Klein, aber fein: die Werkstatt, der Kundenstamm, das Halbmondmesser. Der ambitionierte Handwerker und Lederkünstler Joachim K. Buhl sitzt auf seinem Holzschemel, Nadel und Faden in der Hand, und erzählt von seiner Arbeit, seiner Leidenschaft: Leder in all seinen Facetten: Ob grobes Rindsleder, feinstes Aalleder, ob die ramponierte Designertasche oder das seltene Trommelfell, der Flüstergürtel oder das Innenfutter eines Reisekoffers. Der 54-Jährige repariert und verarbeitet alles mit Hand. Nur eine seiner Nähmaschinen läuft mit Strom.
Schließlich muss Stich für Stich sitzen. Eine große Auswahl an Garnen, Leinen und Leder, die Werkzeuge aus vergangener Zeit und das Vogelgezwitscher aus dem Garten machen die etwa acht Quadratmeter kleine Werkstatt zu einem lebendigen Museum.
Seit 2003 ist Joachim Buhl im Kürengrund selbstständig. Angesichts allgegenwärtiger industrieller Massenproduktion ein mutiger Schritt.
"Was heißt mutig?", sagt Joachim Buhl. 25 Jahre leitete er die Werkstatt des Lederwarenfachgeschäfts Herzog in Coburg bis es schließen musste. Seine prominenteste Auftragsarbeit aus dieser Zeit - eine Dokumentenmappe aus grünem und roten Leder - wurde Königin Silvia und König Carl Gustaf von Schweden anlässlich ihres Coburg-Besuches im Oktober 1982 als Präsent überreicht.
Der Weg in die Selbstständigkeit war der einzige richtige für den Täschner und Feinsattler. "Ich verdiene keine Reichtümer, aber wir kommen über die Runden", sagt er und streicht über die rotbraune Rindsledertasche. "Ich verwende bei meinen eigenen Designerprodukten nur vegetabil gegerbtes Leder. Da werden die Gerbstoffe ganz natürlich aus Eichenrinde gewonnen." Die robuste Tasche ist ein Stück fürs Leben. Die hält ewig - und wenn nicht, gibt's ja den Leder-Doktor im Kürengrund.
Empfindlicher sind da schon Stücke, die aus feinstem Aalleder genäht werden. Joachim Buhl zieht ein Stück unter der dicken Arbeitsplatte hervor und streicht ganz liebevoll darüber. Die Details müssen stimmen: So erklärt er, dass beispielsweise bei einem Flüstergürtel, den er für eine Firma für Jägerbedarf fertigt, die Schnalle mit Leder ummantelt wird, damit beim Öffnen und Schließen im Wald kein Ton zu hören ist.