Mit einem besonderen Gottesdienst will Pfarrer Arnold Kroll am Sonntagabend an den Ersten Weltkrieg erinnern, der vor 100 Jahren begann. Er will aber auch auf Spurensuche nach modernen Feindbildern gehen und mit seinen Gemeindegliedern darüber nachdenken, welche Rolle Krieg und Gewalt für uns heute spielen.
Der Erste Weltkrieg und seine Auswirkungen auf die Kirchengemeinde, die damals auch ins heutige Thüringen hineinreichte, bildet den Einstieg in das Thema.

"Ich möchte auf die Kriegsbegeisterung eingehen, die damals viele empfanden, auf die Ernüchterung im Graben- und Gaskrieg und zeigen, was das Ergebnis dieses Krieges war", erklärt der Geistliche. Er hat sich viel mit Geschichte beschäftigt - und mit Geschichten. Er fand aber keine Aufzeichnungen über die Gefallenen in den Kirchenbüchern der Gemeinde. "Sie wurden ja nicht hier beerdigt", erklärt er diese Lücke.
Nur wenige, die zurückgekehrt waren und dann an den Folgen von Gas oder Verwundung starben, sind erfasst. Über einen jungen Mann findet sich der Eintrag, dass er sich nach seiner Rückkehr das Leben genommen hat. Er sei wohl "schwermütig" geworden durch das Erlebte, erklärte man sich damals diesen Schritt. Heute spräche man wohl von einer posttraumatischen Belastungsstörung.

Viele in der Gemeinde betroffen

Der Krieg schlug gewaltige Lücken in die Familien der Kirchengemeinde. Kaum eine Familie, die keinen Angehörigen verlor. Doch es gab auch Glück. Daran erinnert der große Lüster in der Kirche bis heute. "Er wurde von einer Familie aus Mittelberg gestiftet, aus Dankbarkeit, weil ihre beiden Söhne aus dem Krieg zurückgekehrt sind", berichtet Pfarrer Kroll.

Zwei geschnitzte Tafeln erinnern an die Gefallenen aus dem Kirchensprengel um Weißenbrunn. Sie lagerten im Verborgenen und sollen nun wieder einen gut sichtbaren Platz in der Weißenbrunner Kirche bekommen. Es ist die Erinnerung an verlorene Menschen, die am deutlichsten vor Augen führt, dass Krieg immer die "kleinen Leute" am schlimmsten trifft, findet Arnold Kroll. Die lange Liste der Opfer ist eindrucksvoll.

Wie die Menschen in der Zeit vor 100 Jahren empfanden, spiegeln literarische Texte wider, die Arnold Kroll für seinen Gottesdienst herausgesucht hat. Auch in Gedichten und Texten zeigt sich die anfängliche Begeisterung der Menschen. Es wird aber in wenig später verfassten Stücken klar, dass der Schrecken schon sehr bald überwog. Es wird deutlich, wie Verantwortliche Soldaten einfach und kalt kalkulierend als "Material" betrachteten. Der Gottesdienst, der auch die stürmische Entwicklung der Kriegstechnik nicht übergeht, führt vom einst beschworenen Erzfeind Frankreich zur Frage, wo wir heute unsere Feinde sehen. Etwa zur neuerdings keimenden Angst vor Muslimen - ohne Unterschiede zwischen radikalen Extremisten und friedfertigen Gläubigen zu machen.

Möglichkeit zur Aussprache

Der Gottesdienst zur Erinnerung an den Ersten Weltkrieg beginnt am Sonntag, um 18 Uhr, in der Weißenbrunner Dreifaltigkeitskirche. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, im Kirchgarten bei Wein und Käse zu diskutieren und sich zu den Fragen aus dem Gottesdienst auszutauschen.