Im November wurde es auffällig: Eine Reihe von Einzelhändlern in der Innenstadt kündigte die Schließung ihrer Geschäfte an. Inzwischen sind mehr dazugekommen - für viele Kunden überraschend, hat sogar das Modehaus Matzer & Worsch Insolvenz angemeldet. Kein gutes Zeichen für die Innenstadt, urteilen die verbleibenden Geschäftsleute. Auf Tageblatt-Anfrage hatte Stephan Horn, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WiföG), Ende November angekündigt, dass sich ein gegründeter Arbeitskreis Einzelhandel im Januar zum ersten Mal treffen werde.

Dieses Treffen hat es inzwischen gegeben. Ingmar Bartel, der im Steinweg einen Teppichhandel betreibt, gehört dem Arbeitskreis an und war bei der ersten Zusammenkunft dabei. "Wir haben über vielfältige Themen diskutiert", erzählt er. Ins Detail möchte er allerdings nicht gehen - das hätten die Mitglieder des Arbeitskreises vereinbart. Nur so viel: "Es war eine konstituierende Sitzung und Oberbürgermeister Norbert Tessmer hat den Vorsitz übernommen." Alle an der Sitzung Beteiligten hätten erläutert, was aus ihrer Sicht wichtig ist. Es sei dabei auch um die Online-Präsenz der Geschäfte gegangen. "Da ist die Citymanagerin Julika Ge rlach sehr engagiert", betont Ingmar Bartel. In diesem Zusammenhang seien auch einheitliche Öffnungszeiten diskutiert worden. Vor Ostern soll es das nächste Treffen des Arbeitskreises geben. "Ich glaube, die Stadt hat erkannt, dass es fünf vor zwölf ist", stellt der Geschäftsmann fest.

Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) ist zuversichtlich, dass der Arbeitskreis zur Verbesserung der Situation beitragen kann. "Der Coburger Einzelhandel ist grundsätzlich mit einem breiten Angebot, gutem Service sowie attraktivem Sortiment gut aufgestellt und sorgt damit für eine hohe Frequenz in der Innenstadt. Allerdings gibt es in einzelnen Branchen unter anderem durch Wettbewerb mit dem Umland und sich änderndes Kundenverhalten, aber auch durch Wechsel in der Geschäftsleitung Probleme", stellt er fest.

Es habe inzwischen Gespräche mit den Händlern, der IHK, der Verwaltung und den Tochtergesellschaften gegeben. Mögliche Maßnahmen seien besprochen und auch das ISEK zum Thema Einzelhandel auf den Weg gebracht worden. Alle Beteiligten könnten sich sicher sein, dass mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln daran gearbeitet werde, die Innenstadt weiter zu stärken und voranzubringen. "Denn der Einzelhandel hat in Coburg einen hohen Stellenwert", ergänzt Norbert Tessmer.

Auch die Industrie- und Handelskammer sei stark daran interessiert, dass sich etwas tut im Einzelhandel, stellt Ingmar Bartel fest. "Immerhin spielt das auch eine Rolle, wenn es darum geht, Fachkräfte für den Standort Coburg zu gewinnen." Schon eine Woche vor dem Treffen des Arbeitskreises habe es unter der Regie der IHK einen Workshop gegeben. Dort sei eine Idee diskutiert worden, die für viele Händler und Gewerbetreibende interessant sein könnte.

Idee vom Dienstleistungsmarkt
Es geht dabei um die Installation eines Dienstleistungsmarktes. "Den könnte man entweder in einem Gebäude unter einem Dach oder aber in einem Straßenzug ansiedeln." Der Vorteil: "Es gibt für die Kunden gleich mehrere Gründe, dorthin zu gehen." Wer also zum Schuhmacher muss, kann auch gleich noch seine kaputte Uhr nebenan beim Uhrmacher abgeben, zwischendurch einen Kaffee trinken und danach noch zum Friseur gehen.

"Alle Beteiligten hätten die Möglichkeit, gemeinsam einen Auslieferungsdienst zu nutzen, um einen kompletten Service anzubieten. So etwas kann das Internet nicht leisten."