Mengenangaben und detaillierte Anleitungen gibt es bei Ina Bätz nicht. "Ich möchte, dass Sie nach Ihrem Gefühl kochen", sagt sie zu den Teilnehmern am VHS-Kurs "Fränkische Tapas" oder - wie es Johann Geiger noch einmal ordentlich formuliert - "Fränggische Dabbas". Doch trotz fehlender schriftlicher Anweisungen ist das, was nach gut zweieinhalb Stunden in der VHS-Lehrküche serviert wird, absolut köstlich und macht auf dem Tisch auch noch was her. "Für uns ist Kochen eine Freude", erzählt die Kursleiterin. Mit "uns" meint sie sich und ihren Mann. Die beiden haben früher ein Restaurant in Marktzeuln geführt und dort schon "viele neue Sachen ausprobiert". Jetzt geben sie Kurse und suchen sich auch dafür Ungewöhnliches aus. Und weil einer der Söhne eine Zeit lang in Spanien gearbeitet hat, und dort Tapas eine beliebte Speise sind, hat das Ehepaar Bätz kurzerhand fränkische Tapas kreiert.

Zum Abend in der VHS-Lehrküche ist Ina Bätz allerdings ohne ihren Mann gekommen. Als Unterstützung hat sie aber Simone Rüger mitgebracht - eine frühere Kollegin.

Bevor es ans Kochen geht, erläutert die Kursleiterin, was es mit dieser spanischen Spezialität auf sich hat. "Tapas heißen auf Deutsch Deckel. Sie werden als Häppchen zu alkoholischen Getränken serviert." Die Zutaten müssen nicht zwingend mediterran sein, wie Ina Bätz mit ihren Kreationen beweist. Die meisten gibt es in Franken: Kartoffeln, Porree, Möhren, Sellerie, Weiß- und Schwarzbrot, Spitzkohl, Fleisch und Bier. Die Kursteilnehmer werden in verschiedene Gruppen eingeteilt und los geht's.

Karl-Heinz Eckardt, Johann Geiger und Simone Rüger beschäftigen sich als Erstes mit dem Pilzsalat für die Pilz-Lasagne. "Ich koche auch zu Hause und wenn ich was Interessantes sehe, probiere ich es auch aus", erzählt Johann Geiger. Karl-Heinz Eckardt schaut etwas unsicher auf die Zutaten. Er sei nur als Ersatz für Frau Geiger dabei und eher unerfahren im Kochen, gibt er zu. Christine Schultheiß schneidet derweil das Gemüse für die Kartoffelsuppe. "Damit kenne ich mich aus, das ist keine Herausforderung für mich", sagt sie lachend. Das Besondere an der Suppe kommt erst zum Schluss dazu: geröstete Blutwurst. Simone Rüger steuert noch etwas Giersch bei - eigentlich ein Unkraut, das fast in jedem Garten wächst.

Gudrun Jensch und Ottilie Unkelbach bereiten den Strammen Max en miniature mit Schinken und Wachteleiern vor. "Ich interessiere mich für außergewöhnliches Essen", erzählt Gudrun Jensch und Ottilie Unkelbach ergänzt, sie esse gern und möchte mal etwas Neues ausprobieren. Dass Carl Baetjer am VHS-Kurs teilnimmt, hat er seinen Freunden zu verdanken. "Die haben mir das zum Geburtstag geschenkt und sind auch gleich mitgekommen." Sieben sind sie zusammen.

Eines der ungewöhnlichsten Rezepte ist zweifellos fränkisches Sushi - eine Herausforderung für Carl Baetjer. Relativ trocken eingekochte Graupen werden mit geriebenem Käse angereichert und zusammen mit Möhren, Sellerie oder anderem Gemüse in blanchierten Porree gewickelt. Dazu gibt es anstelle von Soja- eine Biersoße aus Malz- und Dunkelbier. Darin wird Gemüse gekocht, bis das Ganze eine sämige Konsistenz bekommt. Als Überraschung hatte Ina Bätz noch Zutaten für eine Schnitzelpraline mitgebracht. Kleingeschnittenes Schnitzelfleisch wird in quadratisch zugeschnittene Frühlingsrollenblätter gewickelt und dann frittiert. Ein Leckerbissen der besonderen Art.

Zum Schluss sitzen alle Teilnehmer am großen Tisch der Lehrküche und essen mit Genuss, was sie in den Stunden davor zubereitet haben. Es war der erste VHS-Kurs "Fränkische Tapas" in Coburg. Aber es wird zumindest noch einen weiteren geben, weil die Nachfrage so groß ist.