Die Bandbreite der Reaktionen reichte von "Bin total entsetzt!", "Traurige Werbeveranstaltung", "Wie kann ein Direktor das Abitur versprechen?" bis hin zu "Informativ mit Esprit", "Lehrerin mit Berufung" und "Super Vortrag". Die Rede ist von den Reaktionen einiger Coburger Eltern nach dem Besuch der Informationsveranstaltungen an den weiterführenden Schulen.


Schon seit Jahren wird im Februar und März viel über den Übertritt von der Grundschule ans Gymnasium diskutiert. Heuer wandten sich gleich mehrere Mütter an unsere Redaktion, weil sie die Art und Weise, wie die Schulleiter um Schüler buhlen "peinlich" (Originalton) fanden.


Wir griffen das Thema auf und überlegten uns Fragen, die wir allen Schulleitern gleichermaßen stellten, und baten Herbert Brunner (Gymnasium Alexandrinum), Burkhard Spachmann (Casimirianum), Bernd Jakob (Ernestinum), Stefan Adler (Albertinum) und Karlheinz Schoofs (Arnold-Gymnasium
Neustadt) um deren Beantwortung. Eine Gegenüberstellung der Antworten hätte gerade auch den Eltern, die nicht alle Informationsveranstaltungen der Gymnasien besuchen konnten, als Orientierung dienen können.


Fragen landeten beim Ministerium

Doch da hatten wir die Rechnung ohne das System Schule gemacht. Der Fragebogen gelangte ans bayerische Kultusministerium, da wenigstens ein Rektor die Fragen nicht beantworten wollte.


Die Folge: Es wurde Oberstudiendirektor Herbert Brunner als Vermittler zwischen Schulleitern und Redakteurin eingesetzt. Er sollte mitteilen, dass die Schulleiter lediglich eine gemeinsame Stellungnahme abgeben werden - und nicht, wie gewünscht, einzeln antworten werden. Das kam dabei heraus:

Tageblatt:Mit dem G8 spielt die Ausrichtung eines Gymnasiums eine eher untergeordnete Rolle. Warum sollte Ihrer Meinung nach Ihr Gymnasium trotzdem die erste Wahl für ein Kind sein?
Jede Schule macht, in Abhängigkeit von ihren Ausbildungsrichtungen, spezifische fachliche und pädagogische Angebote, über die sich die übertrittswilligen Kinder und ihre Eltern informieren und aus denen sie schließlich mit Blick auf deren Begabungen und Interessen wählen können.

Vereinzelt war von Eltern zu hören, dass in den Informationsveranstaltungen um ihre Kinder regelrecht wie in einem Wahlkampf geworben wird und Versprechungen gemacht werden wie "Wir bringen Ihr Kind sicher durchs Abitur!" Können Sie dies tatsächlich garantieren?
Angesichts der Vielzahl von Faktoren, die die (schulische) Entwicklung eines Kindes beeinflussen können, kann man für niemanden Jahre im Voraus eine geradlinige Schullaufbahn versprechen.

Wie sehen Sie die Konkurrenzsituation der Gymnasien in Coburg und Neustadt untereinander? Welche Rolle spielen dabei sinkende Schülerzahlen?
Dass eine Stadt von der Größe Coburgs über vier staatliche Gymnasien verfügt, ist höchst ungewöhnlich wie historisch bedingt und war schon immer Gegenstand von Diskussionen, worauf auch der Staatsvertrag von 1920 hinweist. Positiv an dieser Vielzahl ist die Tatsache, dass in Coburg alle gymnasialen Ausbildungsrichtungen angeboten werden und es darüber hinaus auch spezielle Angebote wie die gebundene Ganztagesform oder die Einführungsklasse gibt.

Was halten Sie von der Aussage: "Wer sein Kind nicht aufs Gymnasium schickt, verbaut ihm seinen zukünftigen Weg. Auch bei einem Notenschnitt von 2,66 sollte das Gymnasium die erste Wahl sein."?
Dieser These kann nicht zugestimmt werden: Zum einen gibt es innerhalb des gegliederten Schulwesens in Bayern an den verschiedensten Stellen die Möglichkeit, frühere Schullaufbahnentscheidungen zu korrigieren (z.B. Übertritt nach der 5. Jahrgangsstufe der Realschule oder Besuch einer Einführungsklasse), zum anderen haben alle Schularten ihre Berechtigung und führen keineswegs in ein Nichts. Die Bildungsregion Coburg versteht sich auch dahingehend als kohärenter Bildungsraum, als in der Stadt und im Kreis Coburg ein begabungsgerechtes, differenziertes Schulangebot zur Verfügung steht.

Wie schätzen Sie das Bildungsniveau der Realschulabgänger ein, die über die Einführungsklasse zum Abitur kommen wollen?
Die Schüler von Realschule, Wirtschaftsschule und Mittelschule erreichen das Niveau "Mittlerer Bildungsabschluss". Mit diesem Zeugnis und einem pädagogischen Eignungsgutachten können sie in der Bildungsregion Coburg am Casimirianum mit der Einführungsklasse einen bewährten "Spezialkurs für den Übergang ans Gymnasium" belegen. Die im bisherigen Bildungsgang erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten, das "Trainingsjahr" am Casimirianum und die fast durchgängig hohe Motivation sind tragfähige Basis für die zweijährige Qualifikationsphase. Sie führt zur allgemeinen Hochschulreife, die von den Schülern in der Regel erreicht wird.