Der Anfang für den von Bürgermeister Bernd Höfer (CSU/Landvolk) angekündigten Neuanfang im Gemeinderat ist gemacht: Mit dem am Montagabend im Amt vereidigten neuen Bürgermeister, seinem Stellvertreter Bernd Dreßel von den Freien Wählern (FW) und Gerald Göhring (SPD) als Drittem Bürgermeister sind alle drei Fraktionen mit einem Mann an der Spitze der Gemeinde vertreten. Dafür gab es nach der konstituierenden Gemeinderatssitzung in der Aula der Schule auch dicken Applaus des zahlreich erschienen Publikums.

Dennoch: Ein paar Momente gab es noch, die an die vergangenen sechs zerstrittenen Jahre im Gemeinderat erinnerten. Erhardt Kräußlich (Freie Wähler) - der als ältester Gemeinderat die Ehre hatte, die Sitzung zu eröffnen und den neuen Bürgermeister zu vereidigen - räumte in seiner Eröffnungsansprache ein: "Eine konstruktiver und fairer Umgang miteinander war nicht immer der
Fall." Deshalb sah Bernd Höfer das Ergebnis der Kommunalwahl auch als "Weckruf". Wenn der Gemeinderat in Zukunft wieder Menschlichkeit und Sachlichkeit in den Punkt stelle, habe er die Chance auf einen "echten Neuanfang".

Zwei für den Zweiten

Wenig überraschend gab es bei der konstituierenden Sitzung gleich die erste Bewährungsprobe für die neuen Umgangsformen - schließlich bewarben sich zwei Kandidaten für das wichtige Amt des Zweiten Bürgermeisters. Matthias Korn (CSU/Landvolk) schlug dabei Bernd Dreßel vor, verbunden mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass man es in Meeder heuer auf jeden Fall anders machen wolle als manch andere Kommune im Landkreis. Das heißt: Jede Fraktion soll einen Bürgermeister-Stellvertreter bekommen.

Johannes Mönch (SPD) sprach sich dagegen für Gerald Göhring aus. Schließlich sei die SPD nach der Kommunalwahl klar die zweistärkste Fraktion im Gemeinderat - da stehe ihr auch der erste Stellvertreter-Posten für den Bürgermeister zu. Mönch verhehlte aber nicht, dass Bernd Höfer als Bürgermeister ein "emotional belastetes Verhältnis" mit Teilen der SPD-Fraktion haben dürfte. Gerald Göhring sei aber ein Mann, bei dem das nicht der Fall sei.

Der Ex-Bürgermeister Brunner fehlte

Bei der Auszählung der Stimmzettel aus der über 100 Jahre alten Wahlurne gab es ein klares Ergebnis: Bernd Dreßel elf Stimmen, Gerald Göhring vier, Manfred Brückner (CSU) eine Stimme. Dies entsprach auch den Kräfteverhältnissen der Gemeinderatssitzung, bei der Ex-Bürgermeister Josef Brunner (SPD) aus wichtigen privaten Gründen fehlte.

So blieb für Gerald Göhring "nur" eine erneute Kandidatur - die für das Amt des Dritten Bürgermeister. Der offizielle Antrag, den SPD-Gemeinderat mit diesem Amt zu betrauen, kam vom CSU/Landvolk-Sprecher Matthias Korn. Fast der gesamte Gemeinderat folgte diesem Vorschlag mit überwältigender Mehrheit, da auf den 16 abgegeben Stimmzetteln 15-mal der Name Göhring angekreuzt war. Nur der FW-Youngster Philipp Welsch bekam eine weitere Stimme. Gerald Göhring nahm das Ergebnis sichtlich zufrieden zur Kenntnis und versicherte: "Wir brauchen eine gute und fruchtbare Zusammenarbeit. Ich werde meinen Teil dafür tun."

Gemischte Gefühle herrschten nach den Abstimmungen in der SPD-Fraktion. Dagmar Escher war alles andere als zufrieden, weil ihrer Ansicht nach der SPD als zweitstärkster Fraktion unbedingt auch der stellvertretende Bürgermeister zugestanden hätte. Johannes Mönch gab sich da pragmatischer: "Das Ergebnis hat mich nicht überrascht. Grundsätzlich aber waren das Ambiente und die Stimmung bei dieser Sitzung positiv."

Im Anschluss an die Sitzung, zu der unter anderem alle Meederer Vereine eingeladen waren, lud Schulleiterin Gabriele Heller zu einer Führung durch das Schulgebäude ein. Danach riet Bürgermeister Bernd Höfer den Gemeinderäten und Bürgern, beim Stehempfang noch ein bisschen die Gelegenheit zum Small-Talk zu nutzen: "Das kann uns gemeinsam nur gut tun."