Der Hammer saust nieder, und dem Löwen klappt der Unterkiefer herunter: Alle Viertelstunde schlägt der "Tod auf dem Löwen" die Glocke an, die sich unter der Mähne des Holztiers verbirgt.


Die Holzfigur aus Lindenholz eröffnet den zweiten großen Abschnitt der Landesausstellung "Ritter, Bauern, Lutheraner" auf der Veste. Es geht in diesem Abschnitt um das geistige Leben - und um den Tod. Der dürfte für die Menschen das ausgehenden Mittelalters allgegenwärtig gewesen sein: Hohe Kindersterblichkeit, Hunger, keine nennenswerte medizinische Versorgung. Das Durchschnittsalter lag bei etwas über 30 Jahren.


Der Tod auf dem Löwen stammt aus Heilsbronn. Laut den Rechnungsbüchern des Zisterzienserklosters Heilsbronn wurde 1513 unter Abt Sebald Bamberger im Mönchschor der Kirche eine Uhr mit dieser Figur errichtet; die Schreinerarbeit kostete 57 Gulden und die Skulptur von Löwe und Tod sieben Gulden.


Wem die Stunde schlägt


Wie der Mechanismus genau funktionierte, ob der Tod erst die Stunde schlug und der Löwe dann erst das Maul aufriss, lässt sich nicht mehr ergründen. Die Original-Figur (beziehungsweise das, was davon übrig ist) steht heute im Bayerischen Nationalmuseum. Für einen Transport nach Coburg wäre sie zu empfindlich gewesen, und der Schlagmechanismus funktioniert auch schon lange nicht mehr.


Deshalb ließ das Haus der Bayerischen Geschichte die Figur rekonstruieren. Thomas Hildenbrand schnitzte die Figur nach, Frank Trommer schmiedete die erforderlichen mechanischen Teile. Der Freundeskreises des Hauses der Bayerischen Geschichte unterstützte das Projekt finanziell.


Der "Tod von Heilsbronn" reiht sich laut Ausstellungskatalog in eine große Gruppe von zeitgenössischen Automatenfiguren ein, so an der Uhr in der Münchner Frauenkirche von etwa 1500 oder beim Männleinlaufen an der Nürnberger Frauenkirche von 1509. "Immer wieder finden sich an Großuhren dieser Zeit aufklappende Münder, herausfahrende Zungen und aktivierte Gerippe. Überhaupt verkörpern mumifizierte Skelette in der Kunst seit dem 15. Jahrhundert den Tod und sind im frühen 16. Jahrhundert allgegenwärtige Mahner an die Vergänglichkeit allen Seins."


Der Tod konnte jederzeit zuschlagen: Das versinnbildlichen zahlreiche Darstellungen aus jener Zeit, seien es Grafiken wie "Ritter, Tod und Teufel" von Albrecht Dürer oder das Büchlein vom "Totentanz" von Hans Schobser. Beide Werke sind in der Landesausstellung zu sehen, beide Werke gehören zum Bestand der Kunstsammlungen der Veste Coburg. Auf die zahlreichen Stücke aus der Coburger Sammlung habe er ganz bewusst zurückgegriffen, sagt Ausstellungs-Kurator Peter Wolf: Das Coburger Schätzkästlein müsse glänzen können.


Letzter Glanz des Rittertums


Gleichzeitig präsentiert Wolf an dieser Stelle die großen Gegensätze der Zeit um 1500: tiefe Lebensangst, einen letzten späten Glanz des Rittertums - und die Wirkung neuer Ideen auf die Gesellschaft. Denn Humanismus und die Aufklärung brachen sich Bahn; Martin Luther nahm erheblichen Einfluss auf die Diskussionen dieser Zeit, indem er schrieb und publizierte, was das Zeug hielt.


Schriften als Lebensversicherung für die Reformation


Luther "schrieb um sein Leben", sagt Wolf - denn je weiter sich seine Schriften verbreiteten, desto weniger würde es etwas nützen, Luther als Ketzer umzubringen: Seine Ideen waren in der Welt, wurden diskutiert, fanden Anhänger. sb