Komplimente machen, betteln, massiv bedrohen - Karl-Heinz K. hatte vor Gericht alles versucht, um einer Strafe zu entgehen. Am Ende brachte es nichts - er muss drei Jahre und zwei Monate ins Gefängnis. Mit dem Urteil endete gestern in Coburg der Prozess gegen ihn vor dem Schwurgericht.

Rückblick: Karl-Heinz K. war wegen versuchten Totschlags angeklagt. Er soll am 24. Juni 2020 in einem Regionalexpress zwischen Lichtenfels und Ebersdorf bei Coburg seine Lebensgefährtin Stefanie A. gewürgt und getreten haben, bis sie das Bewusstsein verlor. Am Ende wurde der Angeklagte nicht wegen versuchten Totschlags verurteilt, sondern wegen gefährlicher Körperverletzung und der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

Versuchter Totschlag im Regionalexpress: Mann in Coburg zu Haftstrafe verurteilt

In seinem Plädoyer sprach Staatsanwalt Otto Heyder von einer "explosiven Mischung", die sich am 24. Juni 2020 - im Wesentlichen wie in der Anklageschrift beschrieben - entladen hat und berief sich dabei auf die Videoaufnahmen aus dem Zug, die medizinischen Gutachten und die zahlreichen Zeugenaussagen.

Er sieht es als erwiesen, dass Karl-Heinz K. in stark alkoholisiertem Zustand zunächst rechtsradikale Parolen gerufen hat, anschließend mit seiner Lebensgefährtin Stefanie A. in Streit geraten ist und sie im Laufe der Auseinandersetzung gewürgt und getreten hat, woraufhin die Geschädigte das Bewusstsein verlor.

In der Beweisaufnahme habe sich allerdings nicht bestätigt, dass der Angeklagte dabei eine Tötungsabsicht verfolgte - schließlich habe K. von der Geschädigten abgelassen, als diese am Boden lag und noch vor Ort betont, dass er davon ausgehe, die Ohnmacht seiner Lebensgefährtin sei gespielt. Dennoch sei der Übergriff "potenziell sehr gefährlich" gewesen. Der Staatsanwalt hatte drei Jahre und drei Monate gefordert.

Keine Tötungsabsicht - aber "potenziell sehr gefährlich"

K.s Verteidiger Helmut Geiger hatte angeführt, sein Mandant habe eine dissoziale Persönlichkeitsstörung - habe ein Sachverständiger festgestellt - die unter anderem durch schwere Misshandlungen im Kindesalter entstanden sei und zur Folge habe, dass K. "nicht so reagieren kann, wie andere Menschen es tun".

Im gesamten Prozess hat Karl-Heinz K. sämtliche Register gezogen, um das Schwurgericht von einer Strafmilderung zu überzeugen: Dem Sachverständigen machte er vor Gericht Komplimente, zur Richterin Jana Huber sagte er, sie sei so hübsch, dass er "seine Steffi doch glatt vergessen könnte" - damit meinte er die Steffi, auf die er im Regionalexpress losgegangen war.

Scheinbar als er merkte, dass die Charme-Offensive keine Früchte trug, drohte er dem Staatsanwalt, er könne damit rechnen, dass "die Türken kommen und es mit ihm klären" würden. Nachdem auch die Einschüchterungsversuche gescheitert waren, blieb ihm wohl nur noch das Flehen übrig. In den letzten Worten vor der Urteilsverkündung beteuerte er, "wirklich keine Scheiße mehr bauen" zu wollen und bereit zu sein, für seine Freiheit "sämtliche Bewährungsauflagen mitzumachen".

Flirten mit der Richterin, Drohungen an den Staatsanwalt

Das überzeugte die Vorsitzende aber auch nicht. Der Angeklagte habe sich während des Prozesses "stets darum bemüht, die Geschädigte in schlechtem Licht dastehen zu lassen", sagte Richterin Huber. Auch die Vorstrafen des Angeklagten haben sich negativ auf das Strafmaß ausgewirkt. Karl-Heinz K. sei bereits mehrmals zu Bewährungsstrafen verurteilt worden und trotzdem immer wieder straffällig geworden - die Strafkammer sehe es zudem als sehr wahrscheinlich an, dass der Angeklagte weitere Verbrechen begehen könnte, falls seine Alkoholabhängigkeit nicht therapiert wird.

Zusätzlich zu der Haftstrafe muss Karl-Heinz K. seiner Freundin ein Schmerzensgeld in Höhe von 1.500 Euro zahlen.