Der 39-jährige O., angeblich der Chef der siebenköpfigen Bande, dem die Staatsanwaltschaft schweren Bandendiebstahl und Sachbeschädigung vorwirft, schweigt weiterhin eisern zu den Tatvorwürfen. In rund 100 Fällen soll er, zusammen mit weiteren Tätern, die er entsprechend instruiert habe, vornehmlich in Oberfranken zugeschlagen haben. Ein konstruiertes Alibi, das ihm ein Gefängnisinsasse im tschechischen Pilsen verschaffen sollte, schlug fehl. Der Mann, der wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und Autodiebstahl einsitzt, sagte per Videoschaltung als Zeuge aus und soll O. vor seiner Auslieferung nach Deutschland sogar geschlagen haben, weil er damit nicht einverstanden gewesen sei.

Mehrere Angeklagte, darunter ein unter Zeugenschutz stehender Mann, erklärten, dass O. der Drahtzieher und Kopf der Bande gewesen sei. Zwar sei O. in der Regel nicht selbst bei den Diebstählen in Deutschland dabei gewesen, so die Aussagen, doch die Anstiftung zu den Taten sei stets von ihm ausgegangen. Der 39-Jährige habe bei ihnen quasi die Fahrzeugmodelle, in der Regel VW T5 Multivans und Mercedes Sprinter, bestellt, die sie quasi in einer Fünf-Tage-Woche abgearbeitet hätten. In verschiedenen Werkstätten und Garagen seien die Wagen dann mittels gefälschter Papiere und Umbaus soweit verändert worden, dass sie von O. wieder verkauft werden konnten. Potenzielle Abnehmer könnten in der Ukraine und in Russland sitzen. O. habe das wie ein professionelles Geschäft aufgezogen, hieß es. Luftbilder, die die Polizei aufgenommen hatte, zeigten die Werkstatt von O., vor der zahlreiche Fahrzeuge parken.


Gericht will durchgreifen

Den Ermittlern sind im Zusammenhang mit dem "Frisieren" der Fahrzeuge und dem Weiterverkauf einige Namen bekannt. Bisher hat jedoch noch kein Angeklagter oder Zeuge Einblick in die Arbeit von O. und eventuellen Hintermännern und Helfershelfern gegeben. Das soll sich nun ändern: Schweigen der Angeklagte O. und weitere Angeklagte, ein Brüderpaar, weiterhin eisern zu den Tatvorwürfen und lehnen jegliche Kooperation ab, will der Vorsitzende Richter am Landgericht, Christoph Gillot, die Prozesse von den anderen Fällen abtrennen und gesondert verhandeln. Zudem zieht die Kammer in Betracht, dass sich O. neben des schweren Bandendiebstahls und der Sachbeschädigung zusätzlich auch des gewerbsmäßigen Diebstahls und der Hehlerei schuldig gemacht hat.

Sollte O. jedoch sein Schweigen brechen und verwertbare Angaben zu Hintermännern und Helfershelfern machen, würden diese von den Ermittlungsbeamten sorgfältig auf den Wahrheitsgehalt geprüft. Damit rückt ein juristisches Verständigungsgespräch zwischen den Anwälten, der Staatsanwaltschaft und der Kammer in greifbare Nähe. Zunächst wird der Angeklagte von einem Sachverständigen begutachtet, weil seine Verteidiger geklärt haben möchten, ob Drogen mit im Spiel waren. Das wird in zehn Tagen der Fall sein.

Zahlreiche polizeiliche Ermittler sind als Zeugen geladen und wurden teilweise schon gehört, darunter Sonderermittler, DNA-Sachverständige und Spezialisten für Telefon- und Verbindungsdaten. Am Freitag sagte eine Polizeibeamtin aus Bayreuth aus, die die rund 100 Diebstahlfälle akribisch dokumentiert hat. Sie kommunizierte mit den Geschädigten, die teilweise auch aus Dörfles-Esbach und Kronach stammen, und den jeweiligen Versicherungen. Zudem war sie als Asservatenverwalterin für die bei einer Razzia in Tschechien sichergestellten Gegenstände verantwortlich. Die jeweiligen Sach- und Entwendungsschäden müssen während der Beweisaufnahme einzeln in den Prozess eingeführt werden. Das ist bei rund 100 Fällen eine mühsame und zeitaufwendige Prozedur. Auch deshalb wurden für den Prozess 13 Verhandlungstage - das Gericht tagt dreimal pro Woche - festgesetzt. Insgesamt entstand ein reiner Entwendungsschaden von mehr als 1,2 Millionen Euro.
Der Prozess wird fortgeführt.