Der letzte Samstag im August, es sind noch genau 30 Tage bis zur Bundestagswahl am Sonntag, 26. September. Corona bedingt ist der Wahlkampf vor sich hingedümpelt, größere Veranstaltungen hat es nicht gegeben.

Deshalb vertrauen die Wahlkämpfer- und -innen um die Mandate des Stimmkreises 238 (Coburg, Landkreis Coburg, Landkreis Kronach, vom Landkreis Hof die Gemeinde Geroldsgrün) auf die Wirkung des persönlichen Gesprächs. Am vergangenen Samstagvormittag haben sich zu den Verkaufsständen des Wochenmarktes in der Coburger Innenstadt noch die Zelte der Parteien gesellt. Die Standorte am Marktplatz und in der Spitalgasse sind den politischen Gruppierungen zugelost worden. Damit Chancengleichheit herrscht, zieht die Politkarawane jeden Samstag um. Niemand soll sich beschweren können.

Zwischen zwischen FDP und CSU

Jonas Geissler von der CSU ist am Samstag an der Ecke Marktplatz/Rosengasse zu finden. Um sich geschart hat er Parteifreunde und Amtsinhaber, darunter Landrat Sebastian Straubel und den Landtagsabgeordneten Martin Mittag. In Sichtweite zieht die FDP mit ihrer Parteifarbe Gelb die Blicke auf sich.

An der Einmündung der Steingasse in den Marktplatz stehen die Liberalen. Im Lauf des Vormittags führt der Weg von Spitzenkandidat Jens-Uwe Peter und Vorsitzendem Michael Zimmermann zu den Kollegen und einem Schwätzchen mit CSU-Stadträtin Christina Vatke. Die Schreibblöcke und gelben Kugelschreiber werden sie jedoch nicht los, die CSU hat selbst derlei Zeugs für das Wahlvolk. Der Stundenplan für Schulkinder ist werbefrei, schafft aber möglicherweise Sympathien.

Das Sortiment mit Fähnchen, Luftballons und Stifte verbindet die Parteien. Die Basisdemokratische Partei wirkt mit ihrem Stand zwischen den Tischen und Stühlen der Marktcafés etwas eingeklemmt, aber die Mitglieder jungen Partei sind umso eifriger dabei, ihre Informationen zu verteilen.

Gegründet hat sich die Organisation von "Menschen, die in Frieden und Freiheit leben und Lösungen miteinander finden und umsetzen möchten" auf Bundesebene im Juli vergangenen Jahres. Seit Januar 2021 gibt es den Kreisverband Bamberg-Coburg von "die Basis".

Kleine Windräder - klimaneutral produziert

Ins Marktgeschehen schon durch ihren Standort integriert sind die Sozialdemokraten. Gegenüber der Ecke Stadthaus / Spitalgasse haben Ramona Brehm - in der Berufstracht der Kaminkehrer - und ihre Helfer ihr Zelt aufgeschlagen. Die rauchenden Bratwurstbuden sind nahe, gegenüber gibt es Fisch und daneben bietet eine Edelbrennerei ihre Obstbrände und Liköre an. "Bei uns ist mehr los", sagt eine in vielen Jahren erfahrene Kommunalpolitikerin hinter ihrer roten Mund-Nase-Maske. Aber mehr und schon jetzt sichere Prozente sind in den Flaschen nebenan abgefüllt. OB Dominik Sauerteig und Amtsvorgänger Norbert Tessmer unterstützen Brehm. Allerlei Schriften mit Programmen und Forderungen gibt es - und Glückskekse.

Auf der anderen Seite der "Spit" leuchtet das grüne Zelt der - richtig, der Grünen. Kandidat Johannes Wagner ist heute nicht da, dafür werben die Mitglieder eifrig für mehr Umwelt- und Klimaschutz. Dafür steht ein Lastenfahrrad als Symbol und als Mitbringsel sind kleine grüne Windräder im Angebot. "Klimaneutral hergestellt" versteht sich - und nicht für Kleinkinder bis drei Jahren.

Die rechtsaußen-Partei Alternative für Deutschland steht an diesem Samstag zentral in der Spitalgasse. Ebenfalls liegen Stifte, Fähnchen und Schriftum bereit sowie "Mut zur Wahrheit". Die von rechts und links kommenden Passanten erhalten die Ansichten und das gedruckte Programm in die Hand gedrückt.

Weil "saubere Politik wählbar ist", gibts bei der ÖDP vor dem Spitaltor Seife. Neben dem üblichen Kram zur Wählerwerbung warten die ökologischen Demokraten mit Streichhölzern auf. Darauf das alte Motiv des bayerischen Löwen mit dem Reißnagel unter dem Hintern.

Aus dem Rettet-die-Bienen-Volksbegehren will man ebenfalls Honig saugen: Dafür sind die Teebeutelchen mit einer Blumensamenmischung gedacht.