Zu wem gehören die Wappen über dem Torbogen im Inneren der Johanniskirche? Welcher Ritter wurde in der Kirche beigesetzt? Und welche Pflanzen zieren das Gewölbe? Im vergangenen Jahr haben sich Mitglieder der Kirchengemeinde St. Johannis in Rödental auf Spurensuche begeben und die Geschichte ihrer Kirche anlässlich ihres 500. Jubiläums erforscht. Ihre Ergebnisse haben sie in einem neuen Kirchenführer festgehalten. Den haben sie am Freitag der Gemeinde vorgestellt und ihre selbst verfassten Texte vorgelesen.


Keine klassische Festschrift

"Um ein breiteres Publikum ansprechen zu können, haben wir zum Jubiläum auf eine klassische Festschrift verzichtet", erklärt Pfarrer Jörg Mahler. Stattdessen habe man zwei Ideen zusammengeführt. "Zum einen wollten wir nicht nur Fakten über die Geschichte der Kirche darlegen, sondern sie aus der Sicht von Personen aus dieser Zeit erzählen", sagt er. Zum anderen habe man aber auch einen neuen Kirchenführer gebraucht. "Der alte war noch mit Schwarzweißfotos bebildert und viele der dort dargelegten Erkenntnisse sind mittlerweile wieder überholt", erklärt er.

Aus diesem Grund habe man sich dafür entschieden, die Festschrift zum Jubiläum gleichzeitig auch zum neuen Kirchenführer zu machen. "Dieser besteht dann einerseits aus einem wissenschaftlichen Teil, bei dem auf die Baugeschichte eingegangen wird, aber es gibt auch einen Abschnitt mit lebendigen Kurzgeschichten", sagt Jörg Mahler.


Aus der Sicht von einfachen Bürgern

Zwei von den Kurzgeschichten hat Roland Dier geschrieben. "Jörg Mahler hatte mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, auch mitzuwirken, da habe ich sofort ja gesagt", erklärt er. Ihm sei besonders wichtig gewesen, in seinen Geschichten mal einen anderen Blickwinkel zu zeigen. "Deshalb habe ich sie aus der Sicht von einfachen Bürgern geschrieben", erzählt er. Dafür habe er gründlich recherchiert. "Ich habe besonders darauf Wert gelegt, dass die Fakten stimmen", sagt er.

Am 25. Dezember habe er dann seine Geschichten fertiggestellt. Eine von ihnen hat er am Freitagabend in der Johanniskirche vorgelesen. In "Der Wachslieferant" geht es um Konrad, den Sohn eines Schmiedes, der sich in die Kirche des Schlosses Össleins - also die spätere Johanniskirche - geschlichen hat, um den Duft von Kerzen aus Bienenwachs zu riechen. "Bevor die Geschichte in den Kirchenführer aufgenommen werden konnte, habe ich sie immer wieder meiner Familie gezeigt und die haben sie dann mit mir verbessert", erzählt Roland Dier.
Seine größte Kritikerin sei dabei seine Tochter gewesen: "Sie hatte immer wieder Verbesserungs- und Änderungsvorschläge, die ich dann noch mit eingearbeitet habe."