Vor 110 Jahren wurde unter der Regie des Coburger Stadtbaumeisters Max Böhme die Heiligkreuzschule gebaut - im schönsten Jugendstil. Abgesehen von einer größeren Sanierung in den 1960er Jahren wurde bisher immer nur mal da, mal dort modernisiert - je nach den schulischen Anforderungen oder den finanziellen Möglichkeiten, zuletzt in den 1980er Jahren. Im vergangenen Juli stand nun endlich das Geld für die Generalsanierung bereit, und der erste Bauabschnitt - der Umbau der historischen Turnhalle zum Pausenraum - ist inzwischen in vollem Gange.
Dass an der Mittelschule dringend etwas getan werden musste, war nicht mehr zu übersehen. "Die Turnhalle war schon länger gesperrt", berichtet Rolf Probst vom Hochbauamt der Stadt Coburg. Die Sanitärräume seien zuletzt nicht mehr genutzt worden, insgesamt entsprach die Turnhalle nicht mehr den Anforderungen an einen modernen Sportunterricht. Zum Teil sei der Putz so stark abgebröckelt, dass ihn der Hausmeister abends eimerweise wegschaffen musste, erzählt Probst schmunzelnd beim Rundgang über die Baustelle. Zum Sportunterricht weichen die Schüler schon seit mehreren Jahren in die Rückertschule beziehungsweise in die frühere BGS-Sporthalle aus.
Doch die Turnhalle mit ihrer eindrucksvollen Architektur gar nicht mehr zu nutzen, wäre geradezu Verschwendung gewesen. "Das ist ein ganz toller Raum", findet Rolf Probst. Und natürlich soll dort auch wieder Leben einziehen. Der Schule habe schon lange ein Pausenraum gefehlt, dafür sei die große Halle ideal. Außerdem bietet die Heiligkreuzschule als offene Ganztagsschule auch Mittagsbetreuung an. Im Anbau werde daher ein eigener Raum für die Essensausgabe eingerichtet. Gekocht werde allerdings nicht vor Ort, erläutert Probst. "Das Essen wird geliefert."


Bausünden beseitigt

Zunächst mussten in der Turnhalle erst einmal die Bausünden vergangener Jahrzehnte beseitigt werden. So wurde zum Beispiel der Durchgang unter der Empore an der Stirnseite der Halle wieder geöffnet, der einst links und rechts von zwei Büsten flankiert wurde. Der Rundbogen war in den 1960er Jahren zugemauert worden, zuletzt hing an dieser Stelle ein Basketballkorb. Jetzt ist der Durchgang wieder offen. In die Bögen links und rechts davon werden die restaurierten Originaltüren eingesetzt, wie Rolf Probst erzählt. Die beiden Büsten seien allerdings verschwunden und bis heute nicht wieder aufgetaucht.
Herausgenommen wurde auch der nachträglich eingezogene "Sportboden". Als man das Niveau seinerzeit um 16 Zentimeter angehoben hatte, waren die Türen im Raum offenbar einfach ein Stück abgesägt worden. "Ich habe mich immer gewundert, warum die Türklinken so weit unten angebracht waren", sagt Probst lachend.


Zuckerl für die Handwerker

An der Längsseite zum Pausenhof hin wurden drei der Rundbogenfenster auf Bodentiefe vergrößert - ein besonderes Zuckerl für die Handwerker. "Die waren begeistert, weil sie endlich mal wieder einen Rundbogen mauern durften", erzählt Rolf Probst. Die Bögen werden später mit Glastüren versehen und in ein Schülercafé führen.
Zu 95 Prozent sei der Rohbau fertig. Ab Montag sollen die neuen Fenster eingesetzt werden - Sprossenfenster wie von 1907. Damit werde man nach und nach im ganzen Schulhaus die 60er-Jahre-Fenster ersetzen. "Die Haustechniker stehen auch schon in den Startlöchern", sagt Probst. "Sie mussten wegen der Witterung noch warten." Dann werden Dachdecker-, Klempner- und Metallbauarbeiten ausgeschrieben.


Unterricht im Container

Bis Ende des Jahres soll der erste Bauabschnitt fertig sein. Dann geht es im Schulhaus weiter, wo 14 Klassenräume, zwei Ausweichräume und rund zehn Fachräume saniert werden müssen. Gearbeitet werde etagenweise, erläutert Rolf Probst. Im Pausenhof stehen bereits Container bereit, in die die jeweiligen Klassen während des Umbaus ausweichen können.
Insgesamt heller und freundlicher soll das Schulhaus innen werden, sagt Probst und zeigt den Plan mit dem Farbkonzept. Die vielen Jugendstilelemente wie verzierte Treppengeländer, geflieste Sockel und teilweise auch Bemalung bleiben natürlich erhalten. In diesem Zusammenhang will Probst auch ein großes Lob loswerden: Der Denkmalschutz habe vieles ermöglicht und auch Modernes erlaubt, damit die Schule weiterhin genutzt werden könne.