Der Ärger um die schwierige Einsatz-Nachbearbeitung für die Kommandanten der Feuerwehren im Landkreis ist natürlich auch bei Manfred Lorenz angekommen. Und natürlich wird der Kreisbrandrat bei der heutigen Frühjahrs-Kommandantentagung das Thema ansprechen. Doch noch mehr Öl ins Feuer gießen - das will Manfred Lorenz im Gespräch mit dem Tageblatt auch nicht.
Er setzt stattdessen auf Gelassenheit und Verständnis füreinander. Bei allen Beteiligten.

CT: Wie sehen Sie die Situation mit dem fehlerbehafteten EDV-Programm, das die Kommandanten für die Eingabe ihrer Einsatzdaten brauchen?
Manfred Lorenz: Das Programm wurde vom Bayerischen Innenministerium zur Verfügung gestellt. Es braucht einen hohen zeitlichen Aufwand, um die Auswertung auszufüllen. Und: Das Programm ist nachweislich nicht mehr sicher.
Gerade für die Kommandanten kleiner Feuerwehren, die ihren privaten Computer für die Einsatz-Nachbearbeitung nutzen, kann dies zum Risiko für die persönlichen Daten auf dem Rechner werden.

Können die Kommandanten darauf hoffen, dass sich da bald etwas ändert?
Ich weiß, dass die Problematik bis zum Innenministerium durchgedrungen ist. Es gibt bereits Gespräche, aber eine Nachfolge-Version des Programmes ist nicht vor dem Sommer 2014 zu erwarten.

Die Führungskräfte der Feuerwehren aus dem Coburger Land klagen über immer größeren Verwaltungsaufwand. Haben sie damit Recht?
Die Kommandanten mussten schon immer Einsätze für die Gemeinden erfassen. Dann kamen die Meldungen für die Integrierte Leitstelle dazu, zuletzt flatterten immer wieder verschiedene Umfragen verschiedenster Stellen ins Haus - jeder will immer mehr von der Feuerwehr. Aber mit einem EDV-Programm haben wir noch nie ein Feuer gelöscht. Mir und den Kommandanten sind Übungen und erfolgreiche Einsätze wichtiger als alle Verwaltungsarbeit.

Und der nächste große Strukturwandel steht den Feuerwehren schon ins Haus: der Digitalfunk...
Er ist nicht mehr aufzuhalten und wird einen großen Schulungsaufwand mit sich bringen. Gerade die kleinen Feuerwehren, die mit dem Tragkraftspritzen-Anhänger daheim im Feuerwehrhaus, haben in den vergangenen 100 Jahren kein Funkgerät gebraucht. Auch sie sollen irgendwann zwei Geräte bekommen. Darauf müssen die kleinen Wehren vorbereitet werden. Insgesamt müssen wir sehen, dass wir vor lauter Projekten noch dazu kommen, unsere eigentliche Arbeit zu machen.

Sie haben die Feuerwehren dazu aufgerufen, mehr um "Seiteneinsteiger" zu werben. Was meinen Sie damit?
Wenn wir auch künftig die Hilfsfrist von zehn Minuten halten wollen, dann müssen wir uns was einfallen lassen. Bei Männern und Frauen, die um die 40 Jahre alt sind, ist die Einsicht bestimmt da: Wenn ich in Zukunft diese Sicherheit will, dann muss ich auch etwas dafür tun. Deshalb sollten wir diese Generation gezielt ansprechen. Ich rufe diesen Menschen zu: "Ihr könnt bei der Feuerwehr mitmachen! Ihr könnt das auch!"

Es gab in den vergangenen Monaten immer wieder einmal Kritik an Art und Umfang der Feuerwehr-Alarmierung durch die Integrierte Leitstelle (ILS). Wie läuft es im Moment?
Ich schieße nicht gegen die Kameraden der ILS. Ich will, dass wir unsere Arbeit gut machen können. Dass der Start der ILS von allen Seiten nicht besonders glücklich gestaltet wurde, weiß jeder. Inzwischen ist die Alarmierung besser geworden. Aber wir müssen weiter an der Planung der Einsätze arbeiten. Viel hilft viel - das kann bei der Feuerwehr nicht funktionieren.

Bei der Feuerwehr Wiesenfeld wurden viele Fehlalarme durch eine Brandmeldeanlage kritisiert. Ist dies ein generelles Problem?
Die Probleme liegen meist nicht bei den Anlagen - die machen ihre Arbeit schon richtig. Es ist der Umgang mit den Brandmeldern. Viele Gemeinden sind inzwischen dazu übergegangen, eine Gebührensatzung zur Abrechnung von Einsätzen zu erstellen. Vielleicht hilft der finanzielle Druck ein bisschen, dass die Zahl der Fehlalarme sinkt.

Bei den Arbeiten an der ICE-Neubaustrecke hat es erfreulich wenige Unfälle und damit Einsätze für die örtlichen Feuerwehren gegeben. Wie geht es hier weiter?
Die bergmännischen Arbeiten an den Röhren stehen kurz vor dem Abschluss. Beim Gleisbau sehe ich keine so großen Risiken wie beim Tunnelvortrieb. Derzeit konzentrieren wir uns auf einen einheitlichen Umgang mit einer ICE-Strecke, was die Ausrüstung und Einsatzkonzepte angeht. Hier hat es schon gute Gespräche mit den Kollegen in Thüringen und Sachsen-Anhalt gegeben.

Wo sehen Sie langfristig die Herausforderungen für die Feuerwehren im Coburger Land?
Die Anforderungen an die Ausbildung werden immer größer, zeitgleich wird die Zahl der Aktiven immer kleiner. Dazu kommt, dass die Zahl der Einsätze auf konstant hohem Niveau bleiben wird. Ich war erst vor kurzem auf einer Schulung in Südbayern. Dort können sich die Leute gar nicht vorstellen, wie der Feuerwehr-Alltag bei uns ausschaut. Einen Tragkraftspritzen-Anhänger, den kennen die da unten gar nicht mehr.

Immer mehr Feuerwehren haben damit zu kämpfen, überhaupt eine einsatzfähige Truppe zu erhalten. Muss es da nicht zwangsläufig bald Fusionen oder gar Auflösungen geben?
Wir dürfen das nicht einfach pauschal sehen. Wir haben qualitativ große Unterschiede bei den Feuerwehren im Coburger Land. Wenn wir im kommenden Jahr die Kommunalwahlen hinter uns gebracht haben, werden wir über die Strukturen reden müssen. Aber jeder weiß, dass Kooperation gut ist und die Zeit des Kirchturmdenkens schon lange vorbei ist. Wir sitzen alle in einem Boot - anders als mit dieser Einsicht wird das Feuerwehrwesen in Zukunft nicht mehr funktionieren können.
Zum Feuerwehrdienst gehört aber doch auch ein bisschen das Feiern! Gibt es da heuer große Veranstaltungen?
Klar gehört das Feiern dazu! Wir haben im Juni ein Feuerwehrfest in Dietersdorf, auch die Grüber Feuerwehr feiert gemeinsam mit der Gemeinde ein großes Jubiläum. Anfang August feiern auch noch die Rothenberger. Eine der größten Veranstaltungen wird am 12. Oktober der Jugendleistungsmarsch auf Bezirksebene. Der findet in Neustadt statt. Und Bruno Baumgärtner bastelt schon wieder am Programm zum "Tag der Jugendhilfsorganisationen". Die Menschen im Landkreis können sich also darauf verlassen, dass es bei uns bestimmt nicht langweilig wird.
Die Fragen stellte
Berthold Köhler