Professor Manfred Treml lebt für die Geschichte. Das ist bei dem Historiker aus Rosenheim durchaus wörtlich zu nehmen: Seit 1990 leitet er den Verband der bayerischen Geschichtsvereine und nebenbei noch den Gesamtverein der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine.

Diese Funktionen führten ihn und etliche weitere Historiker, Archivare, Geschichtsinteressierte und Museumsleute am Dienstag nach Coburg: Hier fand der Tag der bayerischen Landesgeschichte statt, und im Pfarr- und Dekanatszentrum St. Augustin wurde ein volles Programm geboten.

Am Anfang stand der Rundgang durch die Landesaustellung auf der Veste. "Unbedingt hingehen", empfiehlt Treml, der als stellvertretender Direktor und Leitender Sammlungsdirektor des Hauses der Bayerischen Geschichte (1985 bis 2001) selbst einige Landesausstellungen zu verantworten hatte. "Es sind einige unglaublich wertvolle Objekte zu sehen." Über die didaktische Aufbereitung könne man an einigen Stellen streiten, aber dem stehe "dieser authentische Ort" gegenüber: "Wer hat denn schon ein Lutherzimmer?!" Und überhaupt: Die Veste mit ihren Sammlungen und Coburg seien auch ohne die Landesausstellung eine Reise wert.

Treml versteht sich und seinen Verband als "Lobbyisten für mehr Geschichtsbewusstsein." 220 Vereine, Institutionen, Kommissionen gehören der 1906 gegründeten bayerischen Vereinigung an. "Wir versuchen, die Landesgeschichte zu fördern. Das darf im Unterricht nicht verloren gehen!" Treml hat auch etliche Jahre als Lehrer und in der Lehrerausbildung gearbeitet. Kinder seien durchaus offen für Geschichte, sagt er, "aber wir brauchen auch Lehrer, die das gut machen können!"

Der Tag der bayerischen Landesgeschichte ist eines der Mittel zum Zweck, das Bewusstsein für Regionalgeschichte zu fördern. In Coburg geschah dies gestern mit Vorträgen zur "Reformation als Fragestellung und Problem", über die Täuferbewegung im Grenzgebiet von Bayern und Schwaben und die fränkische Adelswelt im 16. Jahrhundert. Referenten waren unter anderem der Vorsitzende der Historischen Gesellschaft Coburg, Professor Gert Melville, und Bezirksheimatpfleger Günter Dippold.

Mit der Heimatpflege arbeitet der Verband bayerischer Geschichtsvereine ohnehin eng zusammen: Den bayerischen Heimattag richten die beiden Vereinigungen zusammen mit dem Bund Naturschutz aus. Im Mittelpunkt steht dann die Pflege der - historisch bedingten - Kulturlandschaft. Außerdem ist der Verband der bayerischen Geschichtsvereine in den Rundfunk- und Medienbeiräten vertreten.

Geschichte gehört für Manfred Treml in die Öffentlichkeit - und das gewährleisten seiner Ansicht nach die historischen Vereinigungen, die es auf rund 80 000 Mitglieder in Bayern bringen. Dass die Arbeit steht und fällt mit den Personen, die ehrenamtlich tätig sind, gehört für Treml dazu - genauso wie die Tatsache, dass Historiker trefflich streiten können. "Aber es muss auf der sachlichen Ebene stattfinden", betont er.

Der 74-Jährige räumt ein, dass die Geschichtsvereine "diese zwölf Jahre" des Nationalsozialismus lange ausgelassen haben, wenn es um die Erforschung der Heimatgeschichte ging. "Aber das hat sich geändert." Auch Coburg will seine Geschichte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nun wissenschaftlich aufarbeiten lassen und sich dabei nicht nur auf die Jahre 1933 bis 1945 beschränken. Treml hat die Diskussionen in der Stadt, die zu dieser Entscheidung führten, sehr wohl verfolgt.
Dass eine hochkarätig besetzte und unabhängige Kommission diese Aufarbeitung begleitet, findet er richtig und "clever-professionell". Dieses Vorgehen hatte Gert Melville als Vorsitzender der Historischen Gesellschaft und weithin anerkannter Historiker vorgeschlagen. Am heutigen Mittwoch soll die Historikerin, die den Forschungsauftrag erhalten hat, vorgestellt werden. In der Bewertung der Ergebnisse "wird man unterschiedlicher Meinung sein. Das ist unvermeidlich", prophezeit Treml. "Wir als nachgeborene Generation müssen uns aber darüber im Klaren sein, dass wir nicht die Weltenrichter sind."