Lange hat es gedauert, aber am Samstag gelang der Mannschaft von Hobby-Angler Jan Gorr das, was ihr bei bisherigen Ausflügen an die Ostsee versagt blieb. Der HSC 2000 Coburg fischte sich mit einem 21:21-Unentschieden zumindest einen Zähler im Kampf um den Aufstieg in die 1. Bundesliga.
Es ist müßig darüber zu diskutieren, ob dies nun ein verlorener oder gewonnener Punkt war. Nimmt man die erste Halbzeit, dann hätte Coburg gewinnen müssen. Doch nach dem missratenen Start nach der Pause konnten die wenigen mitgereisten Fans des HSC froh sein, dass ihr Team wieder zurückkam und dann trotzdem noch einmal alle Trümpfe in der Hand hielt.
Letztes Jahr war der HSC in ähnlicher Situation noch hilflos mit zwölf Toren Differenz aus der Halle geworfen worden: "Genau das unterscheidet die Coburger Mannschaft 2016 von der 2015", stellte auch VfL-Coach Torge Greve anerkennend fest.
"Vergangenes Jahr hätten sie diese Partie verloren." Nicht nur deswegen ist es wohl für beide Teams am Ende ein gewonnener Punkt.


Lange Zeit im Stau gestanden

Probleme gab es schon auf der Anfahrt. Die dauerte neuneinhalb Stunden bis in die Hansehalle nach Lübeck, da die Coburger aufgrund einer Vollsperrung der A 7 im Bereich Walsrode lange Zeit im Stau verbrachten und unüberlicherweise erst knapp eine Stunde vor dem Anwurf an der Halle eintrafen. Normalerweise ist das Team mehr als zwei Stunden vor Spielbeginn vor Ort.
Auf der Rückfahrt gab es ähnliche Probleme - es war also nicht nur auf dem Spielfeld ein Auswärtsspiel mit vielen Unwägbarkeiten, dem beide Teams trotzdem viel Positives abgewinnen konnten.


VfL Bad Schwartau gegen
HSC 2000 Coburg 21:21 (10:12)

In der ersten Viertelstunde nutzten die Gastgeber ihre Optionen besser als der HSC, egal ob von den Außenpositionen oder vom Kreis. Auch deswegen führten sie zunächst 3:2, denn schon da hatte Coburg mehrere Chancen selbst mit zwei Treffern in Führung zu gehen, ließ die aber ungenutzt verstreichen.
Dennis Klockmann im VfL-Tor stand oft einem Treffer der Coburger im Wege. Die eigene konsequente Chancenverwertung führte auch dazu, dass sie beim 6:5 immer noch die Nase vorne hatten. Doch Coburg wurde konzentrierter, während der Gegner zum gleichen Zeitpunkt seine Möglichkeiten nicht mehr so nutzte wie zuvor.
Vier Treffer in Serie gelangen der Mannschaft von Jan Gorr mit ruhiger Spielweise. Sogar eine Unterzahl entschied der HSC mit durchdachter Spielweise mit 2:1 für sich. Dies rief Torge Greve, den Trainer des VfL Bad Schwartau auf den Plan.


Zwei Tore-Führung war zu wenig

Er schickte nach einer Auszeit und kleinen Umstellungen auch Antonio Metzner aufs Feld, den die HSC-Abwehr nicht so recht unter Kontrolle brachte und der nach der Partie dann sogar zum Mann des Spiels gekürt wurde.
Zudem wurden im HSC-Angriff weiterhin Hochkaräter nicht genutzt. Vor allem Steffen Coßbau ärgerte sich über zwei vergebene Konterchancen. Trotzdem führten die Coburger zwei Minuten vor dem Pausenpfiff mit 12:8. Das war vor allem Matthias Gerlich, der für die Hälfte der HSC-Tore vor der Pause erzielte, und Oliver Krechel im Tor zu verdanken, der neben anderen Paraden auch zwei Strafwürfe hielt.
Doch diesmal nutzte Bad Schwartau eine numerische Überzahl nach einer Zeitstrafe gegen Jiri Vitek besser. Unter dem Strich stand zur Pause dann eine Zwei-Tore-Führung für die Coburger, die aber insgesamt zu wenig war und für beide Mannschaften alle Optionen für den zweiten Durchgang offen hielt.
Nach der Pause hatte der VfL dann den deutlich besseren Start und mit einem halbzeitübergreifenden 7:0-Lauf nun auch die eigenen Fans lautstark hinter sich. Zuzuschreiben hatten sich dies die Coburger selbst mit ihren vergebenen Chancen, denn die spielten den Gastgebern in die Karten. Der VfL glaubte jetzt an seine Siegeschance.
Und nicht nur das - die während der ersten Halbzeit für Bad Schwartauer Verhältnisse fast mucksmäuschenstille Halle war plötzlich da. Die Hansahalle war jetzt die "Hansehölle" und genau das wollte Jan Gorr unbedingt vermeiden. Hinzu kamen strittige Entscheidungen, wofür es auf der einen Seite Stürmerfoul gab, wurde auf der anderen Seite Strafwurf gepfiffen.


20:18-Führung reichte nicht

Das Reklamieren dieser Situation brachte für Gorr die gelbe Karte. Lange blieb Coburg ohne Treffer, bis auf 17:13 setzte sich Bad Schwartau ab. Beim 17:18 hatte Coburg die Nase wieder vorn, beim 18:20 sah es sogar nach einem doppelten Punktgewinn aus. Doch plötzlich bekam der HSC wieder Probleme, vertändelte den Ball und war am Ende einen Zähler los.

Die Statistik


VfL Bad Schwartau gegen
HSC Coburg21:21 (10:12)

VfL Bad Schwartau: Marino Mallwitz, Dennis Klockmann - Thees Glabisch, Rickard Ackermann (2), Markus Hansen, Fynn Ranke, Jan Schult (2), Daniel Pankofer (6/4), Marius Fuchs (2), Christoph Schlichting, Tobias Skerka, Rune Mikka Hanisch, Jasper Bruhn (3), Antonio Metzner (6).
Trainer: Torge Greve.

HSC 2000 Coburg: Jan Kulhanek, Oliver Krechel - Markus Hagelin (2), Lukas Wucherpfennig (2), Dominic Kelm (1), Matthias Gerlich (8/3), Sebastian Kirchner, Jiri Vitek, Steffen Coßbau, Florian Billek (2), Till Riehn (1), Adnan Harmandic (1), Girts Lilienfelds (1), Romas Kirveliavicius (3).
Trainer: Jan Gorr.

SR: Sebastian Grobe (Braunschweig) / Adrian Kinzel (Bochum).
Zuschauer: 1744.
Strafminuten: 2 (Schult) / 8 (Kirveliavicius, Riehn, Vitek, Hagelin).
Rote Karte: Lilienfelds (59:48/wegen Unsportlichkeit).
Siebenmeter: 4/6 (Glabisch und Pankofer scheitern an Krechel) - 3/3.
Beste Spieler: Metzner, Klockmann / Gerlich, Krechel.


Stimmen zum Spiel

Gorr: "Emotional, kampfbetont und intensiv"

VfL-Trainer Torge Greve: "Die Zuschauer haben tatsächlich eine sehr facettenreiche Partie gesehen. Wir waren schon vor der Pause nicht schlecht, haben da aber zu viel liegen gelassen. Was das Team nach der Halbzeit geleistet hat war Wahnsinn, auch dass es nach dem neuerlichen Rückstand noch einmal zurückgekommen ist und sich mit einem Punkt belohnt hat."
HSC-Trainer Jan Gorr: "Das war eine Partie, wo man danach erst einmal Luft holen muss. Emotional, kampfbetont, intensiv und abwechslungsreich, wie wir das erwartet hatten. Letztes Jahr erlitten wir Schiffbruch, diesmal ging bis zur Pause Vieles auf. Danach folgte unsere schwache Phase, aber diesmal kamen wir zurück und hatten die Partie eigentlich gedreht."
Ex-HSCler Daniel Pankofer: "Das war zumindest ein kleines Erfolgserlebnis, vor allem deswegen, weil wir jetzt wissen, dass wir in den letzten fünf Minuten auch ein Spiel zu unseren Gunsten drehen können. Wir haben zuvor viele Chancen ausgelassen. Wenn wir aber wie heute weiter auf uns gucken und unser Spiel durchziehen haben wir mit den hinteren Tabellenplätzen nichts zu tun."
HSC-Spielführer Till Riehn:
"In der ersten Halbzeit haben wir gut gespielt, dann aber einen katastrophalen Start in die zweite Halbzeit gehabt. Wir sind zurückgekommen, haben das Spiel wieder im Griff. Dann läuft erneut einiges nicht richtig und im Endeffekt lag es an unserer Angriffsleistung, dass wir die Partie nicht gewonnen haben." rbi