Der Landkreis Coburg ist beim seit Jahrzehnten geplanten Bau einer Umgehung für Ebersdorf auf der Kreisstraße CO 13 so weit wie noch nie. "Es wird in Kürze einen echten Spatenstich geben", verriet Landrat Michael Busch (SPD) gestern bei einer Sitzung des Kreis-Bauausschusses im Coburger Landratsamt. So erfreulich diese Mitteilung war - Jürgen Alt von der Tiefbauabteilung des Landratsamtes musste sie auch mit einer unschönen Nachricht verbinden: Die Baukosten dürften sich auf mindestens 22 Millionen Euro belaufen. Das sind sechs Millionen Euro mehr als noch vor Jahresfrist die Rede war.
Deshalb hat Alt bei den Planungen für das Großprojekt - finanziell, nicht zeitlich - noch einmal die Bremse getreten. Auf der Suche nach Einsparungsmöglichkeiten ist die Landkreisverwaltung bei der aufwändigen Geh- und Radwegunterführung in der Garnstadter Straße fündig geworden.
Aufgrund enormer (bahn-)technischer Herausforderungen auf der technisch veraltet ausgestatteten Bahnlinie würde die Rampe laut Plan mit fast sechs Millionen Euro zu Buche schlagen. Alt brachte deshalb im Ausschuss als Alternativlösung eine kürzere Rampe mit einem Aufzug am Ende ins Gespräch. Diese würde sich, weil sie nur eine marginale Änderung zu den ursprünglichen Plänen darstellt, locker mit der bereits abgeschlossenen Planfeststellung vereinbaren lassen.


Alles, was möglich ist.

Aber das Landratsamt liebäugelt damit, noch einen Schritt weiterzugehen. Landrat Michael Busch würde es nämlich schon verstehen, wenn die Ebersdorfer den Landkreis "für bekloppt" hielten, wenn dieser in der Garnstadter Straße einen Aufzug bauen würde, während der Bahnhof nur 300 Meter weiter ohne sichere Querungsmöglichkeit bliebe. Wie schwerwiegend eine Verschiebung der Unterführung für die Planfeststellung wäre, wird die Bauabteilung des Landratsamtes nun in Gesprächen mit der Regierung abklopfen. "Leichten Optimismus", so schätzte Jürgen Alt die Lage ein, könne man dabei schon haben. Sollten sich ein Aufzug am Bahnhof und die Planfeststellung für die CO 13 allerdings "beißen", wird der Landkreis nach Angaben des Landrates dann eben nur den Aufzug in der Garnstadter Straße bauen. Eine weitere Verzögerung oder gar die Neuauflage eines Planfeststellungsverfahrens werde es deshalb auf keinen Fall geben. "Wir versuchen alles, was im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens möglich ist", versicherte der Landrat. Zwei bis drei Millionen jedenfalls würde der Verzicht auf eine Rampe für Fußgänger und Radfahrer in der Garnstadter Straße kosten. Auf keinen Fall, was in Ebersdorf immer wieder mal als Hoffnung geäußert wurde, wird der Bahnübergang unweit des Schumacher-Werksgeländes offen bleiben. "Die Schließung ist eine zwingende Forderung der Bahn", betonte Busch. Und die zahlt immerhin ein Drittel der Kosten beim Bau der Ebersdorfer Umgehung.


Vielleicht steigt der Zuschuss

Jürgen Alt informierte zudem, dass die Unterlagen für die Umgehung derzeit beim Bundesverkehrsministerium zur Prüfung vorliegen, bis Ende des Jahres erwartet das Landkreis-Tiefbauamt von dort eine Zusage zur Finanzierung. Dann könnte unmittelbar darauf die Ausschreibung erfolgen. Wie hoch Eigenanteil des Landkreises am 22-Millionen-Projekt am Ende wird, lässt sich noch nicht abschätzen. Dreieinhalb Millionen Euro sind wohl die Obergrenze, wobei Kreiskämmerer Manfred Schilling nicht ausschließen wollte, dass der Landkreis aufgrund seiner schwierigen finanziellen Lage auf einen staatlichen Zuschuss von bis 90 Prozent auf seinen Anteil bauen kann. Wäre dies der Fall, würde die Eigenbeteiligung auf deutlich unter zwei Millionen Euro sinken.


Was auf den Kreisstraßen sonst noch los ist

CO 12: Im Bereich des neuen Großheirather Gewerbegebietes ist der Landkreis beim Rückbau einer gefährlichen Kurve auf sehr stark belastetes teerhaltiges Straßenbaumaterial gestoßen. Der Aushub ist so stark verschmutzt, dass er nicht wieder verbaut, sondern auf einer speziellen Deponie im Vogtland entsorgt werden muss. Mehrkosten deshalb: 15 000 Euro.

CO 20: Erfolgreich sind die Gespräche mit Eigentümern alter Felsenkeller im Bereich der Autenhausener Ortsdurchfahrt verlaufen. "Es schaut so aus, als ob wir dort eine gescheite Straße durchkriegen", berichtete Jürgen Alt von der Tiefbauabteilung des Landratsamtes im Bauauschuss. Ob im kommenden Jahr noch viel gebaut werden kann, ist dennoch fraglich. Um die unvermeidliche Engstelle auf der Ortsdurchfahrt vor kniffligen Begegnungen größerer Fahrzeuge zu bewahren, soll dort - wie sehr erfolgreich in Unterelldorf - eine Ampel mit flexibler Steuerung errichtet werden.