Sie sind eine der wenigen Marken von Weltruf, auf die der Landkreis Coburg sein Image bauen kann: die Hummel-Figuren. Doch es schaut schlecht aus um all die putzigen Keramik-Männlein, die Freunde auf der ganzen Welt haben. Die "Manufaktur Rödental", unter deren Dach seit 2009 die Herstellung der Figuren nach den Entwürfen von M. I. Hummel läuft, hat beim Amtsgericht Coburg Insolvenz angemeldet. Landrat Michael Busch (SPD) sagt dazu, was viele denken: "Das ist ein Schock. Aber ich setze große Hoffnung in den Insolvenzverwalter, dass er die Marke und die Arbeitsplätze erhalten kann."


Schwieriges Umfeld


Jener Insolvenzverwalter ist der Essener Rechtsanwalt Bernd Depping. Der ist schon seit Ende vergangener Woche in Rödental aktiv und scheint dort ein, vorsichtig ausdrückt, äußerst schwieriges Umfeld vorgefunden zu haben. Oder, wie es Thomas Schulz (Sprecher der Kanzlei Depping) formuliert: "Es ist eine sehr komplexe Problemstellung." Deshalb könne er sich derzeit auch keinerlei Aussage erlauben, wie es mit der "Manufaktur Rödental" weitergeht. Vor Anfang nächster Woche sei eine ordentliche Bestandsaufnahme auf keinen Fall zu schaffen. Also: Abwarten!


Vertriebskooperation Ende Juli gekündigt


Diese Aussagen von Schulz bestätigen den Eindruck eines Niedergangs, der sich seit dem Frühjahr verfestigt hat. Erst Ende Juli kündigte die ebenfalls in Rödental beheimatete Firma Goebel die Vertriebskooperation mit der "Manufaktur Rödental" - wegen verspäteter Zahlungen und offensichtlicher Lieferschwierigkeiten, wie damals Goebel-Geschäftsführer Hans-Peter Langsch mitteilte. Im Zuge dieser Kündigung wurden dann auch bekannt, dass "Manufaktur"-Chef Jörg Köster offensichtlich schon seit längerer keine Löhne mehr bezahlen konnte. Das bestätigt auch Thomas Schulz dem Tageblatt: Seit Mai soll es kaum mehr Zahlungen an die Mitarbeiter gegeben haben.

Rund 50 Mitarbeiter zittern

Derzeit versucht Insolvenzverwalter Bernd Depping offensichtlich, die verbliebenen gut 50 Mitarbeiter davon zu überzeugen, dass sie sich weiter für/bei der "Manufaktur Rödental" engagieren. "Wir führen viele persönliche Gespräche", erklärt Thomas Schulz. Dabei ist klar: So lange Hummel-Figuren weiter hergestellt und verkauft werden können, tut sich der Insolvenzverwalter deutlich leichter, Partner oder Investoren für das Unternehmen zu finden.


"Deindustrialisierung" im Coburger Land


Dass die "Manufaktur" heuer derart in die Turbulenzen geriet, überraschte sogar den Landkreis-Wirtschaftsförderer Martin Schmitz. Der befindet sich zwar momentan in Urlaub, meldete sich angesichts der Brisanz der Insolvenz-Meldung aber auch zu Wort. Für Schmitz sind die Probleme bei Hummel ein weiteres Zeichen für die "Deindustrialisierung" im Coburger Land. Diese habe inzwischen ein bedenkliches Ausmaß angenommen und könne aufgehalten werden, wenn der Freistaat Bayern bei der ab 2014 geltenden EU-Förderperiode nicht weiter benachteilige.


Landrat hofft


Landrat Michael Busch, dessen Vater einst noch bei Goebel mit den Hummel-Figuren zu tun hatte, will sowieso noch nicht vom Ende der Marke Hummel reden. Grundsätzlich habe er die Marktstrategie von Jörg Köster - der die Hummel-Figuren höherpreisig in kleinen Auflagen für Sammler in aller Welt produzieren ließ - als "durchaus schlüssig" empfunden. Deshalb könne er es sich gut vorstellen, dass sich eine Lösung für die Hummel-Figuren finden lasse.

Hummel als Werbeträger

Stefan Hinterleitner ist Regionalmanager im Coburger Land und unter anderem auch dafür zuständig, dass die Region bei Touristen bekannter wird. Ihm passt deshalb die Krise der Hummel-Figuren gar nicht. Hummel, das ist für Stefan Hinterleitner "ein Botschafter des Coburger Landes auf internationaler Ebene". So eine starke Marke zu verlieren, das wäre schon dramatisch. Alleine schon deshalb, weil im kommenden Jahr der Tourismus konkret mit Coburger Unternehmen und Spezialitäten angekurbelt werden soll. "Und da würden die Hummel-Figuren auf jeden Fall dazugehören", sagt der Regionalmanager. Aber - eine Sache war Hinterleitner da noch wichtiger: "Es geht hier in erster Linie um 53 Menschen, die vielleicht ihre Arbeit verlieren."