Er sagt von sich selbst, dass er noch wenig Ahnung von Politik hat. Trotzdem ist er von null auf hundert durchgestartet - und zwar für die CSU in den Neustadter Stadtrat. Die Rede ist von Dr. Georg Eckstein, 34 Jahre jung, in Haarbrücken aufgewachsen und derzeit als Arzt bei der Bundeswehr in Ingolstadt beschäftigt. Der glückliche Familienvater - Töchterchen Clara ist eineinhalb Jahre alt - hat klare Vorstellungen von seiner Zukunft: "Ja, es stimmt, ich will nach meiner Bundeswehrzeit 2024 als niedergelassener Arzt in unserem schönen Neustadt arbeiten."

Wir haben uns mit dem politischen "Greenhorn" und ausgebildeten Fitnesstrainer, der sich unter anderem auch als Teamarzt der Coburger Footballer engagiert, über seine Visionen, eine Neustadter "Spenden-Affäre" und Corona unterhalten.

Hallo Herr Eckstein, Sie sind neu im Neustadter Stadtrat. Konnten Sie in Ihrer kurzen Amtszeit schon etwas bewegen?

Georg Eckstein: Ich denke, ehrlicherweise nein. Die gesamtgesellschaftliche Lage hat auch die Kommunalpolitik verändert. Bis auf die konstituierende Stadtratssitzung hat es bisher keine Möglichkeit zur Teilhabe gegeben. Außer Fraktionsarbeit wurde damit substanziell meinerseits noch nichts beigetragen.

Wie kam es überhaupt zu Ihrer Kandidatur für die CSU und haben Sie damit gerechnet, sofort in das Parlament gewählt zu werden?

Die Kandidatur ergab sich nach Gesprächen mit dem Ortsvorsitzenden Dominik Heike. Dieser zeichnete seinen Plan eines Generationenwechsels der CSU für eine langfristige, gesunde und nachhaltige kommunale Parteiperspektive. Er sah mich als einen Teil dessen, und ich konnte mich mit der Idee identifizieren. Ein Einzug in den Stadtrat war für mich als "politische Null" - ein geflügeltes Wort des Großvaters meines besten Freundes - in keiner Weise zu erwarten.

Mit welchen Absichten und Zielen verfolgen Sie dieses Engagement? Um was geht es Ihnen in der Kommunalpolitik von Neustadt?

Ich bin kein Politiker, ich verstehe und weiß viele Dinge noch nicht. Was ich von mir aber sicher weiß, ist, dass ich auch diese Aufgabe mit Rückgrat, Tugend und Ehrenhaftigkeit angehe. Ich möchte meiner Tochter und meinem Spiegelbild immer in die Augen sehen können und darum wissen, dass ich als gewählter Vertreter dieser Bürgerschaft genau mit den Charakterzügen immer zu deren Wohl handle. Worum es mir besonders geht: Ich möchte kommunalpolitische Fragen aus einem anderen Blickwinkel als die politisch vorgeprägten Kollegen betrachten. Das erweitert die Diskussion und den Horizont in Entscheidungsfindungen, hoffe ich. Wenn damit dann auch bessere Ergebnisse für Neustadt erreicht werden, ist mein Ziel erreicht.

Sie hatten angeregt, Teile ihrer Bezüge in Corona-Zeiten zu spenden. Hinterher gab es eine Aussprache mit dem Oberbürgermeister. Um was ging es da genau?

Mit unserem Aufruf zur Spendenaktion wollten die Stadtrats- und Fraktionskollegen Matthias Dietz, Dominik Heike und ich den Bürgern Neustadts verdeutlichen, dass wir als Stadtratsmitglieder willens sind, nicht nur in Wort, sondern auch in der Tat solidarisch zu handeln. Es sollte eine Initialzündung für alle Nachahmungswilligen sein. Die ersten Spenden erfolgten bereits. Unser proaktives Vorgehen war dem geschuldet, dass sich einfach irgendwann nichts mehr bewegte. Die Gründe hierfür sind nicht mehr vollends nachvollziehbar. Das Problem lag hierbei aus meiner Sicht wie so oft in der Kommunikation auf verschiedenen Ebenen. Das darf einem Gremium, das zum Wohl der Stadt gewählt ist, nicht passieren. Neustadt hat nichts davon, wenn noch mehr gute Ideen - egal von welchem Demokraten lanciert - durch solch eine Verhandlungskultur verblühen. Und ja, vor allem diese Kommunikationskultur und das Miteinander für Neustadt war Thema eines Gesprächs mit dem Oberbürgermeister.

Sie sind Arzt und praktizieren für die Bundeswehr in Ingolstadt. Was machen Sie dort genau?

Ich bin aktuell eingesetzt im Sanitätsversorgungszentrum am Standort Ingolstadt, dessen Leitung ich ab Herbst innehaben werde. Am ehesten lässt sich ein Sanitätsversorgungszentrum der Bundeswehr mit einem großen Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) im zivilen Bereich vergleichen. Ich darf noch vier Jahre in Ingolstadt meinen Dienst tun und freue mich auf diese Zeit.

Danach planen Sie Ihre Zukunft in Neustadt. Sie haben zwischen Haarbrücken und Thann ein Haus gebaut. Wie oft pendeln Sie zwischen Neustadt und Ingolstadt?

Aktuell pendle ich wöchentlich. Aufgrund moderner Arbeitszeitmodelle der Bundeswehr lässt sich aber auch die ein oder andere kurze Woche herausarbeiten.

Es heißt, dass Sie sich dann in Neustadt als praktizierender Arzt niederlassen wollen. Ist das richtig und wie sehen die Pläne genau aus?

Richtig. Wir haben eine sehr lebenswerte Heimat und landschaftlich vielfältige Region um uns herum, in der man seine Kinder großwerden lassen kann. Wenn man in dieser schönen Welt ein wenig unterwegs war, weiß man das zu schätzen.

Die Planungen konkretisieren sich. Es soll über die klassische Hausarztpraxis hinausgehen. Ich bin ein großer Fürsprecher von präventiver, selbstwirksamer Medizin. Hierbei wird versucht, durch eine frühestmöglich an die eigenen Ziele und Möglichkeiten angepasste Lebensführung einen Großteil der heutigen Gesellschaftskrankheiten gar nicht erst, oder wenn, dann erst sehr spät und mit wenig Lebensqualitätsverlust im hohen Alter entstehen zu lassen. Wissenschaftlich fundiertes, durch Mediziner vermitteltes, vorbeugendes Gesundheitsverhalten über die ganze Lebensspanne hinweg hat leider in Deutschland noch zu wenig Gewicht im Vergleich zur klassischen "Reaktions-Medizin". Diese setzt meist erst dann an, bzw. kann erst dann ansetzen, wenn eine Erkrankung schon besteht. Hier sollte noch mehr Umdenken erfolgen.

Wenn wir schon derart medizinisch unterwegs sind, können Sie den Neustadtern mit einem abschließenden Statement in Sachen Corona vielleicht etwas Mut machen?

Die Corona-Pandemie ist ein soviel vielschichtigeres Problem auf allen Ebenen des menschlichen Seins. Bio-psycho-sozial, ökonomisch, ökologisch, ethisch, religiös. Unmöglich, das alles zu integrieren. Was man aber sicher weiß, der Mensch hat schon immer geschafft, sich an Widrigkeiten entweder anzupassen oder sie in den Griff zu bekommen. In zehn Jahren erzählt man uns, wie wir es hätten besser und schneller meistern können, aber egal wie, ich bin mir sehr sicher, dass die Menschheit auch diese Episode der Geschichte meistert. Danach wird es anders, aber anders heißt ja nicht schlechter.