Eine Art riesiger Schlauch zieht in diesen Tagen im äußeren Burghof der Veste Coburg die Blicke auf sich. Pausenlos ist das Geräusch eines großdimensionierten Gebläses zu hören. Unverkennbar: Die Veste Coburg wird schon wieder zur Herausforderung für das Staatliche Bauamt Bamberg.

Kampf gegen Nagekäfer

Wenige Wochen nach dem Abschluss der Sanierungsarbeiten am Roten Turm hat das Bauamt diesmal den sogenannten Bulgarenturm ins Visier genommen. Doch diesmal geht es nicht um sanierungsbedürftiges Mauerwerk und Arbeiten an Dach und Fenstern. Diesmal liegt das Problem im Inneren: Schädlingsbefall.

Nagekäfer und teilweise auch der Braune Splintholzkäfer haben sich im Holztreppenhaus eingenistet, erläutert Jürgen König als Leiter der Staatlichen Bauamtes Bamberg.

Mit einem Heißluftverfahren soll den ungebetenen Gästen der Garaus gemacht werden. Voraussichtlich noch in dieser Woche soll die Aktion abgeschlossen werden, so König auf Nachfrage. Zugleich erklärt König, warum sich das Staatliche Bauamt für eine thermische Behandlung und gegen eine chemische Bekämpfung entschieden hat.

Ein chemischer Eingriff würde die Substanz verändern und zudem eine Schadstoffbelastung mit sich bringen. Einen Nachteil freilich besitzt die thermische Vorgehensweise: Sie besitzt keine prophylaktische Wirkung.

Messfühler in Balken

Das Prinzip der Schädlingsbekämpfung mit Hitze ist relativ einfach. Durch den Anhänger, der vor dem Bulgarenturm platziert wurde, wird heiße Luft in den Turm geblasen. "Der gesamte Turm wird aufgeheizt und soll an der kältesten Stelle 55 Grad erreichen; dies kann durch eingebohrte Messfühler im Balken nachgemessen werden", erläutert König.

Die Artillerie-Ausstellung, die in unmittelbarer Nähe zum Bulgarenturm gezeigt wird, ist nicht direkt betroffen von Schädlingsbekämpfung. Allerdings "mussten wir die dort aufgestellten Klimageräte ausbauen, damit sie nicht Schaden nehmen", erläutert Sven Hauschke als Direktor der Coburger Kunstsammlungen.

Die Kosten für die Schädlingsbekämpfung beziffert der Leiter des Staatlichen Bauamtes auf rund 24000 Euro.

Rund um die Veste Coburg

Geschichte Die Veste Coburg wird erstmals im Jahr 1056 urkundlich erwähnt. 1353 fiel sie an das Haus Wettin. Auf Grund ihrer strategischen Bedeutung wurde sie in den folgenden 150 Jahren zu einer der größten Burganlagen Deutschlands ausgebaut. Nach der Verlegung der Hofhaltung in die Stadt im 16. Jahrhundert diente die Veste nur mehr als Landesfestung.

Bibelübersetzung Ein berühmter Gast war 1530 der Reformator Luther, der während des Augsburger Reichstages hier an seiner Bibelübersetzung arbeitete.

Umbauten Bedeutendere Bautätigkeiten begannen mit Herzog Ernst I. (1806 bis 1844). Im 19. Jahrhundert erneuerte Karl Alexander von Heideloff die Architektur in Sinne einer schmuckreichen Neugotik. Ab 1906 gestaltete Burgenhistoriker und Architekt Bodo Ebhardt die Anlage weiter um.

Gegenwart Heute beherbergt die Burganlage die Kunstsammlungen der Veste Coburg. Sie zählen zu den bedeutendsten kunst- und kulturgeschichtlichen Sammlungen Deutschlands und gehen größtenteils auf den Kunstbesitz der Coburger Herzöge zurück. Das Museum umfasst ein auch im internationalen Vergleich sehr bedeutsames Kupferstichkabinett, eine Jagdwaffen- und Gläsersammlung sowie eine Wagen- und Schlittensammlung. Unter den Kunstwerken sind Gemälde von Lucas Cranach und der altdeutschen Malerei (Dürer, Grünewald, Holbein) sowie Plastiken von Tilman Riemenschneider besonders bemerkenswert. Bulgarenturm Der sogenannte Bulgarenturm (Torturm) über dem Haupteingang der Veste Coburg wurde nach Ferdinand von Sachsen-Coburg-Kohary benannt. Dieser gelangte im Jahr 1887 als gewählter Regent nach Bulgarien, im Jahr 1908 wurde er zum Zaren gekrönt. 1918 musste er nach seiner Niederlage im Ersten Weltkrieg abdanken, daraufhin zog er nach Coburg. red