Er war sauer, richtig sauer, der Spielführer des HSC 2000 Coburg, Ronny Göhl. Er, sonst auch nach verlorenen Spielen die Ruhe selbst, konnte seine Verärgerung über diese unnötige Niederlage nicht verbergen: "Ich bin konsterniert, wir führen nach 58 Minuten und dann diese Disziplinlosigkeit - da wollen vorne einige das Spiel alleine entscheiden." Seine Verärgerung war verständlich, lag sein Team zwei Minuten vor dem Abpfiff mit 22:20 vorne, um am Ende wieder einmal mit leeren Händen aus Bad Neustadt heimzukehren.

Hauptverantwortlich dafür war Bad Neustadts Rechtsaußen Jan Wicklein, der mehr als die Hälfte der Treffer seiner Mannschaft erzielte und den die Coburger Abwehr überhaupt nicht unter Kontrolle brachte.
Da nutzte es auch nichts, dass man Gary Hines im Rückraum diesmal kaum zur Entfaltung kommen ließ.
So bleibt es 2013 für die Coburger bei einem Auswärtserfolg und der datiert bereits vom 12. Januar - eindeutig zu wenig, um bei der Aufstiegsfrage ein ernstes Wörtchen mitreden zu wollen. Denn auch Platz zwei ist nun endgültig außer Reichweite.

HSC Bad Neustadt gegen
HSC Coburg 23:22 (9:10)

Stefan Linsmeier freute sich schon vor der Partie auf "sein" Heimspiel: "Da ist jedes Heimspiel in Coburg für mich mit mehr Aufwand verbunden. Hierher brauche ich gerade mal eineinhalb Minuten von mir zuhause in die Halle." Linsmeier gehört, neben Sebastian Kirchner und Havard Martinsen, zu dem Coburger Trio, das bereits für den "anderen" HSC aufgelaufen ist. Und Linsmeier wurde auch gleich voll gefordert. Denn Maximilian Drude hatte in der Partie gegen den HC Elbflorenz einen Bänderriss erlitten, konnte also nicht spielen. Da auch Johan Andersson unter der Woche an einer Darmgrippe laborierte, musste der Oldie der Coburger von Beginn an ran. "Und das in meinem Alter", witzelte der noch vor dem Spiel.

Keine guten Vorzeichen

Auch Dominic Kelm musste angeschlagen auflaufen, insgesamt also keine guten Vorzeichen für ein Spiel in einer Halle in der die Coburger in den letzten Jahren immer brav die Punkte abgeliefert haben.

In der Abwehr vernagelte Havard Martinsen sein Tor und trotzdem führten die Gastgeber nach zwölf Minuten mit 4:3 und bauten diese auf 6:3 (15.) aus. Coburg fehlten die zündenden Ideen, um die Abwehr der Saalestädter zu knacken und die Folge waren halbherzige Würfe aus dem Rückraum. Zudem unterliefen den Gästen im Spielaufbau immer wieder leichte Fehler.

Die Partie verlief wie eine Welle - beim 7:8 (21.) waren die "fremden HSCler", wie es ein Fan im großen Coburger Block formulierte wieder vorne. Aber auch da wurde es nicht mehr - erst vergab Kelm frei vom Kreis, dann verwarf Göhl einen Strafwurf und Andersson spielte den Ball ins Aus. Doch nach fast sieben Minuten ohne Treffer auf beiden Seiten machte der Schwede dann per Strafwurf das 9:7, scheitert aber eine Minute später mit der Möglichkeit, die Führung auf drei Tore auszubauen. "16:8 müsste es aus Coburger Sicht stehen", äußerte ein zur Halbzeit doch enttäuschter Fan, der noch hoffnungsfroh für den zweiten Durchgang war. Denn die Coburger Wurfschwäche, Sebastian Kirchner scheiterte noch an der Latte, konterten die Gastgeber eiskalt zum 9:10-Anschlusstreffer zum Pausenpfiff.

Ein Linsi-Hammer

Ein Linsi-Hammer eröffnete die 2. Halbzeit zum 9:11, doch gerade einmal fünf Minuten später lief Coburg wieder einem Rückstand hinterher - das Auf und Ab ging also weiter in einem Handballspiel, das nicht gerade etwas für Ästheten war. Aber etwas für die Kämpferherzen. Wobei die Partie ganz im Zeichen der beiden Torhüter, Badura auf der einen, Martinsen auf der anderen Seite stand, der dann von Krechel abgelöst wurde, der ihm in nichts nachstand. Beide Mannschaften vergaben je drei Strafwürfe und scheiterten noch mit zahlreichen freien Chancen.

Dass die SR bei zwei gleich gelagerten Entscheidungen auch daneben lagen, tat für die Coburger das Übrige. Nach 41 Minuten musste Riha mit seiner zweiten Zeitstrafe auf die Bank und es gab Siebenmeter. Coburg lief ab da dann zehn Minuten einem Rückstand hinterher, konnte die Partie aber erneut drehen.
Die Entscheidung zwei Minuten und fünf Sekunden vor dem Abpfiff war aber viel folgenschwerer. Diesmal wurde Sebastian Kirchner mehr oder weniger umgerannt. Beide Male eigentlich ein klares Stürmerfoul. Auch diesmal gab es Strafwurf für Bad Neustadt und eine Zeitstrafe gegen Coburg, zwei weitere Tore für Bad Neustadt, die neunte Auswärtsniederlage für Coburg und einen explosiv geladenen Spielführer Ronny Göhl.