Die Spielzeugindustrie ist trotz manchem strukturellen Problem immer noch eine wichtige Branche für das Coburger Land. "20 Firmen aus der Region", berichtete Landrat Michael Busch (SPD) nach zwei Tagen Spielwarenmesse in Nürnberg, "haben wir an ihrem Ständen besucht". Der Tenor der Gespräche, die Busch gemeinsam mit Landkreis-Wirtschaftsförderer Martin Schmidt, bei der Messe führte: Die heimischen Betriebe der Spielwarenbranche blicken optimistisch in die Zukunft.

Michael Busch, der ja auch Vorsitzender des Vereins "Deutsche Spielzeugstraße" ist, will deshalb auch die Bedeutung dieser für das Coburger Land traditionsreichen Branche mehr in den Vordergrund rücken. "Dafür braucht es Leuchttürme", sagt Busch da immer gerne und traf eben jede Leitbetriebe auch in Nürnberg. "Piko" ist neben der Bad Rodacher Haba-Firmenfamilie eine dieser Firmen, "die wir brauchen, sie uns aber nicht", weiß der Landrat.
Deshalb nahm er in Nürnberg mit Freude die Aussage von "Piko"-Chef René Wilfer auf, dass dieser sich durchaus vorstellen könne, künftig als Leitunternehmen bei der Spielzeugstraße mit von der Partie zu sein. Zuletzt, da war nämlich das Verhältnis zwischen dem Spielzeugstraßen-Verein und dem erfolgreichen Modellbahn-Hersteller ein bisschen unterkühlt.

Nicht nur für Global Player

"Piko" und seine 170 Mitarbeiter starke Fabrikation in Sonneberg mit in touristische Spielzeug-Angebote zu nehmen, ist für Michael Busch auf jeden Fall Pflicht. Für heuer ist die Spielzeugstraße da ein bisschen zu spät dran, denn die Vorbereitungen für den alle zwei Jahre stattfindenden "Tag der offenen Tür" bei "Piko" sind schon durch. "Wir haben schon im September mit der Werbung begonnen", berichtete Wilfer, der ja im Stadtgebiet Neustadt wohnt. In der Modellbahn.-Branche ist der erfolgreiche Unternehmer mit den exzentrischen Brillen fast so etwas wie ein Popstar - bis zu 10 000 Besucher, sagt man in Fachkreisen, sollen alleine zum "Tag der offenen Tür" bei "Piko" kommen. Ohnehin freut sich Wilfer über seine deutschen Fans, weil die ihm nämlich im Inlandsgeschäft ein Umsatzplus von sechs Prozent beschert haben. Wechselhaft ist dagegen der Auslandsmarkt, wo zum Beispiel bei den Russen der Rubel eben nicht mehr so locker sitzt wie vor ein paar Jahren.

Die Internationale Spielwarenmesse ist aber nicht nur ein Fall für die "Global Player". Die Ahorner Firma Weichelt - die alteingesessene Coburger eher mit Markisen in Verbindung bringen - ist zum Beispiel auch schon viele Jahre in Nürnberg dabei. Natürlich nicht mit Markisen, sondern mit "Design-Sportmöbeln", wie Geschäftsführer Michael Weichelt erzählt. Denn die sind schon lange der Umsatzkönig bei Weichelt, das in Ahorn 42 Mitarbeiter hat. Wenn der Firmenchef von der Bedeutung der Spielwarenmesse in Nürnberg spricht, liegt er auf einer Wellenlänge mit nahezu allen anderen Unternehmen aus dem Coburger Land: "Nürnberg ist keine Messe, bei der unsere Kunden große Bestellungen ordern." Bei der Spielwarenmesse, da gehe es um Gespräche, um das Dabei-Sein, um zeigen, was man hat. Und manchmal, wie am Mittwoch bei Weichelt, um neue Kontakte. Diesmal waren es Händler aus Dubai, die Interesse an den weichen Matten, Hockern und Spiel-Bausteinen des Ahorner Unternehmens hatten. "Da müsste man halt mal einen Volltreffer landen", sagte Weichelt mit einem Schmunzeln.

Auf das Messe-Feedback von seinen bisherigen Partnern setzt auch Holger Durst, der Geschäftsführer von "Eduplay", das (überwiegend mit Importware, zum Teil aber selbst entwickelt) die Ausstatter von Kindergärten und Schulen beliefert. Aber ein paar hoffnungsvolle Kontakte mit potenziellen Abnehmern der pädagogischen "Eduplay"-Spielsachen hatte Durst auch schon. Dennoch heißt es für den Geschäftsführer jetzt: Erst einmal abwarten! "Ob von den vielen Neukundenkontakten, die hier auf der Messe entstehen, etwas herauskommt, das sieht man in frühestens einem Jahr."

Mit seinem Fabrikverkauf in Lautertal ist "Eduplay" einer der wenigen Aussteller aus dem Coburger Land, die auch für den Endverbraucher interessant sind. Seine sonstigen Abnehmer, insbesondere die großen Kindergarten-Ausstatter, machen Durst deshalb keinen Ärger, versichert er: "Zum Werksverkauf kommen fast ausschließlich Menschen aus der Region - das stört unsere Kunden nicht."

Kreatives Coburger Land

Viele Sorgen und Probleme der Coburger Unternehmen musste Martin Schmitz also von den zwei Tagen in Nürnberg nicht mit nach Hause nehmen. Der Wirtschaftsförderer jedenfalls stellt der Branche ein gutes Frühjahrszeugnis 2015 aus: "Mir gefällt, dass unsere Betriebe immer wieder mit kreativen Lösungen überraschen." Damit bleibe die Spielwarenbranche weiter ein wichtiger Faktor - für das Coburger Land, aber auch sogar für ganz Oberfranken.


Kurz & bündig: weitere Coburger Unternehmen auf der Spielwarenmesse


Caco - Canzler: Der Biegepuppen-Hersteller aus Neustadt ist einer der wenigen Aussteller, die seit der ersten Spielwarenmesse dabei sind. Dass zuletzt ein paar wichtige Kunden abgesagt haben und stattdessen offensichtlich zur konkurrierenden "Christmas World" nach Frankfurt fahren, hat Iris Berndt schon "sehr weh getan". Dennoch blickt der Nischenhersteller von Kleinpuppen optimistisch in Zukunft und will noch in diesem Jahr seine Vermarktung insbesondere über das Internet ausbauen.

Müller Festartikel: Der Kinostart der erotischen "50 Shades auf Grey" beschäftigt auch das Neustadter Traditionsunternehmen. "Bei Faschingsartikeln müssen wir immer darauf reagieren, was im Kino und Fernsehen läuft", erklärt Firmenchefin Susanne Müller. Was sie sich - trotz guter Zahlen, insbesondere durch die immer wichtigeren Internet-Shops - aus wirtschaftlicher Sicht wünschen würde, ist für Müller keine Frage: "Einen Schlager wie den Ententanz oder die Schlümpfe, die zu Faschingsrennern werden."

Heunec Plüschspielwaren: Für Heinz Drahnsfeld steht heuer ein Thema im Mittelpunkt: Die Comic-Kultfigur Snoopy wird 65 Jahre alt. Da gibt es natürlich von Neustadter Unternehmen auch jede Menge Figuren - gegen entsprechend satte Lizenzgebühren, versteht sich. Ansonsten blickt der Heunec-Geschäftsführer ein bisschen sorgenvoll auf den Finanzmarkt: "Die Abkopplung des Franken vom Euro könnte dramatische Folgen haben." Da ist es gut,. Dass Heunec im vergangenen Jahr im deutschen Markt stark zulegte: plus acht Prozent.

Howa: Nach einer Erweiterung auf dem Neustadter Betriebsgelände blickt der Hersteller von Holz-Spielküchen und Werkbänken optimistisch in die Zukunft. Das Howa-Team wurde heuer von der Nürnberger Messeleitung ausgezeichnet - für die 25. Teilnahme an der Internationalen Spielwarenmesse. Auch "Howa" wird sich künftig mehr um die Vermarktung im Internet kümmern - "der klassische Handel vor Ort ist ja quasi tot", sagt Geschäftsführerin Silke Hausdörfer.