"Unsere Choreografie geht komplett auf Angriff", sagt André Heller. Der Trainer des A-Teams der Lateinformation des TV Ketschendorf hat hart geackert: Statt ein fertiges Musikstück zu kaufen, wie es bei der letzten Choreografie "Genesis" der Fall war, erstellte er diesmal - zusammen mit dem Trainer des Bundesligateams TSG Quirinius Neuss (Düsseldorf) - Musik und Choreografie von A bis Z selbst. "Das war eine wahnsinnige Herausforderung", sagt Heller bei der Vorstellung der Lateinformation am Samstagabend in der Ahorner Mehrzweckhalle. "Wir hatten kein fertiges Gerüst wie bei ,Genesis‘, sondern haben alles aufwändig selbst entwickelt und ein eigenes Gesicht gegeben."
 
Ziel: Wiederaufstieg

Die Überraschung beginnt schon beim Einmarsch: "Da setzen wir ein Zeichen, wieder hoch hinaus zu wollen", erklärt er, "indem wir einen Tänzer in die Luft werfen." Innerhalb von zwei Jahren tanzte sich das erst 2010 gegründete Latein-Team des TVK von der Landesliga in die Ober- und schließlich gar in die Regionalliga. "Wir waren die Underdogs", sagt der Trainer.

Nach dem unglücklichen Abstieg in der letzten Saison peilt Heller mit seiner Mannschaft jetzt einen schnellen Wiederaufstieg in die Regionalliga an. Für den Cheftrainer sind die Gründe für den Abstieg klar: "Zwei Teams kamen aus der Bundesliga zurück. Zudem hing alles an einer Wertung, die aber ausschlaggebend war."

Natürlich sei die Mannschaft zuerst frustriert gewesen, habe sich aber schnell wieder gefangen. Das Tanzpaar Désirée Ludloff und Sebastian Daßler bestätigen das: "Wir haben den absoluten Siegerwillen und setzen jetzt alles daran, wieder aufzusteigen."

"Dynamics" heißt die energiegeladene neue Choreografie, die das A-Teams am Samstagabend vor zahlreichen Interessierten präsentiert. Fetzige, schnelle Rhythmen mischen sich mit kurzen, langsamen Teilstücken ab. Am Ende wird das A-Team frenetisch beklatscht.

Doch es gibt noch mehr Neues: Die Formation startet mit einem kompletten Satz handgefertigter Kostüme in knalligem Rot in die Saison. "Die sind von einem Schneider, der im Tanzsport das absolute Nonplusultra ist, und äußerst aufwendig gearbeitet", erläutert der Trainer.

Auch in dieser Saison ist Silke Hoffmann, die auch Bundesliga-Wertungsrichterin ist, als Co-Trainerin dabei. Mit im Team ist Erwin Acs, der Trainer der TSG Quirinius Neuss, dessen Mannschaft in der 1. Bundesliga ebenfalls auf die Musik zu "Dynamics" tanzt. "Er wird abwechselnd hier und dort sein", erklärt Heller, "und uns nach besten Kräften unterstützen."

Nachwuchs kein Problem

War es vor zwei Jahren noch eher schwierig, Nachwuchstänzerinnen und vor allem männliche Tänzer zu finden, hat der TVK damit mittlerweile überhaupt kein Problem mehr. "Nach zwei Turnieren mit zuletzt 1000 Zuschauern und der Mund-zu-Mund-Propaganda hat sich das Problem gelöst", erläutert Heller. Neun Herren und elf Damen trainieren einmal die Woche unter der Leitung von Miriam Engelhardt und Daniela Lehnhardt. Die beiden Trainerinnen kommen aus dem A-Team und sind alte Hasen: Lehnhardt bestritt 52, Engelhardt 45 Turniere. "Wir haben uns sehr spät entschieden, eine zweite Mannschaft zu gründen", erklären die beiden. Im September war es soweit. Seitdem wird intensiv trainiert. "Das ist sehr spät", erklärt Heller, "normalerweise fangen wir im April mit dem Training an." 17 von 20 Tänzern aus dem B-Team sind absolute Neulinge: "Sie haben noch nie ein Turnier bestritten", sagt der Trainer.

Eine Landesliga wird es dieses Jahr nicht geben - es fehlt eine Mannschaft. "Normalerweise fangen neue Formationen ganz unten an. Das ist diesmal nicht der Fall." Infolgedessen tanzt das B-Team in der neuen Saison mit dem A-Team in einer Liga. Der Cheftrainer erklärt: "Das A-Team hat natürlich ein ganz anderes tänzerisches Niveau."

Der TVK ist nicht der einzige Verein mit zwei Teams in der Oberliga Süd: Grüngold München ist ebenfalls mit zwei Formationen vertreten, der TSC Rot-Gold-Casino Nürnberg gar mit drei. "Wir haben die Choreografie des B-Tams stark vereinfacht und auf komplizierte Schritte und Drehungen verzichtet", erläutert Trainerin Engelhardt. "Stattdessen konzentriert sich die Mannschaft auf das, was sie gut kann."

Getanzt wird zur Choreografie und Musik von "Glee". Das ist eine US-amerikanische Musical-Comedy-Serie, die Anfang 2011 auf Super RTL startete. "Darin geht es um jugendliche Außenseiter", informiert die Trainerin, "das passt sehr gut."

Turnierpraxis sammeln

Ihr Kostüm haben die Tänzerinnen und Tänzer von der ersten Mannschaft geerbt. Vielleicht bringt es Glück: Denn mit diesen Kostümen stieg das A-Team in die Oberliga auf. Und was wünscht sich André Heller für seine Nachwuchstänzer? "Ein Sieg über ein, zwei Mannschaften wäre mein Ziel", sagt er. Die 20-jährige Lisa-Marlen Rehlein und ihr Tanzpartner Johannes Schmidt freuen sich auf ihr erstes Turnier,. "Natürlich ist auch eine Portion Aufregung mit dabei", sagen sie, "aber wir werden unser Bestes geben."

Das Auftaktturnier für die Oberliga Süd 3 (Bayern) findet am 1. Februar in Coburg statt, ausgerichtet vom TV Ketschendorf.