• Ehepaar aus Oberfranken traf Weltfußballer Maradona
  • Urlaubsfotos von 1988 aus Meran

Seit Mittwochabend (25. November 2020) liegt bei den Boseckers in Meilschnitz das rote Urlaubsalbum auf dem Küchentisch. Gudrun hat es rausgeholt. Es stammt von 1988. Aufgeschlagen sind die Seiten mit Diego Armando Maradona. "Ja, das war damals wirklich ein großer Zufall. Wir hatten das Glück ihn tatsächlich zu treffen", erzählt Werner Bosecker. "Du hast ihn am Anfang ja gar nicht erkannt", sagt seine Frau und schmunzelt heute noch ein wenig.

Es passierte bei einem Abendspaziergang rund ums Hotel in Meran. Das Meilschnitzer Ehepaar - Werner war 39, Gudrun 32 - schlenderte der untergehenden Abendsonne Norditaliens entgegen, als Gudrun das Fußballgenie mitten an einer kleinen Straße auf dem Bordstein sitzend erkannte. "Das ist doch Maradona", flüsterte sie ihrem fußballaffinen Lebensgefährten zu. Bosecker - einer der besten Kicker, die es beim SV Meilschnitz jemals gab - nickte nach kurzem prüfenden Blick. Tatsächlich: Dort sitzt mitten in der Pampa der beste Fußballer der Welt. Er was es!

"Das ist doch Maradona": Ehepaar trifft Weltfußballer beim Spazierengehen

Seine Frau redet ein wenig italienisch und ging sofort in die Offensive. Sie sprach Maradona an und der reagierte überaus freundlich. Der kleine und auf dem Platz doch so große Argentinier zeigte auf sein Kind und seine blonde Freundin, die am Wegrand saß und ein paar Monate später seine Frau wurde. Die Boseckers sind heute noch froh, dass sie in dieser handylosen Zeit ihren Fotoapart parat hatten. Maradona posierte ohne zu Zögern sofort für ein paar Schnappschüsse.

"Er war wirklich nett. Und wir hatten Glück, dass gerade in diesem Moment keiner seiner vielen privaten Leibwächter dabei war", erinnert sich der Meilschnitzer. Denn der Starspieler des SSC Neapel wurde während seines Kuraufenthaltes ("Er war zum Abspecken nach Meran gekommen", weiß Werner Bosecker) rund um die Uhr eigentlich bewacht. Nur für kurze Zeit hatte Maradona auf Polizisten und Bodyguards verzichtet. Exakt da tauchte das Ehepaar aus dem Neustadter Stadtteil auf.

Weniger Glück hatten danach die vielen Angestellten und Gäste, die diese "unheimliche Begegnung", von der Gudrun Bosecker bei ihrer Rückkehr im Hotel sofort erzählte, gar nicht glauben konnten. Eine Frau kaufte sogar Blumen und machte sich die nächsten Tagen regelmäßig auf den Weg, um ihr Idol aufzustöbern und den Strauß zu überreichen. Doch Fehlanzeige. Diego Maradona wurde nicht mehr gesichtet. Dafür zierten kurze Zeit später zwei Bilder des großen Fußballers den Eingangsbereich vor der Rezeption. Eines mit dem damaligen AH-Spieler des SV Meilschnitz und eines mit dessen Frau. Was für eine verrückte Urlaubsgeschichte, die nach dem Tod des Fußballgenies am Mittwoch in Meilschnitz noch einmal auflebte. Das Fotoalbum der Boseckers verschwindet demnächst wieder im Schrank - die Erinnerungen an Diego Armando Maradona bleiben.

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