Am schärfsten formuliert es Katja Auer in ihrem Kommentar in der Süddeutschen Zeitung. Unter der Überschrift "Eine Stadt geht in die Knie" schreibt sie gleich zu Beginn: "Coburg gibt dem Drängen des Unternehmers Michael Stoschek nach und benennt eine Straße nach dessen Großvater um. Das sieht stark nach einem gekauften Beschluss aus." Und das Ende ihres Kommentars ist auch nicht versöhnlicher: "Die Aufarbeitung soll angegangen werden. Endlich. Das hätte allerdings der erste Schritt sein müssen. Nun hat die Stadt schon Schaden genommen."

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Die Mittelbayerische Zeitung mit Sitz in Regensburg, der Onlinedienst der Nürnberger Nachrichten und der Nürnberger Zeitung, die Augsburger Allgemeine, die Mainpost Würzburg, der Münchner Merkur, die Online-Ausgaben von Focus und Welt bedienen sich eines dpa-Textes. Der ist ausgewogen allgemein gehalten. Alle Seiten kommen zu Wort. Wertungen geben allerdings die Überschriften: "Coburger Stadtrat ehrt Max Brose - trotz NS-Vergangenheit" (Mainpost) oder "Coburg erntet Kritik" (Münchner Merkur). Zitiert wird in einigen Zeitungen auch der Vorsitzende des Zentralrats der Juden: "Ich kann für diese Entscheidung des Stadtrats kein Verständnis aufbringen. Ich sehe eine deutliche Verstrickung Max Broses in die NS-Strukturen."

Im Beitrag der Abendschau des Bayerischen Fernsehens wurde gestern Abend zunächst von einer "gut organisierten" Aktion der Brose-Mitarbeiter, die mit "professionell gestalteten T-Shirts und Schildern" für eine Max-Brose-Straße demonstrieren, berichtet. Sie kommen auch zu Wort und machen deutlich, warum der Firmengründer für sie ein Vorbild ist und es verdient habe, dass eine Straße nach ihm benannt wird. Teresia Schmucker-Roth hingegen steht auf der Seite der Gegner. Sie wird zitiert, was sie in den Zwangsarbeiter-Dokumenten gelesen hat. Demnach standen in der Von-Schultes-Straße, die jetzt Max-Brose-Straße werden soll, die Baracken der Kriegsgefangenen, in denen nach ihren Worten über mehrere Jahre auch Kinder gelebt haben sollen.

Hart geht Stefan Wags tyl für von der Financial Times mit Coburg ins Gericht: "Bavarian town names road after Nazi businessman" (Eine bayerische Stadt benennt eine Straße nach einem Nazi-Unternehmer). Der Autor verweist in seinem Text darauf, dass diese Entscheidung ausgerechnet in einer Zeit gefallen sei, in der des 70. Jahrestages des Kriegsendes gedacht wird und in der die Deutschen mit der Nazivergangenheit abrechnen.
Zitiert wird Florian Dierl, der Leiter des Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg, der die Ansicht äußert, Coburg als die erste Stadt mit einem nationalsozialistischen Bürgermeister sollte besonders vorsichtig mit seiner Vergangenheit umgehen.

Auch Edmund Frey, einer der schärfsten Gegner einer Straßenumbenennung zugunsten des Brose-Firmengründers, kommt zu Wort. Für ihn, sagt er, ist die Max-Brose-Straße eine Straße der Schande.