65 Jahre lang war der Großhandel Gunnermann eine der ersten Adressen für Privatkunden, Geschäfte, Gaststätten und Firmen in der Region, wenn es um Obst und Gemüse ging. Nun haben sich Geschäftsführer Georg Gunnermann und seine Frau Andrea entschieden, ihr Geschäft aufzugeben - schweren Herzens, wie er dem Tageblatt am Dienstag auf Anfrage versichert.
"Uns gibt's seit 1952 in Coburg", sagt Gunnermann. "Früher waren wir in der Theatergasse 1, die letzten 20 Jahre in der Rodacher Straße." Seit 2012 betrieb das Ehepaar dort auch einen Hofladen, in dem neben Obst und Gemüse auch andere Spezialitäten aus der Region verkauft wurden.


Großkunden kaufen anderswo

Doch in den letzten Jahren brachen immer mehr Kunden weg: Der Obst- und Gemüseladen Wollandt am Spitaltor (den Georg Gunnermann eine Zeit lang sogar selbst geführt hatte) und der "Brücken-Adolf" gehörten zu den Kunden, die ihre Geschäfte aufgaben. "Zum Jahreswechsel haben wir auch noch die HUK-Kantine als Großabnehmer verloren", bedauert Georg Gunnermann. "Das ist unser Problem." Andere Großkunden, etwa Supermärkte, beziehen ihr Obst und Gemüse von anderswo her.


Immer weniger Gaststätten

"Früher war auch noch in jeder Ortschaft eine Gaststätte, die wir beliefert haben", erinnert sich Georg Gunnermann. Das gebe es heute ja auch kaum mehr. "Wir haben Neustadt, Kronach, den Itzgrund bis Rattelsdorf, Rodach und Seßlach bliefert." Sogar der Thüringer Wald bis Masserberg gehörte einst zum Einzugsgebiet. "Seit zwei, drei Jahren fahren wir dort nicht mehr hin. Aber ausschlaggebend war letztlich der Verlust der HUK-Kantine", sagt der Geschäftsführer. "Wir haben versucht, es aufzufangen, aber leider ging das nicht. "
Zum 31. Dezember soll nun Schluss sein. "Wir hören komplett auf, schließen alles. Ein Laden ohne Großhandel rentiert sich nicht", sagt Georg Gunnermann. Ihm und seiner Frau tue das sehr leid, schließlich seien sie schon die dritte Generation. "Wir hätten das gerne noch weiter gemacht, hätten es auch gerne unseren Kindern übergeben. Aber das rechnet sich einfach nicht mehr."


Im Januar wird ausgeräumt

Sechseinhalb Mitarbeiter hat Gunnermann zuletzt beschäftigt, dazu er selbst und seine Frau Andrea. Fast alle der Mitarbeiter hätten schon eine neue Stelle gefunden, ein Teil allerdings schon zum 1. Dezember. Den einen Monat müssen die beiden also noch mit weniger Personal stemmen. Im neuen Jahr werde er zunächst alles ausräumen, sagt Gunnermann. "Da habe ich gut zu tun!" Dann sollen das Grundstück und das Geschäftsgebäude in der Rodacher Straße verkauft werden. Interessenten dafür gibt es offenbar bereits.


Die Geschichte der Firma Gunnermann

1928 gründeten Andreas Gunnermann und sein Bruder in Höfen bei Rattelsdorf das Unternehmen.

7. Mai 1952 wurde das Gewerbe in Coburg angemeldet, um näher an den Kunden zu sein.

10. Oktober 1952 wurde das Grundstück in der Theatergasse 1 gekauft (heute befindet sich dort die Gaststätte "Heimatliebe"). Anfangs wurde aus einer kleinen Bretterbude heraus verkauft.

1966 bis 1967 erfolgte der große Wiederaufbau des Wohn- und Geschäftshauses.

1998 Umzug in den heutigen Standort, Rodacher Straße 87, in Coburg.

2012 Eröffnung des Hofladens auf dem Firmengelände.