Es waren identische Briefe, die vor einigen Wochen alle Einberger Familien mit dem Nachnamen Scheler in ihren Briefkästen fanden. Der Grund für diese Schreiben lag genau genommen weit über 100 Jahre zurück. Es waren Zeilen einer Amerikanerin, deren Vorfahren im 19. Jahrhundert Deutschland den Rücken gekehrt hatten, um in den USA ihr Glück zu suchen. Diese Vorfahren sollen aus Einberg gekommen sein. Ihr Name war Scheler.
Unter den Empfängern des Briefes, in dem Nadine Parker um Hilfe bei der Suche nach ihren Einberger Wurzeln bat, waren auch Kerstin Scheler, ihre Tochter Franziska und ihr Sohn Philipp. Sie fanden schnell heraus, das zwischen ihnen und der gesuchten Familie Scheler keine Verbindung bestand. Denn ihre Familie Scheler stammt aus Rottenbach. Allerdings erfuhr auf diese Weise ihr Vater, Peter Wolf, von dem Brief und der Suche der Amerikanerin.
Für ihn als alten Einberger stand sofort fest: "Wer sollte da etwas herausfinden können, wenn nicht ich?" Die Forschung begann. Das Thema interessierte ihn sofort.


Viele sind auf der Suche

Heute suchen amerikanische Familien nicht selten nach ihren deutschen Wurzeln. Nadine Parker ist in New Hampshire zu Hause. Beim Vortrag eines Mormonen erfuhr sie von Möglichkeiten für die Suche nach der eigenen Herkunft. Sie nutzte dieses Angebot und fand so heraus, dass ihr Vorfahre Peter Scheler aus Einberg gestammt haben soll. So kam sie auf die Idee, alle Einberger Schelers anzuschreiben. Eine Freundin, die aus Deutschland stammt, half ihr dabei, das Schreiben zu formulieren, das schließlich die Grundlage für Peter Wolfs Suche nach den "richtigen" Schelers bildete.

Der erste Griff ging zur Chronik "800 Jahre Einberg", die ein Verwandter, Paul Wolf, geschrieben hat. "In der Chronik sind mehrere Familien Scheler zu finden, jedoch gab es bei keiner einen Anhaltspunkt, der auf eine Auswanderung in die USA hinwies", musste Peter Wolf feststellen. Doch so leicht ließ er sich nicht entmutigen. "Großes Glück war es, dass Frau Parker das Geburtsjahr von Peter Scheler in der Aufstellung der Mormonen finden konnte", stellt er fest. Unter dem 24. Dezember 1867 fand er schnell den richtigen Eintrag. Es stellte sich allerdings heraus, dass Peter Scheler ein Mönchrödener war. "Der Eintrag in Einberg ist darauf zurückzuführen, dass Mönchröden bis 1912 zur Kirchengemeinde Einberg gehörte", erklärt Wolf.


Eintragungen in den Kirchenbüchern bringen Gewissheit

Und wieder hatte er Glück. Zu der gesuchten Familie in Mönchröden gehört Manfred Scheler, der früher als Professor in Berlin tätig war. Er hatte bereits in den 70er-Jahren den Stammbaum der Familie gründlich erforscht und niedergeschrieben. So fand Peter Wolf heraus, dass Heike Grosch und Ilona Höllein die beiden letzten Nachkommen aus der gesuchten Scheler-Familie sind. Ilona Höllein besitzt diesen Stammbaum. Ein Vergleich mit den Eintragungen in den Kirchenbüchern brachte Gewissheit. Alles stimmte überein. Die Eltern des gesuchten Peter Scheler waren der Bauer Johannes Scheler aus Mönchröden und Henriette Christiane Scheler, geborene Schwesinger, aus Fornbach.


Ausgewanderte gestrichen?

Die richtige Familie war gefunden. Dabei stieß Peter Wolf auf ein Kuriosum. "Das damalige Pfarramt hat Peter Scheler als sechstes Kind in das Kirchenbuch eingetragen, im Stammbaum sind aber nur drei Kinder vorhanden. Es scheint fast, als ob die ausgewanderten Kinder aus der Familie einfach gestrichen worden sind", sagt Wolf.
Nadine Parker erhielt mit Wolfs Hilfe die ersehnten Hinweise auf ihre Wurzeln in Deutschland und auf die Nachkommen der damaligen Auswanderer. Nun wollte sie unbedingt selbst sehen, wo einst Peter Scheler gelebt hat. Sie kam nach Deutschland. Zusammen mit Peter Wolf fuhren die Besucher aus Amerika nach Fornbach und nach Haarbrücken, wo Peter Schelers Paten gelebt haben. Die Veste Coburg wurde besucht. Natürlich waren die Besucher auch zu Gast bei der Familie Fischer, die heute den einstigen Schelers-Hof besitzt und liebevoll hergerichtet hat.

Zusammen mit Ilona Höllein wurden alte Fotos hervorgekramt und viel über die verwandtschaftlichen Verbindungen diskutiert.

Besonders berührte die Amerikanerin der Taufstein in der Einberger Kirche. Er steht dort seit mehr als 400 Jahren. Peter Scheler, ihr Vorfahr, der nach Amerika ging, war einst hier getauft worden.
Peter Wolf steht noch immer die Freude ins Gesicht geschrieben, wenn er von diesem Erfolg bei der Ahnensuche berichtet. Die Amerikaner jedenfalls reisten mit einer Fülle von Eindrücken und Erinnerungen in ihre Heimat zurück. Vor allem aber haben sie ein ganz neues Bild von ihren Wurzeln erhalten, die im Coburger Land verankert sind.