Geschichte ist kein Spaß, schon gar nicht die übers Mittelalter! Da wird nicht gegrinst. "Das Mittelalter bezeichnet eine Epoche..." Diese gar strenge Frau Dr. Hasenbein wird die Fünftklässler des Albertinums schon noch das Fürchten lehren. - Oder ihr blaues Schulwunder erleben.

Denn plötzlich fliegt die Tür auf und ein buntgemixter, irgendwie aus der Zeit gefallener Herr namens Sancho Panza mit löchrigem Hut stürzt herein. Verfolgt seien er und sein Herr Don Quijote, von Polizei und Pfarrer und überhaupt aller Welt. In Sancho Panzas die ganze Klasse wortwörtlich wild bewegenden Erzählungen nimmt diese Geschichtsstunde fortan einen so nicht geplanten Verlauf.

Mit Schülern entwickelt

"Babo" haben die Theaterpädagogin Luca Pauer und Schauspieler Stephan Mertl das neue Klassenzimmerstück des Landestheaters Coburg genannt. Nach der fulminanten Premiere darf man wohl tatsächlich "Babo" erwarten, eine "Baldige allgemeine Bühnenoffensive". Das in den letzten Wochen mit einer sechsten Klasse des Albertinums, der Theaterklasse dieses musischen Gymnasiums, selbst entwickelte Stück bezog dann bei der Premiere die Mädchen und Jungen vom ersten Moment an so intensiv und gleichzeitig wie selbstverständlich ein, spielte mit der ganzen Klasse, dass sich Theatertraum und Schul-Spiel-Wirklichkeit aufs Dichteste verwoben.
Schon Luca Pauer so ernsthaft perfekt in der Rolle der trockenen Geschichtslehrerin lässt die Kinder zweifeln, worum es sich in diesem Moment eigentlich handelt. Im Bewegungsspiel verwandeln sich die Schüler dann in die Rittergesellschaft, vom König bis hinab zum Bettler, und arrangieren sich sinnfällig zur mittelalterlichen Hierarchie.

Stephan Mertl als gar nicht dummer, wendiger Knappe Sancho Panza hat mit diesen quickigen Kindern ebenfalls keinerlei Mühe, die Rollen von Cervantes Ritter von der traurigen Gestalt nebst Pferd Rosinante - in Teilstücken von vorne und von hinten - samt weiteren Personals zu besetzen. Die Krücke einer Schülerin der 5a wird spontan zur Lanze.

Grandioser Spaß

Die Kinder werden gemeinschaftlich zu Windmühlen, durch die der Wind heftig pfeift, sie werden allesamt zu Don Quijote und der verehrten Dulcinea. In dramatischen Momenten ertönt Filmmusik aus der Requisitenkiste, die Sancho Panza mit sich schleppt (Ausstattung Susanne Wilczek). Der Spaß ist grandios.
Die Grundzüge der Geschichte samt des historischen Hintergrundes werden zumindest in Ansätzen so prägnant und nachdrücklich vermittelt, dass die Schüler sie bestimmt nicht mehr vergessen. Weshalb die Frau Dr. Hasenbein dann ja auch entscheidet, ihr Lehrerpult zu verlassen und mit Sancho Panza davon zu rennen.
Warum Don Quijote und sein Knappe bei all den schmerzhaften Desastern, die sie erleben, immer weiter machen? Weil der Ritter von der eingebildeten Gestalt nicht nur träumt, sondern seinen Traum auch verwirklicht. "Vergesst eure Träume nicht!", lautet denn auch die Botschaft, auch wenn es sich scheinbar um einen Kampf gegen Windmühlen handelt.

Landestheater Coburg "Babo" - Mitmachstück für Menschen von 10 bis 13 Jahren von Luca Pauer und Stephan Mertl.
Inszenierung Luca Pauer, Ausstattung Susanne Wilczek. Darsteller: Luca Pauer und Stephan Mertl. Aufführungsdauer etwa eine Stunde. Terminvereinbarung und Buchung bei Theaterpädagogin Luca Pauer, Telefon 09561/89 89 97 oder per Mail an luca.pauer@landestheater-coburg.de.