her und sie wolle "damit nur noch abschließen". Im Laufe des Gesprächs habe sie dann doch das Interesse an einer Strafverfolgung bekundet, denn es sei "nicht in Ordnung gewesen", was damals passiert war. Vor Gericht schilderte sie, dass sie auch aktuell noch psychische Folgen der Tat spüre: Da es ihr erstes Mal war und sie danach massiv enttäuscht wurde, habe sie in den nachfolgenden Beziehungen Probleme gehabt, "Vertrauen zu einem Partner" aufbauen zu können.

Der Angeklagte selbst gesteht gleich zu Beginn der Verhandlung, aufgrund der Angaben in ihrem Profil auf der Internetplattform gewusst zu haben, dass die Geschädigte zum Tatzeitpunkt minderjährig war. Die Geschädigte habe auf ihn "viel reifer" gewirkt und er habe "nicht nachgedacht". Es sei von ihm "sehr blöd" gewesen, er habe "niemandem wehtun wollen" und es täte ihm leid.

Verteidiger erklärt, Angeklagter habe "einfach gestrickte Persönlichkeit"

Staatsanwältin Jana Müller betonte, der Angeklagte habe bewusst verschwiegen, sich bereits in einer Beziehung zu befinden und durch das unaufhörliche Nachfragen gezielt Druck aufgebaut. So habe er die "sexuelle Unerfahrenheit der Geschädigten" ausgenutzt. Sie forderte zwei Jahre Haft auf Bewährung.

Verteidiger Albrecht von Imhoff warf ein, sein Mandant habe eine "einfach gestrickte Persönlichkeit" und deshalb die Konsequenzen seiner Taten zum Tatzeitpunkt nicht vollständig einschätzen können. Richterin Daniela Jensch berücksichtigte bei der Urteilsfindung beide Aspekte und legte die Strafe auf ein Jahr und neun Monate auf Bewährung fest. Es sei zwar nicht strafbar, dass der Angeklagte der Geschädigten das Interesse an einer festen Beziehung vorgegaukelt hatte, doch es sei dennoch zu dessen Lasten anzusehen. Der Angeklagte sei allerdings nicht vorbestraft, sein Leben sei "gefestigt" und es gebe keine Anzeichen, dass sich ein derartiger Vorfall noch einmal zutragen könnte. Neben der Bewährungsstrafe muss Timo D. eine Geldstrafe in Höhe von 2500 Euro an einen gemeinnützigen Coburger Verein zahlen.