Eine Hochschule wird zum Schlaraffenland für karrierehungrige Studenten: Von der Decke hängen die Jobangebote, Personalleiter großer regionaler Firmen stehen in Reih und Glied, verschenken Feuerzeuge, Kugelschreiber und Schreibblocks, werben um die besten Ingenieure, Maschinenbauer, IT-Manager. Bei der Campus-Messe an der Hochschule Coburg ist das tatsächlich so.

Einmal im Jahr organisieren die Hochschule und die IHK Coburg dieses besondere Angebot. Wie Professor Jürgen Krahl betont, hat sich die Hochschule nicht nur der blanken Lehre verschrieben, sondern nimmt ihren gesamtgesellschaftlichen Bildungsauftrag ernst. Und dazu gehöre nun mal der Kontakt zu den Unternehmen. Der Vizepräsident forderte diese in seiner Eröffnungsrede auf, konkrete Vorstellungen und Anforderungen an die Studierenden zu formulieren.


Qualifizierte Fachkräfte gesucht

75 Unternehmen präsentierten sich am Donnerstag auf dem Campusgelände. Ulrich Eberhardt, Vizepräsident der IHK, stellte den starken Wirtschaftsraum Coburg heraus, der dringend qualifizierte Fachkräfte brauche - auch, um den Wettbewerb mit anderen Regionen aufzunehmen. "Gerade Studierende und Absolventen der Studiengänge Maschinenbau, Elektrotechnik und Betriebswirtschaftslehre, also der Bereiche, in denen die Hochschule Coburg ihre besonderen Stärken hat, werden von Vorständen, Unternehmern und Geschäftsleuten dringend gesucht", sagte Eberhardt.

Davon konnten sich die Studierenden dann auch gleich überzeugen. Jürgen Dück, Maschinenbaustudent im dritten Semester, war auf der Suche nach einem Praktikumsplatz und stand bei der Firma Brose in der Warteschlange. Am Stand wurde bereits international verhandelt, junge Chinesen und Inder diskutierten eifrig.
Fünf Minuten später grinst Jürgen Dück: "Ich habe die nötigen Unterlagen und die Zeitschiene, wann ich mich bewerben muss." Der junge Erlanger würde am Ende seines Studiums gerne in Coburg bleiben, vorausgesetzt natürlich, es gebe hier auch einen guten Job.

Am Stand des Automobilzulieferers Preh aus Bad Neustadt gibt es diese Angebote ebenfalls: Ingenieure, IT-Manager, Hard- und Softwareexperten werden dringend gesucht. Vera Steinmüller von der Personalabteilung hofft auf viele Gespräche und kann den Interessierten auch die Zusammenarbeit bei ihrer Abschlussarbeit anbieten.
Am Stand der Firma Wöhner aus Rödental steht der Leiter des Prüflabors selbst. Andreas Hetenyi sucht Maschinenbauer, Elektrotechniker und Absolventen der Physikalischen Technik. "Wir haben Praktikumsstellen, helfen bei Bachelor-Arbeiten und bieten auch die Übernahme an. Wir suchen dringend guten Nachwuchs, denn unsere Firma ist weiterhin auf Expansionskurs", macht der Diplom-Ingenieur deutlich.

Soziale Arbeit? Fehlanzeige!

Für Miriam Weber und ihre Kommilitoninnen ist das eher ernüchternd. Denn die Studentinnen der "Sozialen Arbeit" werden bei der Campus-Messe nicht fündig - obwohl auf dem Ankündigungsflyer "Für Studierende aller Falkutäten" stand. "Nein, für Euch haben wir nichts, hieß es. Wir könnten uns ja ein Bonbon nehmen", erzählt die 22-Jährige doch leicht frustriert. Sie gehen weiter. Einmal rechts rum, dort können kostenlos Bewerbungsfotos gemacht werden. Warum nicht?

Achim Oettinger, Leiter Career Service an der Hochschule, kann die jungen Frauen gut verstehen. "Diese Messe ist eher nichts für sie. Die haben ihre eigene Veranstaltung", sagt er und erläutert, dass die Arbeitgeber aus den sozialen Bereichen oft gar nicht die Messegebühren zahlen könnten. Dabei bieten die Vorträge im Audimax für alle interessante Informationen. Die Themen: "Wie bewerbe ich mich richtig?", "Mein erster Arbeitsvertrag", "Psychologische Testverfahren in der Personalauswahl".