Beim Blick in die Statistik wird es Uwe Fuchs, dem Leiter der Integrierten Leitstelle, erst noch einmal richtig klar: Das Jahr 2012 war für die Integrierte Leitstelle Coburg (ILS) ein Jahr der großen Ereignisse. Der Katastrophenalarm im Landkreis Lichtenfels nach dem Brand bei der Michelauer Firma Metob und das verheerende Pfingst-Feuer in der Coburger Innenstadt ragen noch heraus aus einem Jahr, dass die 23 hauptamtlichen und 14 nebenamtlichen Mitarbeiter der ILS gewaltig auf Trab hielt.

Doch auch die Masse macht's in der ILS. 107 235 Anrufe gingen im vergangenen Jahr in der Leitstelle am Ebersdorfer Frankenring ein - das sind fast 300 am Tag. Freilich löste nicht jeder dieser Anrufe einen Alarm-Einsatz aus, schließlich werden auch "normale Krankentransporte" oder Patientenverlegungen von Krankenhaus zu Krankenhaus über die Leitstelle abgewickelt.


Nicht zu vergessen: Die Anrufe, die eigentlich gar nicht mehr über den Notruf eingehen sollten. So sind die Bereitschaftsdienste der Ärzte eigentlich seit gut zehn Jahren über eine eigenständige Nummer (inzwischen ist es die 116117) erreichbar, aber immer wieder drücken Menschen bei nicht lebensbedrohlichen gesundheitlichen Problemen den Notruf. "Wir haben im vergangenen Jahr 12.469 Anfragen an den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst erhalten und weitervermittelt", sagt Fuchs bei seinem Rückblick auf das vergangene Jahr. Noch öfters als durch Fälle für Kassenärzte klingeln die ILS-Telefone durch Irrtümer. Gerade Mobiltelefone sind hier ein Problem: Einmal nicht richtig aufgelegt oder die Tastensperre nicht aktiviert - schon setzt das Handy mit der 112 einen Notruf ab. Fast 14.000 Mal war das im vergangenen Jahr der Fall. Eine ganze Menge, die aber Uwe Fuchs und seine Kollegen nicht aus der Ruhe bringt.

Die wichtigsten Partner der ILS sind die Rettungsdienste und die Feuerwehren. 9067 Notfalleinsätze und 11.614 Notarzt-Einsätze wurden 2012 in Zusammenarbeit mit dem BRK und dem ASB abgewickelt, die 330 Feuerwehren aus dem ILS-Gebiet rückten zu 2710 Einsätzen aus. Gerade, wenn es brennt, haben die Disponenten an den Telefonen und Funkgeräten in der Leitstelle jede Menge zu tun.

Ein Einsatz über fünf Tage

Uwe Fuchs erinnert sich noch gut an die "heiße Phase", als im März 2012 allmählich klar wurde, dass der Brand bei Metob in Michelau zu einer Katastrophe ausufern würde. "In den ersten Stunden waren nur für diesen Einsatz bis zu zehn Mitarbeiter abgestellt", erzählt Fuchs. Insgesamt dauerte es fünf Tage, ehe das ILS-Team den Einsatz in Michelau als "abgewickelt" zu den Akten legen konnte.

Apropos "abgewickelt": Die Einsatz-Nachbearbeitung hat bei den heimischen Feuerwehren ganz schön für Verdruss gesorgt. Weil das Programm, das das Bayerischen Innenministerium für seine Statistiken braucht, fehlerhaft und unsicher ist, hielt Manfred Lorenz (Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes) bei der Frühjahrstagung der Coburger Feuerwehrkommandanten eine regelrechte Brandrede. Die verfolgte auch Uwe Fuchs mit.

Von einer etwaigen "Krisenstimmung" zwischen ILS und den Feuerwehren spricht er deshalb aber nicht. "Wir treffen uns regelmäßig und schaffen es meist, Probleme bei Einsätzen schnell zu klären", sagt der ILS-Chef. Und das mit der Einsatz-Nachbearbeitung ist halt auch nicht seine Baustelle, betont Fuchs: "Das läuft über das Ministerium." Darüber hinaus sei das Zusammenspiel mit den Feuerwehren aber mittlerweile auf einem derart hohen Niveau, dass es nach Einschätzung des ILS-Leiters eigentlich nur noch darum geht, "Nuancen zu verbessern".

Beim Blick in die Zukunft sieht Uwe Fuchs über eine vermutlich kaum sinkende Zahl der Einsätze hinaus schon die nächste technisch-organisatorische Herausforderung am Horizont: Die bayernweite Einführung des Digitalfunks für alle Hilfs- und Rettungsdienste. "Wir erhoffen uns viele gute Sachen davon", sagt der ILS-Leiter, der im Mai zur "Kick-off"-Veranstaltung für den Digi-Funk in Oberfranken nach Bayreuth eingeladen ist. Wenn auch zuletzt die unsichere Finanzierung des Projektes ein bisschen für Spekulationen sorgte, geht Uwe Fuchs fest davon aus, dass es für ihn und die ILS beim bekannten Zeitplan bleibt. Das heißt: Der "erweiterte Probebetrieb", bei dem eigentlich schon alle Einsätze mit Digitalfunk abgewickelt werden sollen, soll im Jahr 2015 beginnen.

ILS Coburg - Zahlen und Fakten
Das Gebiet Von Ebersdorf aus werden die Einsätze in den Landkreisen Coburg, Kronach und Lichtenfels abgewickelt. Das Gebiet umfasst 1871 Quadratkilometer mit rund 267.000 Einwohnern.

Ehrenamt Die zwölf Gruppen der "Helfer vor Ort" oder "First Responder" (sie werden vom BRK oder den Feuerwehren unterhalten) rückten im vergangenen Jahr zu 2891 Einsätzen aus.

Es brennt Die Alarmierung zu Brandeinsätzen (1234 im Jahr 2012) ist für die Feuerwehren inzwischen nicht mehr das Haupteinsatzgebiet. Die Technischen Hilfeleistungen (die zum Teil auch vom/mit dem Technischen Hilfswerk abgewickelt wurden) stehen mit 1476 Einsätzen an erster Stelle.