In Schwarz-Weiß prangt der kleine Igel auf dem Poster des Deutschen Tierschutzbundes, der treue Blick und die feuchte Stupsnase erwecken Mitleid. "Heute ein Schälchen warme Milch, morgen verhungert" steht darüber in weißer Schrift. Der Satz soll den Leser für Gefahren für Igel sensibilisieren. Die Rede ist aber nicht von seinen natürlichen Feinden, wie zum Beispiel einem Marder oder einem Dachs, sondern vom Menschen, der durch seine Eingriffe in die Natur zur größten Gefahr für das Stacheltier wird.
Immer wieder erlebt dies auch Siegrid Ott-Beterke, Vorsitzende des Coburger Tier- und Naturschutzvereins: "Die Leute wollen helfen, aber oftmals schadet das den Tieren." Viele tierliebe Personen brächten Igel zum Tierheim, obwohl dies keine Igel-Auffangstation sei. "Die meisten denken, die Kleinen seien untergewichtig.
Jedoch werden Igelbabies überwiegend im August und September geboren." Insofern sei es vollkommen normal, wenn Igel Ende September erst zirka 200 bis 250 Gramm wiegen, versichert auch Tierarzt Joachim Lessing.


Vorbereitung auf den Winterschlaf

Sechs Wochen nach der Geburt begeben sich die Tiere das erste Mal heraus aus Mamas Obhut und machen es sich zur Aufgabe, genügend Futter für den anstehenden Winterschlaf zu finden. Obwohl die Tiere nachtaktiv sind, könne es durchaus vorkommen, dass sie auch tagsüber nach Futter suchen, erklärt die Vorsitzende. Wenn die Außentemperatur dauerhaft unter sechs Grad sinkt, begännen die Tiere ihren Winterschlaf. Das Idealgewicht liege dann bei 600 Gramm. "Aber es gibt auch Igel mit nur 300 Gramm, die den Winterschlaf überstehen", betont Joachim Lessing.


Verbot der Igelaufnahme

Was also tun, wenn man einen Igel im Garten findet? "Generell ist es verboten, Igel aufzunehmen, wenn diese nicht verwaist, verletzt oder krank sind", sagt Siegrid Ott-Beterke mit Nachdruck. Es helfe den Tieren meist mehr, sie durchzufüttern, zum Beispiel mit Katzenfutter mit Haferflocken, Rührei und Wasser. Milch vertragen die Igel keine. "Wer eine Futterstation extra für die Igel bauen will, kann ein Loch in einen Pappkarton schneiden, damit auch wirklich nur die Igel hindurch passen", rät der Doktor.


Nicht im Haus überwintern

Tiere, die Parasiten oder Würmer haben, könne man natürlich zum Tierarzt bringen oder bei Ersterem mit einem Flohkamm selbst nachhelfen, schlägt Siegrid Ott-Beterke vor. "Wichtig ist dann aber, dass man sie danach wieder in der alten Umgebung absetzt. Ist es dort, zum Beispiel an einer Straße, zu gefährlich, sollte man einen naturbelassenen Ort finden, wo sich die Kleinen einen passenden Schlafplatz suchen können." Hauptsache, man überwintere sie nicht selbst im Haus, betont Joachim Lessing noch einmal.
"Denn ein nach der Überwinterungszeit wieder ausgesetztes Tier muss sich erst wieder an die natürlichen Lebensumstände gewöhnen, was oftmals Schwierigkeiten bereitet", erläutert der Deutsche Tierschutzbund in einer Broschüre zum Thema "Igelschutz". Dem Tierheim ist es daher ein Anliegen, die Leute aufzuklären, bevor sie das Tier einpacken. Auch wenn das süße Igelgesicht also Mitleid erweckt, ist es oftmals besser, es der Futtersuche und dem Winterschlaf in der Natur zu überlassen.