Das Coburger Land muss mit einer Stimme sprechen - und damit ist nicht nur der Landkreis, sondern auch die Stadt gemeint. Bei der Frühjahrskonferenz der Kreistagsfraktion der Freien Wähler am Sonntagabend machten alle Referenten deutlich, dass dieser Leitsatz für nahezu alle kommunalen Themen gelte.

"Kirchturmdenken muss der Vergangenheit angehören", stellte dazu Hendrik Dressel fest. Der ehemalige Seßlacher Bürgermeister ging auf die digitalen Gründungszentren in den bayerischen Bezirken ein und darauf, warum es denn jeweils immer nur eines davon geben dürfe. Egal wie weit die anderen Regionen Oberfrankens, etwa Bamberg oder Hochfranken, auch seien: Die gesamte Wirtschaftsregion Coburg mit Stadt, Landkreis, Wirtschaft und auch der Hochschule solle sich dafür einsetzen, ein solches Zentrum am Oberzentrum Coburg zu initiieren.
Dressel: "Das wäre eine Weichenstellung."


Nicht mehr nach dem Gießkannenprinzip

Er verwies hier auch auf die geänderten staatlichen Förderungen. Die gebe es nicht mehr nach dem Gießkannenprinzip, sondern im Wettbewerb der Antragssteller. Und hier gebe es bereits positive Beispiele von Kooperationen. "Eine Gemeinde allein kann auf Dauer gar nichts bewirken", stellte Dressel fest.

Nach der Festsetzung der Kreisumlage auf 42,5 Punkte sei in der vergangenen Woche wieder einmal die Balance zwischen den Interessen der Gemeinden und des Landkreises gelungen, erklärte Fraktionsvorsitzender Gerold Strobel: "Das Geld liegt ja nicht in der Schublade." Und Michael Fischer gab einen Einblick in die finanziellen Aufgaben, die der Landkreis in den nächsten drei Jahren schultern muss. Die dann angehäuften Schulden von 36,9 Millionen Euro seien als Investitionen wichtig für die Weiterentwicklung des Landkreises.

Dazu gehörten der Neubau und die Sanierung von Schulen (etwa Realschule CO II, Realschule und Arnold-Gymnasium Neustadt), für den Straßenbau oder den Wohnungsbau. Nach diesen Investitionen "müssen wir aber drangehen, die Schulden abzubauen", sagte Fischer. Bis jetzt habe man aber immer die Lebensqualität im Landkreis hochhalten können. Fischer: "Es ist dafür etwas geschaffen worden."


Steiner: Unterbringung der Flüchtlinge "überschaubar"

Als "überschaubare Aufgabe" bezeichnete Rödentals Bürgermeister Marco Steiner die Unterbringung von Flüchtlingen in der Region - im Gegensatz zu Südbayern, wo die Kommunen an die Grenze ihrer Belastbarkeit gelangt seien. Beim prognostizierten Rückgang der Bevölkerung in den nächsten 15 Jahren warnte Steiner auch davor, die Zahl der Flüchtlinge im Verhältnis 1:1 auf den Wohnungsmarkt abzubilden: "Die Flüchtlinge nehmen Wohnungssuchenden aus Deutschland keine Wohnungen weg." Vielmehr müsse die Politik dafür sorgen, dass der Bestand an Wohnungen saniert und neuer, höherwertiger Wohnraum geschaffen werde.

Dass nicht nur Marco Steiner "als Praktiker an die Situation in zehn Jahren" (Strobel) denkt, zeigte Hans-Joachim Lieb auf, der dazu aufrief, eine Arbeitsplatzbörse für Flüchtlinge im Raum Coburg ins Leben zu rufen. Allerdings hätten nur wenige der anerkannten Flüchtlingen bereits eine feste Arbeit.


Energiewende vor Ort

Dass der Klimawandel auch die Menschen vor Ort betreffe, legte FW-Kreisvorsitzender Christian Gunsenheimer dar. "Wir können aber noch gar nicht erfassen, welche Auswirkungen dies hat", sagte er. Er lobte die Einrichtung einer Bürger-Photovoltaik-Anlage auf dem Ernestinum in Coburg, musste aber einräumen, dass sich kleine Anlagen nicht mehr rechneten. Die großen Anlagen könnten aber nur Konzerne einrichten und betreiben. Er rief dazu auf, sich auf die heimischen Möglichkeiten zu besinnen: "Es gibt in der Region so viel Potenzial, dass wir die Energiewenden vor Ort gestalten können." Und: "Wir brauchen keine 380-kV-Leitung für Braunkohlestrom aus der Niederlausitz." Dem stimmten Gerold Strobel und Marco Steiner zu, der mahnte, sich gerade bei den drohenden Riesen-Stromtrassen durchs Coburger Land nicht auseinanderdividieren zu lassen: "Wenn wir gegeneinander arbeiten, kommt eine Trasse auf jeden Fall und es gibt wieder Verlierer." Auch Strobel warnte: "Dieses Schwert schwebt noch."
Strobel mahnte erneut, dass das Coburger Land mit einer Stimme sprechen müsse: "Keiner kann ohne den anderen, das gilt auch für den ICE-Halt." Denn die gesamte Region und nicht nur die Stadt bräuchten diesen Halt nach dem Wegfall des Haltepunkts in Lichtenfels. Strobel: "Auch die Landkreisbürger fahren Zug. Dann müssen sie auch zu Wort kommen."